Altersvorsorge und Besteuerung - der Brutto-Netto-Thread

  • Bedenkt aber, das Leben ist auch nur endlich und für Viele fällt der Ruhestand auch nur sehr kurz aus

    Für den ersten Satzteil grundsätzlich richtig, aber...ich behaupte, für viele fällt der Ruhestand heute deutlich länger aus.

    Steigende Lebenserwartung dank besserer Medizin, optimaleren Arbeitsbedingungen und oft auch wegen einer gesünderen Lebensweise (Beispiel: 2/3 weniger Raucher als noch vor 30 Jahren) sind heute Realität.


    Heute werden Männer durchschnittlich fast 80, Frauen 83 Jahre alt. Das sind für Männer schon fast 10 Jahre mehr als noch 1989 in der DDR.


    Bedenkt immer, hauptsächlich lebt ihr in der Gegenwart, konkret im Jetzt und im Morgen.

    Ich muss aber mit der Lebenserwartung die ich heute haben kann, auch an Übermorgen denken. Das nicht zu tun halte ich persönlich für veranwortunglos gegenüber sich selber und am Ende auch gegenüber der Gesellschaft.


    Und immer nur Angst zu haben was ich möglicherweise alles nicht schaffen könnte oder was alles schief laufen kann, könnte ich auch raus gehen und wie der Vogel Strauß den Kopf in den Sand stecken.


    Meine Firma schließt meine Bude am 31.12.2022 und verlagert die Arbeit temporär nach HH und langfristig ins Ausland.

    Sowas sind herbe Rückschläge auf die man reagieren muss.

    Ich kann nur sagen, ich habe meine Scholle bestellt. :)

  • Für den ersten Satzteil grundsätzlich richtig, aber...ich behaupte, für viele fällt der Ruhestand heute deutlich länger aus. ...


    ... Ich muss aber mit der Lebenserwartung die ich heute haben kann, auch an Übermorgen denken. Das nicht zu tun halte ich persönlich für veranwortunglos gegenüber sich selber und am Ende auch gegenüber der Gesellschaft. ...

    Tim, Übermorgen, je länger ich lebe, desto mehr Rente bekomme ich ausgezahlt. Ist doch schön. Für die Beerdigungskosten ist alles schon hinterlegt, für diesen Teil muss niemand anders einspringen, auch nicht meine Kinder oder die Gesellschaft. 8)


    Und immer nur Angst zu haben was ich möglicherweise alles nicht schaffen könnte oder was alles schief laufen kann, könnte ich auch raus gehen und wie der Vogel Strauß den Kopf in den Sand stecken.

    Tim, schief läuft viel im Leben und das geht jedem so. Ab einem gewissen Alter hast du es auch geschafft. Denk aber immer dran: "Mitnehmen kannst du nichts, und auf Wolke sieben sind alle gleich." :)

  • Übermorgen, je länger ich lebe, desto mehr Rente bekomme ich ausgezahlt. Ist doch schön.

    Das interesannte daran ist aber, zwischen gerade so (über) leben und komfortabel leben, ist die Spanne ziemlich weit gefächert.

    Wenn du schon "alles geregelt" hast, dann ist das natürlich sehr gut.


    Praktisch haben das aber auch nicht alle. Ich meine da auch eher die, die das ganz bewußt nicht haben und die die "gelebt" haben und dann im Alter auf Transferleistungen zugreifen, weil sie wissen das sie damit im Rahmen der bescheidenen Lebensführung schon über die Runden kommen.

    Alles auch eine Sache der persönlichen Einstellung.


    Mitnehmen kannst du nichts

    Richtig!

    auf Wolke sieben sind alle gleich." :)

    Das konnte bisher noch niemand sicher beweisen.

  • Komfortabel leben...


    Bedeutet für jeden etwas anderes, je nach eigenem Maßstab. Der eine muss die Messlatte dafür hoch legen, der andere nicht. Wenn einer wenig braucht um glücklich zu sein, ist das doch nicht schlimm und derjenige wird sein Leben nicht als unkonfortabel ansehen.

  • Ganz im Sinne des Themas geht es aber auch darum, den Status Quo, welcher auch immer das ist und wie jeder ihn für sich definiert, mit Eintritt in die Rente zu erhalten.

