DSF und Erlebnisse in der NVA

  • Als ich mit dem Armeedienst fertig war, hatten die Meisten meiner Kumpels noch gar nicht mit ihren 18 Monaten angefangen

    Stimmt wohl. Aber die haben die Zeit bis dahin sicherlich - aus meiner Sicht - besser und sinnvoller nutzen, sich (beruflich/persönlich) auch weiterentwickeln können, haben sich potentiell etwas aufgebaut.

    Und sie mussten auch dementsprechend später oder seltener zur Reserve, manch einer vielleicht auch gar nicht.

    Wenigstens dieser Kelch ist an mir vorübergegangen, der regulären Entlassung im Oktober 89 (!) geschuldet. Ein Kumpel ist mit 19 gezogen worden, der hatte gleich 3x die zweifelhafte Ehre, auch noch zur Reserve zu müssen. :augendreh:


    Was die EK-Bewegung anbelangt:

    ich habe nie verstanden, warum man diesem Treiben in einer "sozialistischen Armee des Friedens" keinen Einhalt geboten hat. Aber scheinbar war diese (teilweise arg ausartende) gegenseitige Drangsalierung Teil des (m.E. kranken) Systems. Bei "C&A" war's ja wohl sogar noch weitaus schlimmer... :staun:

  • Was die EK-Bewegung anbelangt:

    ich habe nie verstanden, warum man diesem Treiben in einer "sozialistischen Armee des Friedens" keinen Einhalt geboten hat.

    Das will ich mal als NVA-Pädagogik bezeichnen.

    Die Längergedienten wussten, wie was wo geht und haben dieses Wissen weitergeben. Die Vorgesetzten haben das geduldet, weil sich die Truppe dadurch selbst diszipliniert hatte.

    Es gibt sogar Beispiele dafür, wie erwünscht das war: Da hat einer beim Exerzieren die Füße nicht weit genug hoch gekriegt. Und um das zu üben, hat natürlich nicht dieser eine Soldat, sondern die komplette Mannschaft machen müssen. Da kannst Du Dir vielleicht vorstellen, wie die dann auf den zu sprechen waren.

  • Das tut es sogar ohne Zweifel. Die Frage bleibt, ob hier Aufwand (incl. all der wirtschaftlichen "Kollateralschäden" ) und

    tatsächlicher Nutzen im Verhältnis stehen.

    :/

    Das will ich mal als NVA-Pädagogik bezeichnen.

    Die Längergedienten wussten, wie was wo geht und haben dieses Wissen weitergeben. Die Vorgesetzten haben das geduldet, weil sich die Truppe dadurch selbst diszipliniert hatte.

    Es gibt sogar Beispiele dafür, wie erwünscht das war: Da hat einer beim Exerzieren die Füße nicht weit genug hoch gekriegt. Und um das zu üben, hat natürlich nicht dieser eine Soldat, sondern die komplette Mannschaft machen müssen. Da kannst Du Dir vielleicht vorstellen, wie die dann auf den zu sprechen waren.

    Und das rechtfertigt dann die Unterdrückung bis hin zu körperlicher Gewalt ? ("Musikbox" oder "Schildkröte" z.B. klingen harmlos , waren es aber nicht. Einem ehemaligen Koll. haben diese kriminellen Vollidioten bei letzterem einen Arm und 3 Rippen gebrochen. KEINER ist dafür ernsthaft zur Verantwortung gezogen worden! :zornig: )

    Wenn das jetzt auch unter den (arg verharmlosenden :verwirrter: ) Begriff "NVA-Pädagogik" fallen soll, dann weiß ich alles.

    Auch die "Weitergabe von Wissen" war sicherlich das, worum es bei diesem ganzen EK-Unwesen am allerwenigsten ging. Es ging um Unterdrückung, Erniedrigung und um das Auslassen von "Tagedrücken"/Frust an niederen Diensthalbjahren. Wenn mich einer fragt, wie ich das fand: :puke:

    Hört mir auf mit dieser beschissenen Armeezeit, die trage ich der DDR als einziges wirklich nach. :wechgeh:

  • Deluxe

    Die Russen in der Masse wissen im Gegensatz zu den Amis eben was Krieg bedeutet.


