Schlitze in der Bremstrommel

  • Hallo.

    Ich hab bei meinem Trabi (nur) vorne Links in der Bremstrommel 2 Schlitze. Vermutlich Eingeflext vom Vorbesitzer (Ungarn)


    Hat der das zur Belüftung gemacht oder könnte es da noch nen anderen Grund geben?


    Grüße Eric

  • Ab Werk waren vorne zwei Belüftungsschlitze in den Trommeln und hinten keine.

    Das heißt also das du vorne rechts ein 'Hinterradtrommel' hast.


    Eine Frage worüber ich grübeln könnte, ist weshalb die Schlitze ein Viertel von einander stehen und nicht einander gegenüber.

    Ist das um vorzubeugen, daß man ein Abzieher rein würgt?

  • Ich hatte bei den Schlitzen auch mal die Vermutung das die nicht nur zur Belüftung sondern auch zum Auswuchten der Trommeln dienen.

  • Ahh Ok.

    Danke für die schnelle Hilfe.

    Gut. Also kein Pfusch made in Ungarn.

    Wäre es besser wenn ich vorn rechts auch eine mit Schlitzen hab oder ist das egal?


    Gruß

  • Wäre es besser wenn ich vorn rechts auch eine mit Schlitzen hab oder ist das egal?

    Wenn dieser Arbeitsschritt kein Nützen hatte, wäre sie ab Werk auch nicht vorgenommen, schätz' ich mal.

    Mit oder ohne Schlitzen ist jedoch unabhängig vom Herstellungsort. Wenn es noch die werksoriginale Trommel sind -und die Chance ist weit über 50%- sind sie eben 'made in GDR'.

    Dein ungarischer Vorbesitzer hat eben ein vorhandene Trommel genommen, und das war zufällig ein Hintere.

    Solche Entscheidungen werden auch außerhalb Ungarn getroffen. ;)

  • Meines Wissens sollen diese Schlitze auch zur besseren Abführung von Bremsensraub/Abrieb dienen, der bei Duplex (nur da gehören die geschlitzten Trommeln eigentlich hin) nunmal vernehrt anfällt.

  • Hallo,


    wieso sollte bei der Duplexanlage mehr Bremsstaub anfallen? Mit Simplex muss doch genauso viel gebremst werden, dann eben mittels höherer Pedalkraft.


    Gruß

    Benjamin

    Fährt und schraubt gern IFA *Simson S50B1* *Schwalbe KR51/1* *Trabant 601 LX '88* :love:

  • Ich würde eher sagen es war eine Baujahrbedingte Entwicklung. Irgendwann (wann genau weiß ich nicht) ist man zu der Erkenntnis gekommen dass diese Schlitze eine Verbesserung bringen.

    Warum nur an der Vorderachse und warum so versetzt kann ich nur spekulieren.

  • Selbstverstärkung, 2 auflaufende Backen... ;)

    Soweit, so klar. Jedoch muss bei Simplex eben entsprechend stärker gedrückt werden.

    Im Endergebnis entsteht für dieselbe Verzögerung auch dieselbe Menge an Abrieb.


    Gruß

    Benjamin

    Fährt und schraubt gern IFA *Simson S50B1* *Schwalbe KR51/1* *Trabant 601 LX '88* :love:

  • Ich denke nur wegen dem Abrieb wurden die Schlitze sicher nicht gemacht. Der Abrieb hat genügend andere Möglichkeiten sich nach draußen zu verkrümeln. Zur Belüftung erscheinen mir die Schlitze auch recht wenig und warum dann nicht ringsum? Am plausibelsten ist mir das mit der Auswuchtung besonders für die Vorderachse wichtig. Der Einheitlichkeit wegen verstehe ich aber auch nicht warum das nicht bei allen Trommeln gemacht wurde.

  • bepone : Und dennoch hast Du bei Simplex immer eine ablaufende, weniger stark bremsende Backe, bei Duplex eben die 2 auflaufenden, dank der Selbstverstärkung auch gleichermaßen stärker bremsenden, Backen.

    Damit ist eine dementsprechend höhere Bremswirkung mit geringeren Pedalkräften erzielbar (wenn das auch im direkten Vergleich Simplex-Duplexanlage subjektiv mitunter nicht unbedingt deutlich spürbar sein muss).

    Daraus folgt, dass schon bei jedem noch so leichten Bremsvorgang bei Duplex auch etwas mehr Abrieb entsteht, was sich im Dauerbetrieb durchaus zusammenläppert.