  • Dann habe ich meinen eigentlichen Status Quo gerade überschritten und werde im Rentenalter dorthin zurückkehren.:grinsi::grinser:

    Aber ich verstehe was Du meinst.


    Aber eine Möglichkeit gäbe es noch. Man macht es so wie die jetzigen Rentner und wählt die Partei, die das beste Angebot an die Rentner macht. Rentner stellen die größte zuverlässige Wählerschaft im Staat dar und einige Parteinen stürzen sich regelrecht auf die Alten. Daher kamen und kommen in meinen Augen andere Themen, welche das Rentenproblem auch indirekt hätte lösen können, viel zu kurz.

    Edited once, last by Tomsailor: Ein Beitrag von Tomsailor mit diesem Beitrag zusammengefügt. ().

  • Letztendlich sind eben jene Lebensplanungen für die Katze, wenn sich die Lebensumstände ändern. Mal so eine kleine Scheidung und im selbstgebauten Haus wohnt jemand anderes. Oder die Rentenversicherungsverträge werden halbiert und mit neuen Konditionen als neue Verträge weitergeführt. Oder, oder, oder ...

  • Die Kunst ist und bleibt es, eben auf jene unvorhergesehenen Umstände die eine solide Planung zunichte machen können, sofort zu reagieren und es nicht schleifen zu lassen.

  • Praktisch haben das aber auch nicht alle. Ich meine da auch eher die, die das ganz bewußt nicht haben und die die "gelebt" haben und dann im Alter auf Transferleistungen zugreifen, weil sie wissen das sie damit im Rahmen der bescheidenen Lebensführung schon über die Runden kommen.

    Praktisch wird die Transferleistung für Rentner eine immer größere Bedeutung erlangen. Die Harz-4-Gesetzgebung von Rot/Grün hat hierzu die Grundlagen und einschneidende Rahmenbedingungen geschaffen. Ich kenne unzählige Beispiele von Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, mit einer Rente die nicht mal zum Verrecken reicht.


    Billiglohn, ständige Arbeitsplatzwechsel, je nach Förderkonjunktur ganze „Wirtschaftszweige“ mit ABM-/AGH-Maßnahmen, Zeitarbeit, zwischendurch immer wieder arbeitslos. Der leidliche Rest (Oder sind es doch noch mehr?). Die Alten grauhaarigen, die jetzt aufmucken und „unsere“ Demokratie auf Demos vor Rätsel stellen. „… weil sie wissen dass sie damit im Rahmen der bescheidenen Lebensführung schon über die Runden kommen?“



    Man macht es so wie die jetzigen Rentner und wählt die Partei, die das beste Angebot an die Rentner macht. Rentner stellen die größte zuverlässige Wählerschaft im Staat dar und einige Parteinen stürzen sich regelrecht auf die Alten.

    Das Rentenproblem wird bereits seit schwarzen Blüm-Zeiten der 90er gelöst. „Alle zahlen unter gleichen Bedingungen in die gleiche Kasse ein?“ Träumt weiter! Dieses Thema wird immer zu kurz kommen, weil nicht gewollt. Gleiches wiederholt sich parteiübergreifend bei Steuergerechtigkeit, Krankenversicherung und Mindestlohn.


    Darum. Prüft gewissenhaft alle Wahlprogramme. Nur die dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber!

    :dj:

  • Ich kenne unzählige Beispiele von Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, mit einer Rente die nicht mal zum Verrecken reicht.


    Billiglohn, ständige Arbeitsplatzwechsel, je nach Förderkonjunktur ganze „Wirtschaftszweige“ mit ABM-/AGH-Maßnahmen, Zeitarbeit, zwischendurch immer wieder arbeitslos. Der leidliche Rest (Oder sind es doch noch mehr?). Die Alten grauhaarigen, die jetzt aufmucken und „unsere“ Demokratie auf Demos vor Rätsel stellen. „

    Versteh mich bitte nicht falsch und ich will niemanden diskreditieren, aber oft stellt sich in Gesprächen heraus, dass genau diese Gruppe wenig bis garnichts dafür getan hat, diese Situation nicht soweit kommen zu lassen, bzw. war ihnen nie wirklich bewußt was kommt, haben auf irgendwelche Versprechungen ala " die Rente ist sicher" vertraut und sich zeitlebens nie auch nur ein Stück um das Thema Rente gekümmert.