    Das mit den Nachrichtentruppen stimmt schon - ich war selbst Funker.

    Wir haben mit 4 Mann auf der Stube gelegen und hatten durch unseren Dienst gewisse

    Privilegien. ( Keine Wachen, kein GUvD, und auch kein Küchendienst usw. )

    Wenn ich die Wahl gehabt hätte, wäre ich trotzdem nie Soldat geworden.


    charlie601

    Weil wir ein halbes Jahr Funkausbildung hatten, waren wir nie mit sogenannten " Spritzern "

    auf der Stube.
    Ich konnte der EK - Bewegung allerdings nichts abgewinnen, und hab da nie mitgemacht.

    Teilweise war das schon extrem was da so abging.


    Wenn jemand zu mir sagt, dass er nicht Soldat war, antworte ich immer :

    " Da hast du nichts versäumt "

  • Was haben Armor und die DDR gemeinsam?


    Kein Hemd überm Arsch, aber bis an die Zähne bewaffnet......


    die Statistiken besagen, dass bei der entsprechen zunehmenden Spezialisierung der Truppe (Spezialtruppen, Luftwaffe / Marine) die entsprechenden Drangsalierungen deutlich geringer ausfielen, da dort das technische knoff-hoff im Vordergrund stand.


    Am schlimmsten war es wohl bei den Mot - Schützen und anderen Truppenteilen mit mäßigem, intellektuellem Niveau im Wehrpflichtige Bereich......

  • Am schlimmsten war es wohl bei den Mot - Schützen und anderen Truppenteilen mit mäßigem, intellektuellem Niveau im Wehrpflichtige Bereich......

    Aua.


    Wie meinst du das genau mit dem intelektellen Niveau im Wehrpflichtigen-Bereich bei den Mot-Schützen? Ich war RPG-Schütze als ganz normaler Wehrpflichtiger in einer mot-Schützengruppe von ebenfalls ganz normalen Wehrpflichtigen.


    Was aber prägnanter ist: Meine Dienstzeit ging bis in die Wende-Zeit hinein, wo uns allen (Wehrpflichtigen bei der NVA) der Arsch auf Grundeis ging. Es war nach unserem Kenntnisstand zumindest bis Mitte Oktober 1989 durchaus Rahmen des Möglichen, dass man uns nach dem China-Modell auf Demonstrierende jagt, um diese zusammenzuschießen.


    Im Übrigen waren in unserem Regiment die Unteroffiziere in der Regel die Dümmsten. Nach der Grundausbildung bekamen wir durchweg neue Unteroffiziere als Gruppenführer, die alle erst die UFFZ-Schule hinter sich gebracht hatten. Die wenigsten von denen hatten vorher überhaupt die Polytechnische Oberschule bis zur 10. Klasse geschafft.


    Damit war es möglich durch Manipulation, Kollaboration und anderes einigermaßen zu überleben. Ich bin zumindest nicht ganz unfroh darüber, dass es in meiner Kompanie nie Schildkrötenspiele gab.


    Viele Grüße

    Steffen

  • Je ein Stahlhelm je Ellbogen und Knie, sowie ein weiterer auf dem Kopf ("zur Sicherheit" :augendreh: ).

    Und der so bekleidete "Spritzer" (Angehöriger des 1. Diensthalbjahres) wurde dann - auf den 4 Gliedmaßen-Helmen rutschend) mit Schwung über den gebohnerten Flur geschoben. Mit Glück "rollte" er ohne ernsthafte Blessuren aus. Dieses Glück hatte mein ehem. Kollege nicht, der donnerte erst gg. die Ecke Flur/Treppenhaus und dann die Treppe runter... :schock:


    Die Art Spielchen gab es bei uns damals zwar nicht, dafür aber andere Sauerein.

    Vom "intelrktuellen Niveau" war das übrigens nicht unbedingt abhängig. Bei uns tat sich u.a. ein Lehrer ganz besonders hervor (der war wohl erst untauglich geschrieben und musste nach dem Studium doch - auch deswegen war der wohl besonders bösartig).