    Das deckt sich jedenfalls mit meinen Erfahrungen aus dem DDR-Werkstattalltag, wo man quasi täglich Bremsen (auf)gemacht hat. Bei den Duplexbremsen war eigentlich immer deutlich mehr Abrieb drin, als bei den (auch in den 80ern durchaus noch desöfteren vorstellig werdenden) Simplexanlagen.

  • Ich stimme Fahrgast vollkommen zu. Die Schlitze sind ab der ersten Duplexanlage drin.

    Im ersten Jahr waren sie im 180° Versatz, entsprechend selten sind die heute und viele haben noch nie eine gesehen.

    Geändert wurde das einfach nur aus fertigungstechnischen Gründen, also kein besonderer Grund warum später im 90° Versatz.


    Das Werk schreibt bei Duplex die geschlitzen Trommeln vor. Und warum ist für mich relativ eindeutig. Be- und Entlüftung, sowie Abriebableitung.


    Die Pedalkraft soll um den Wert von etwa 30% verringert sein.


    Hier bitte 1967er Duplextrommel mit Schlitzen im 180° Versatz:

    (oben ist ein Spiegelbild )

  • Die Sache mit dem zusätzlich Abrieb kann ich zwar theoretisch nicht nachvollziehen, aber wenn es sich in der Praxis so erwiesen hat, dann soll es so sein. Einen Vergleich Duplex - Simplex an der VA habe ich nicht.

    Müsste dann natürlich auch bedeuten, dass sich die Bremsbacken der Duplexanlage wesentlich schneller abnutzen.


    Was bei den Schlitzen in der Trommel auch noch sein kann: Sie wurden einfach im Zuge der Verbesserungen an der Bremsanlage mit eingeführt (Umstellung auf Simplex), da man mitbekommen hat, dass vorn generell wesentlich mehr Bremsstaub anfällt als hinten.


    Das deckt sich jedenfalls mit meinen Erfahrungen aus dem DDR-Werkstattalltag, wo man quasi täglich Bremsen (auf)gemacht hat. Bei den Duplexbremsen war eigentlich immer deutlich mehr Abrieb drin, als bei den (auch in den 80ern durchaus noch desöfteren vorstellig werdenden) Simplexanlagen

    Ich möchte dir nichts unterstellen, aber derart alte Erinnerungen an solche Details sind zumindest mit großer Vorsicht zu betrachten.


    Gruß

    Benjamin

    Fährt und schraubt gern IFA *Simson S50B1* *Schwalbe KR51/1* *Trabant 601 LX '88* :love:

    Edited once, last by bepone ().

  • Die Sache mit dem zusätzlich Abrieb kann ich zwar theoretisch nicht nachvollziehen,

    Vielleicht unterstützt es die Nachvollziehbarkeit noch, zu sagen das mit der ersten Duplexanlage auch die roten Beläge eingeführt wurden.

    Ohne sie labortechnisch untersucht zu haben, ist der rote Belag etwas ganz anderes als der vorher Genietete. Der Rote ist wesentlich flexibler, weicher und hat mehr Abrieb als der Genietete.


    Ich habe noch sehr viele Beläge zum nieten, die allesamt sehr hart sind und zwar nicht nur durch die lange Lagerung. Vergleichbare Beläge für den Trabant von Jurid sind deutlich weicher. Auch alternative Beläge zum nieten von heute sind viel weicher.


    Was dabei etwas fehlt, die Simplexbeläge wurden seit dem auch beim Regenerieren mit dem roten Belag beklebt. Es gab aber m.W. nach keine Nachrüstaufforderung bei rotem, geklebtem Belag die Trommeln mit Schlitzen nachzurüsten.


    Man kennt das ja, dass weichere flexiblere Beläge besser bremsen, man sich das aber mit einem höheren Verschleiß erkauft.


    Sachsenring hat sich das einfach gemacht. Da die Beläge fortan geklebt waren, hat man schon nach kurzer Zeit einfach die Verschleißgrenze von 2 auf 1mm angehoben. Somit hatte sich zu vorher an der Laufleistung der Bremsbacken je nach Einsatz nichts geändert.


    möchte dir nichts unterstellen, aber derart alte Erinnerungen an solche Details sind zumindest mit großer Vorsicht zu betrachten.

    Das Thema hatten wir auch schon. Ich habe auch schonmal die sogenannte Erinnerungsverfälschung ins Spiel gebracht, dies hat Fahrgast aber vehemend bestritten und gibt an im Bezug auf das Trabantthema hier immun zu sein.

    Und ja, warum nicht. An die für mich interessanten Sachen im Leben erinnere ich mich auch sehr gut ohne das ich behaupten kann hier etwas an den gespeicherten Eindrücken bei der späteren Wiedergabe zu verzerren.