    Wie oft schon habe ich aus dem Kreis der um die 60jährigen gehört, dass sie beim ersten Besuch der LVA zur Kontenklärung und Berechnung der zukünftigen Rente rückwärts vom Stuhl gefallen sind.


    Wie erwähnt gab es auch zu DDR Zeiten schon die Möglichkeit der Zusatzrente. Und danach sowieso.

    Wer immer arbeiten war und "gelebt" hat, ohne etwas privat (in welcher Form auch immer) für die Rente aufzubauen, der hat ganz schlicht und ergreifend Pech gehabt und den Zug verpasst.

    Und wer behauptet, dass das nicht möglich gewesen wäre.......


    Private Vorsorge ist kein Thema des 21. Jahrhunderts. Sowas gab es schon immer.

    Wer das im Arbeitsleben vernachlässig oder ganz unberührt lässt, dem kann das später auf die Füße fallen.


    Ich kenne auch genug die seit der Wende diese ganzen Sachen wie Billiglohn, arbeitslos, ABM usw. alles durch haben. Dennoch haben sie sich gekümmert und es reicht für etwas mehr als nur bloßes überleben.

    Und oft genug mucken auch die auf, die "gelebt" haben und nur erwarten das der Staat ihnen hilft.


    Nochmal, bitte so verstehen wie ich es sage. Das der (aktuelle) Staat und das System nicht gerade das gelbe vom Ei ist bleibt vollumfänglich unbestritten.

    Es bleibt dabei, dass man halt versuchen muss, sich mit den momentanen Gegebenheiten bestmöglich zu arrangieren.


    Wenn der Thread hier manchen nur ganz einfach zu ein wenig Nachdenken anregt, kurz mal die eigene Situation zu bewerten, dann ist schon ein großer Schritt getan 🙂

  • Tim letzter Absatz ist bereits in Kraft getreten, aber da ich wenig genug Ahnung habe, wüsste ich nichtmal wo ich anfangen könnte mich für später besser aufzustellen...

  • Das ist leider nicht in 5 Minuten erklärt. Grundsätzlich kann man aber sagen das es 3 Schritte gibt.


    1.) die persönlich Istsituation erfassen und analysieren

    2.) Informationen einholen welche Möglichkeiten es gibt

    3.) die für einen im Status Quo sinnvollsten realisierbaren Möglichkeiten umsetzen bzw. sie für später mit einplanen


    Punkt 1 kann und sollte man erstmal selber machen. Dazu gehört eine Aufstellung von Einnahmen und Ausgaben und eine Erfassung des aktuellen Punktestandes in der Rente, sowie einem Versicherungsverlauf in der Rente.


    Punkt 2 braucht dann meistens etwas Hilfe und wenn möglich eine unabhängige Beratung bestenfalls von mehreren Personen, so das man vergleichen kann.


    Punkt 3 ist dann erstmal offen.....


    Und ja, am Ende kann es dann doch nach einer gewissen Zeit wieder anders kommen. Systemwechsel, persönliche Schicksalsschläge, Krieg, Unfälle oder oder oder.

    Das muss aber nicht der Untergang sein. Kopf hoch und wieder bei Punkt 1 anfangen.


    Ich habe auch eine Scheidung (anno 2003) hinter mir und es hat 10 Jahre gedauert, bis ich finaniziell einen Schlußstrich darunter ziehen konnte.

    Sollte sowas wieder vorkommen, dann ist mein aktueller Plan auch für die Katz und ich muss mir was neues ausdenken.

  • Darum. Prüft gewissenhaft alle Wahlprogramme.

    "...wenn Käpt'n Blaubär in der "Sendung mit der Maus" sein Seemannsgarn spinnt. Da hat zum Beispiel ein Wal ihn und sein Segelschiff aus einer Flaute gezogen. Weil er ihm eine Flasche Lebertran versprochen hatte. Doch er hatte gar keinen Lebertran dabei. Und der arme Wal musste dann hören, dass das Ganze eben nur ein "Wal-Versprechen" gewesen sei. Käpt'n Blaubär findet Nachahmer im wahren Leben..."

  • Zu Tims Punkt 2 bietet sich meiner Meinung nach hervorragend die Verbraucherzentrale an. Zumindest hier bei uns kann man Termine zum Thema "Altersvorsorgeberatung" buchen. Das Gespräch kostet (in Hessen) 39€ pro 30 min (und sie empfehlen ein 2h-Gespräch zu buchen). Die Verbraucherzentralen sind wirklich unabhängig, d.h. bekommen keine Provisionen bei später abgeschlossenen Verträgen, haben keine laufenden Geschäftsbeziehungen zu irgendwelchen Anbietern und sind als gemeinnützige Vereine eintragen, d.h. wirtschaften ohne Gewinnerzielungsabsicht.

  • Interessant, vor ca. 25 Jahren habe ich mich mal in einer Verbraucherzentrale kostenlos beraten lassen. Allerdings ging es dabei lediglich um eine Unstimmigkeit mit einem Einzelhändler mit einem Streitwert von ca. 50 DM. Ok, ganz kostenlos war es auch nicht, denn beim Gehen wurde ich herzlich dazu eingeladen, ein Scheinchen in der Spendenbox zu hinterlassen.


    Ansonsten halte ich einen Stundensatz von 78 EUR für eher sehr moderat, sofern tatsächlich eine kompetente Beratung als Gegenwert geboten wird. Zum Vergleich: Hier im Süden kostet der einfache Kfz-Schlossergeselle ungefähr das Doppelte. Vom Meister, Karosseriebauer oder Lackierer ganz zu schweigen.

  • Wenn man danach ein guten Plan hat, dann kann man das bezahlen.

    Wichtig hierbei ist auch wie beim Auto mit Vollgutachten, eine umfassende Zuarbeit. Das heißt man sollte zum Termin wirklich alles an relevanten Unterlagen zwecks der persönlichen Vermögenssituation bereitstellen.

    Noch besser wenn man im Vorfeld schon alles übersichtlich ordnet und/oder in Tabellen zusammenfasst.

    Wenn die Hälfte fehlt oder nur ein ungeordneter Berg an Zetteln ist, sind die 2 Stunden schnell rum ohne ein passendes Ergebnis zu haben.

    Das wird für einen 20jährigen nicht soviel sein, für jemand der 40 oder älter ist, kann da schon einiges zusammenkommen.


    Dazu gehört in jedem Fall ein Versicherungsverlauf der LVA und ein aktueller Punktestand.

    Wer schon etwas moderner unterwegs ist, kann dies mittels neuem Personalausweiß bei der LVA online zu den regulären Öffnungszeiten abrufen (außerhalb geht es nicht da sind die Server down). Man braucht also nicht mal hingehen.


    Weiterhin die persönlichen Einnahmen und Ausgaben, alle sonstigen Verpflichtungen und der Stand des ggf. schon vorhandenen Vermögen.

    Dazu sollte man sich vorher auch schon mal überlegen was man alles noch vor hat und wo die Reise hingehen soll.

  • Ja, wie denn?

  • Stundensatz von 78 Euro... Boach ey!


    ... Ansonsten halte ich einen Stundensatz von 78 EUR für eher sehr moderat, sofern tatsächlich eine kompetente Beratung als Gegenwert geboten wird. ...


    78 EUR entspricht etwa 160 DM (1.600 DDR-Mark), allein an eurer Argumentation kann man erkennen, was aus einem Euro innerhalb von rund 20 Jahren geworden ist.

    Zu DM-Zeiten bis Anfang 2000er entsprach bei uns in Freital die KFZ-Werkstatt-Stunde 60 DM, die digitale Repro- und Fotosatzstunde 65 DM, Arbeitsvorbereitung/Druck-Stunde 50 DM, der Steuerberater/Rechtsanwalt 80-180 DM ...

    Rechnet man nochmals 20 Jahre drauf, könnte es für eure Rentenbeträge noch viel, viel mehr "moderater" werden. Vorausgesetzt, dass sich euer Einkommen auch mehr als verdrei- oder vervierfachen ... Hoffentlich!