    Jedenfalls gab es da eine deutliche Gruppendynamik, der sich auch intelligentere Leute allzuoft nicht entzogen haben.

  • Oh ja das habe ich auch gespielt, Sichildkröte. Das war meist deim Anschnitt der EKs.

    Aber bei uns war es auf freiwilliger Basis der Sprutze, die EKs haben mich gefragt

    ob ich es machen würde, wenn ja darf ich mitfeiern und bekomme soviel zu trinken

    wie ich will. Hatte damals tolle und faire EKs, darum habe ich dann auch ja gesagt.

    War anschließend eine heftige Feier.......... ^^

    Mit dem Hammer gehts recht zügig.....8)

  • Tomsailor Mehr dazu auf Wiki: https://de.wikipedia.org/wiki/Entlassungskandidat

    Ist für mich ja auch eine vollkommen neue Welt. Nicht nur weil ich im NSW aufgewachsen bin, aber auch weil mein Geburtsjahr damals so üppig* war, daß es nicht besonders schwer war sich aus den Wehrdienstpflicht heraus zu reden. Normalerweise forderte hier die Armee den erst- und zweitgeborene Sohn. Ab dem Dritte bekam man dann Freistellung wegen 'Brüderdienst', es sei denn, daß 1 und/oder 2 ausgemustert wurden.


    *Die Pille kam kurz danach.

  • Was die EK-Bewegung anbelangt:

    ich habe nie verstanden, warum man diesem Treiben in einer "sozialistischen Armee des Friedens" keinen Einhalt geboten hat. Aber scheinbar war diese (teilweise arg ausartende) gegenseitige Drangsalierung Teil des (m.E. kranken) Systems. Bei "C&A" war's ja wohl sogar noch weitaus schlimmer... :staun:

    fahrgast, die EK-Bewegung war definitiv keine Erfindung der NVA. Sie wurde aus der preußischen Tradition heraus fortgeführt. Dienstvorschriften und steingraue Uniformen wurden ebenfalls nahezu 1:1 von der Wehrmacht übernommen.


    ... Es gibt sogar Beispiele dafür, wie erwünscht das war: Da hat einer beim Exerzieren die Füße nicht weit genug hoch gekriegt. Und um das zu üben, hat natürlich nicht dieser eine Soldat, sondern die komplette Mannschaft machen müssen. ...

    hjs, bei Schwächen einzelner, wurde das Trainieren der/des gesamten Gruppe/Zuges, zur Stärkung der Teamfähigkeit genutzt. Die Gruppe/der Zug trainiert solange, bis die Gefechtsaufgabe in einer notwendig erforderlichen Normzeit erfüllt wurde. Keiner wird zurückgelassen.


    ... Im Übrigen waren in unserem Regiment die Unteroffiziere in der Regel die Dümmsten. Nach der Grundausbildung bekamen wir durchweg neue Unteroffiziere als Gruppenführer, die alle erst die UFFZ-Schule hinter sich gebracht hatten. Die wenigsten von denen hatten vorher überhaupt die Polytechnische Oberschule bis zur 10. Klasse geschafft. ...


    Fridl, zu meiner Zeit, konnte die Unteroffiziersschule nur mit einem 10-Klassenabschluss besucht werden. Bestimmte Funktionsunteroffiziere benötigten sogar die 12. Klasse. Aber vielleicht war es bei euch, kurz vorm Zusammenrollen der Truppenfahnen, auch anders? Kann ich so nicht bestätigen oder beurteilen.


    ... Weil wir ein halbes Jahr Funkausbildung hatten, waren wir nie mit sogenannten " Spritzern "

    auf der Stube. Ich konnte der EK - Bewegung allerdings nichts abgewinnen, und hab da nie mitgemacht. Teilweise war das schon extrem was da so abging. ...

    Krümel, das erste Diensthalbjahr war bei uns generell in eigenen, ungemischten Gruppen. Conter-EK's und Vize-EK’s waren bei uns die relativ Harmlosesten, da wollten manche von ihnen noch den Durchhaltebalken erzielen. EK’s selbst haben ihren Anschnitt und die Schnapszahlen immer reichlich gefeiert und kaum ohne die Jüngeren. Großen Hokuspokus gab es in meiner damaligen Einheit nie.

  • charlie601 : hat keiner behauptet, dass das eine NVA-Erfindung war. Im Gegenteil, gab's auch ( und erst recht) bei der Roten Armee der SU (also bei "C&A").

    Um so schlimmer, dass gerade diese "sozialistischen Friedensarmeen" diese alten Zöpfe damals nicht abgeschnitten haben. :rolleyes:


    600ter : Auch noch freiwillig den Blödsinn mitmachen? Soviel Alk hätten die mir gar nicht bieten können... :beleidigt:

    (zumal man damals - ausserhalb jeder Gewohnheit - eh schon nach 2-3 Bier fast dune war... :fliegen: )

    Na ja - immerhin haben die bei Euch vorher gefragt, was ja nicht eben üblich war...


    Erklärung für die glücklichen Nicht-Diener:

    "Anschnitt" = feierliches Anschneiden des Bandmaßes, dass man ab da ständig in der Tasche hatte und das die EK's (Entlassungskandidaten) den noch-länger-dienen-Müssenden bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit vor der Nase abrollten. Jeden Tag bis zur Entlassung wurde 1 Abschnitt abgeschnitten, bis der Entlassungstag endlich ran war. Diese Abschnitte wurden mit den regelmäßigen Briefen der Liebsten oder der Fam. nach Hause geschickt. Dort wurden die auf eine Sektflasche geklebt, die dann gemeinsam 'geköpft' wurde, wenn man endlich entlassen und wieder zu Hause, also wieder ein halbwegs freier Mensch war.

    Diesen Tag habe ich bis heute in kpl. und positiver Erinnerung (eine der wenigen positiven an diese langen 18 Monate).

    Z.B. weiß ich noch genau, dass mein Liebling und Schwiepa ne knappe h zu spät kamen (meine Frau war schwanger und er hat sie nicht mehr alleine fahren lassen - sie wäre garantiert eher ne h zu früh dagewesen :zwinkerer: )

    UND: sie kamen mich mit Schwiegerelterns 89er abholen, der dementsprechend erst ein 3/4 Jahr alt war - und den ich heute noch täglich nutze. :)

  • charlie601 : hat keiner behauptet, dass das eine NVA-Erfindung war. Im Gegenteil, gab's auch ( und erst recht) bei der Roten Armee der SU (also bei "C&A").

    Um so schlimmer, dass gerade diese "sozialistischen Friedensarmeen" diese alten Zöpfe damals nicht abgeschnitten haben. :rolleyes:

    Ich würde behaupten wollen, d.d. Nationale Volksarmee von Gründung an ihr Eigenleben hatte und das sicherlich bis zum Schluss. In ihr haben auch nur die Menschen aus dem Volk gedient. Des wegen ja auch: "Volksarmee", eben durch die Wehrpflicht.

    Zu meiner Zeit waren Offiztiere und Berufs-Unteroffiziere keinesfalls alles SED-Genossen. Da gab es genug andere Parteien (siehe Volkskammer der DDR) und auch sehr viele parteilose "Genossen". Auch die NVA war ein Spiegel der gesamten ostdeutschen Gesellschaft, und so wurde diese "schlechte" preußische Tradition (Der Jüngere dient dem Älteren!) gewollt fortgeführt.

  • fahrgast

    Da hast Du was durchmachen müssen.

    Das könnte mein Vater sicherlich gut nachvollziehen, der hat die Zeit auch gehasst. Und als ich zur Welt kam, hat man ihm das nicht sofort mitgeteilt und dann noch das komplett falsche Geburtsdatum genannt.

    Bin froh bei der Geburt meiner Kinder dabei gewesen zu sein. Und bin sehr froh ein Kind der 1980er Jahren gewesen zu sein.

    Auch mein Onkel, deutlich jünger als mein Vater, hatte noch das Pech die NVA kennen zu lernen, für den gab es wahrscheinlich nichts schöneres als deren Untergang, laut ihm hatte er da nur mit machtgeilen Idioten zu tun.

    Und in der Fiebel waren die Texte und Bilder zur NVA immer so harmonisch gewesen.. Ich fand an sich meine Kindheit in der DDR schön, da ich von viele Dinge noch nichts mitkam und betroffen war. Da kam die Wende für mich zur rechten Zeit.

    War nur traurig kein Jungpionier mehr zu sein, das rote Halstuch wollte ich auch gerne noch haben. Bis dahin wirkte die Propagana auf mich also.


    Ich frage mich aber schon manchmal ab welchen Alter es unbequem wurde.


    Das meiste davon ist ja echt krank.

    Edited once, last by Tomsailor: Ein Beitrag von Tomsailor mit diesem Beitrag zusammengefügt. ().

  • Ja, das war weitestgehend krank, sehe ich evenso.


    Ab wann es unbequem wurde? - Das kommt drauf an... :/

    Für mich z.B. wäre es wohl ohne diese leidige Armeezeit nie wirklich unangenehm geworden. Man war in die damaligen Verhältnisse hineingeboren und ist mit ihnen (auf)gewachsen, es war somit auch vieles bei weitem nicht so schlimm, wie es aus heutiger Sicht erscheint bzw. allzuoft dargestellt wird (so jedenfalls mein Empfinden). Satt zu essen gab es übrigens immer (eher zu viel, nur eben nie immer alles. Und bestimmte Dinge halt nur 1-2 x im Jahr- die berühmten Bananen oder gute Orangen z.B.. Um so mehr hat man sowas zu schätzen gewusst und sich daran wirklich erfreut ;) ).

    Mit dem alltäglichen Mangel hier und da lebte man wie selbstverständlich. Es wurde viel improvisiert und ebenso viel gegenseitig ausgeholfen. Und es wurde sehr viel weniger verschwendet und weggeworfen (Verschwendungen durchtechnische Gegebenheiten mal aussen vorgelassen).

    Das Gemeinschaftsgefühl war ein ganz anderes (egal, ob auf Arbeit oder privat).

    Leider ist das (u.a.) nach der Wende weitgehend hinten runter gefallen. ?(

  • Die Geschichte mit der EK-Bewegung ist mir glücklicherweise komplett erspart geblieben. Das muss dermaßen Überhand genommen haben, dass man von oben Gegensteuern musste. Unser Regiment wurde zu der Zeit, als ich einberufen wurde, komplett umstrukturiert. Es waren in allen Mannschaften nur noch Soldaten des selben Diensthalbjahres zusammen. Das machte die Sache deutlich einfacher. Unter den Soldaten war das Verhältnis kameradschaftlich und solidarisch. Die Capos lernten schnell, dass es besser für sie ist, uns fair zu behandeln und ebenfalls ein gutes Verhältnis zu uns aufzubauen. Und sogar einige Offiziere merkten mit der Zeit, dass die Truppe einfacher zu führen ist, wenn man die Soldaten wie Menschen behandelt.

    zu meiner Zeit, konnte die Unteroffiziersschule nur mit einem 10-Klassenabschluss besucht werden.

    Bei Berufsunteroffizieren war das sicher der Fall, Davon gab es allerdings zu meiner Zeit nicht besonders viele. Bei den Dreijährigen hat man genommen, was man kriegen konnte. Es wurde schon verstärkt um Abiturienten geworben, aber die Bereitschaft ging ab Mitte der 80er gegen Null. In meiner Abi-Klasse gab es genau 2 Jungs, die sich für 3 Jahre verpflichtet hatten. Beide waren sich aber sicher, dass sie aus gesundheitlichen Gründen ausgemustert werden.


    Die erste Musterung war recht interessant. Da wurden alle nochmal in die Mangel genommen. Ich hatte das Glück, dass mein Name weit hinten im Alphabet steht, und ich an dem Tag einer der Letzten war. Da waren die Herrschaften im WKK offensichtlich schon müde. Nach einer kurzen Phrasendrescherei, und dem Skizzieren einiger Droh-Szenarien ließ man mich einfach gehen.


    Die Unwilligkeit zum verlängerten Wehrdienst wurde allerdings auch mit einigen Repressalien belohnt. So durfte ich bei der GST keinen LKW-Führerschein machen, und die Zulassung zum Elektronik-Studium wurde mir zunächst auch verwehrt. Das mit dem Studium war dann später mit einem kleinen Umweg doch einfacher möglich, als ich befürchtet hatte, aber der LKW-Führerschein war Essig.


    In dem Zusammenhang fällt mir gleich noch die Geschichte ein, wie man versucht hat, mich als SED-Kandidaten zu werben. Aber das wäre jetzt eine andere Geschichte...

  • Ich kann bestätigen dass das Gros der Unteroffiziere tatsächlich nicht zu den hellsten

    Kerzen auf der Torte gehörte.

    Das war selbst unter den Offizieren nicht unbekannt.

    Es besserte sich wohl erst, als man Abiturienten vor die Wahl stellte " Drei Jahre Armee, oder

    kein Studienplatz "


    Auch waren dort viele dabei, die es im Zivilleben nicht weit gebracht hatten.

    Somit wurde die Gelegenheit ergiffen sich an denen, die es dort besser gepackt hatten, zu rächen.


    Nachträglich muß ich allerdings sagen, dass es in fast allen Armeen der Welt ähnlich

    funktioniert.

    Der einfache Soldat wird angebrüllt, erniedrigt und klein gemacht um ihm jede Art von

    eigenem Denken abzugewöhnen.

    Bei den Russen war das übrigens besonders Krass. Der einfache Soldat war der letzte

    Dreck.

    Wenn im Rahmen von DSF - Veranstaltungen Treffen stattfanden, tauchten immer die

    gleichen Figuren auf ( keine einfachen Soldaten )

    Ich nannte die " Vorzeigerussen "

  • Die schlimmste Zeit war m.E. kurz nach 90. Vor allem in den ehemaligen Wehrkreiskommandos konnte man sich nicht wirklich mit der neuen Situation abfinden. Ich bin in der Lehre gemustert worden (statt der erhofften T2 irgendwas T7 - Küche und Musik). Als ich den Herrn Musterungsoffizier gefragt habe, ob ich hier auch den Antrag auf Zivildienst abgeben kann, wurde der erst blass, dann rot und angefangen rumzuschreien ...

  • hjs, bei Schwächen einzelner, wurde das Trainieren der/des gesamten Gruppe/Zuges, zur Stärkung der Teamfähigkeit genutzt. Die Gruppe/der Zug trainiert solange, bis die Gefechtsaufgabe in einer notwendig erforderlichen Normzeit erfüllt wurde. Keiner wird zurückgelassen.

    Mit Verlaub: Derlei Gruppentherapien hatten System und sollten sogar als Schikane aufgefasst werden.

  • Als ich den Herrn Musterungsoffizier gefragt habe, ob ich hier auch den Antrag auf Zivildienst abgeben kann, wurde der erst blass, dann rot und angefangen rumzuschreien ...

    Wie ging es aus, hat er die Verweigerung angenommen?


    Ich bekam bei der Musterung über 30DM erstmal für die Fahrkosten regelrecht hingeworfen, jeder aus meiner Abiklasse und mit selben Wohnort bekam komischerweise einen anderen Beitrag ausgehändigt, aber für die 25km Anfahrt doch recht viel, nur einer bekam keine 10DM, warum auch immer. Nach der Musterung (T2) habe ich meine Verweigerung und Antrag auf Zivildienst problemlos abgeben können. Wurde aber abgelehnt. Dann hat mein Onkel mir eine Verweigerung geschrieben und richtig weit ausgeholt, fand es ja schon etwas übertrieben und hatte daher Bedenken, wurde aber im zweiten Anlauf akzeptiert.

    Ein paar Jahre später wurden jüngere Freunde von mit mit T2 schon ausgemustert, wahrscheinlich waren die Jahrgänge zu groß und die Dienstzeit schon drastrisch gekürzt. Die durften teilweise nichtmal Zieldienst machen, hatten aber fest damit geplant nach dem Abi einen Dienst zu leisten und sich entsprechend für Lehrstellen beworben oder den Beginn ihres Studiums gelegt ect.und nun standen sie da wie nicht angeholt.