    Insofern mag es sowas natürlich geben, aber man sollte nicht standardmäßig davon ausgehen das es so ist und jegliche Erzählung von Erlebnissen älter als 20, 30 oder mehr Jahren immer nur die halbe Wahrheit ist.


    Die Anzahl derer die heute noch mit Simplex und original genieteten Belägen rumfahren, dürfte man an zwei, eher an einer Hand abzählen können.

    Vielleicht hat Deluxe ja sein mal hier gezeigten selber belegten eingebaut und Erfahrungen gesammelt?

    Bei mir dauerts noch ein paar Tage bis das Auto damit fertig ist und fährt.

    Daher wird man hier mehrheitlich nur auf sehr alte Erfahrungen zurückgreifen können und muss diese erstmal so akzeptieren bis möglicherweise der Gegenbeweis erbracht wird.

  • Vielleicht hat Deluxe ja sein mal hier gezeigten selber belegten eingebaut und Erfahrungen gesammelt?

    Hat er.

    Denn seit 2012 fahre ich mit diesem Satz Backen im 66er umher - allerdings noch nichtmal 10.000km. Ich habe die Bremse, sicher auch dank DOT5 bei diesem Stehzeug, seither kein einziges Mal geöffnet. Wieviel Abrieb da drin ist? Keine Ahnung.

  • Na dann...Räder mal runter und nur die Trommel zur Inspektion/Reinigung abnehmen und berichten. ;)

  • Prinzipiell ist dem so, dass der Belagverschleiß bei Duplex potentiell höher ist, schon physikalisch bedingt. Es kommt natürlich der subjektive Faktor hinzu, wer wie fährt und (mehr oder weniger rabiat) bremst.

    Bei Duplex verschleißen beide Backen auch gleichmäßig, während bei Simplex normalerweise die vordere, auflaufende Backe immer den dünneren Belag hat, die hintere etwas weniger verschleißt.


    "Bei Umstellung auf DUPLEX" wurden die geschlitzten Trommeln eingeführt, dass hatten wir schon geklärt. ;)


    Und noch zu den Erinnerungen:

    auch mir gehen mit steigendem Alter diverse verloren oder verwässern sich, Namen oder Geburtstage sind z.B. so ein heikles Thema... :wechgeh:

    Was aber in der ersten Phase meines Berufslebens, also als Lehrling oder Junggeselle in der Trabibude, abgelaufen ist, habe ich großenteils noch derart präsent auf dem Schirm, als wäre es erst gestern gewesen. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass das eben eine sehr spannende, im Vergleich zur Schulzeit sehr viel positiver, freier und angenehmer empfundene, Lebensphase war, an die man sich einfach gerne erinnert. :)

    Das mit dem bei Duplex verstärkt auftretenden Bremsenstaub darfst Du mir also durchaus gerne glauben, das war Tagesgeschäft... ;)

    (die genieteten Beläge fand man übrigens schon damals - in den 80ern - bei den Simplex-Fahrzeugen nur noch äußerst selten vor. Am ehesten noch bei P50/60, die im Werkstattalltag aber sehr unbeliebt waren und somit meist an den Stiften oder Junggesellen hängenblieben. - NIE hätte ich damals gedacht, später mal selber einen zu fahren... :lach:


    P.S. Ich habe ein ausgesprochen schlechtes Zahlengedächtnis, schon immer. Aber welcher Kunde i.d.R. wieviel Trinkgeld gegeben hat, das kann ich dir bis heute aus dem FF aufzählen... :dollar:

  • Natürlich, bei Umstellung auf Duplex. Fehler meinerseits.


    Den höheren Bremsstaub-Anteil kann ich mir aufgrund Tim's Aussage bezüglich des weicheren Belagmaterials im gleichen Zuge einwandfrei erklären, vielleicht magst du mir noch den physikalischen Faktor nahebringen. Ich bekomme es nämlich nicht zusammen.


    Was die Erinnerungen angeht - da spielt nicht nur das Alter eine Rolle, denk ich. :saint:

    Und, wenn ich von mir ausgehe, es gibt da mitunter auch absolut klare Erinnerungen an kleinste Details, bei denen ich Stein auf Bein schwören und mein Haus und Hof verwetten könnte, dass das so war. Es gab in solchen Situationen aber tatsächlich öfter Gegenbeweise und ich war froh, doch nicht gewettet zu haben.

    Deswegen meine Aussage, man sollte mit so etwas vorsichtig umgehen. ;)



    Gruß

    Benjamin

    Fährt und schraubt gern IFA *Simson S50B1* *Schwalbe KR51/1* *Trabant 601 LX '88* :love: