Bremsanlage komplett neu machen? Anleitung? Welche Details beachten?

  • Hallo liebe Trabantfreunde!


    Nachdem mein Westauto den Geist aufgegeben hatte und ich erst nach 3 Monaten den Fehler hatte, fuhr ich halt den Trabant durchgehend. Ein echt tolles Auto, Respekt! Jetzt sind die Bremsen runter. Meine Frage, da ich keinerlei Ahnung habe (da bin ich ganz ehrlich):


    Wie wechselt man die Anlage im Detail? Gibt es hier irgendwo bebilderte Anleitungen? Ich habe zwar schon mal geschaut, aber viele "Vokabeln" müssen unter ein Dach gebracht werden:
    - Anzugsdrehmoment der Felgenschrauben und bei den einzelnen Bremsenteilen
    - ist DOT 4 ok , muss die ganze Bremsleitung auch neu?
    - dann habe ich mal was von einem Bremstrommelanzieher gehört!? Muss ich sowas oder anderes Spezialwerkzeug kaufen?
    - gibt es sonst etws zu beachten?


    Ich fahre Donnerstag (Termin) zu einer Selbsthilfewerkstatt, da ich kein Werkzeug habe. Vielleicht kann der das auch - allerdings hatte der noch nie einen Trabant dort und so wären Tips in jeder Hinsicht hilfreich.


    Meine Bestellung ist heute angekommen: 4 neue Reifen und das "Premium-Bremsanlagen-Sparset EBC Trabant 601" (Nr. 20708 bei Trabantwelt.de)


    Das Auto ist ein normaler 601er 2 Takt, Baujahr 11/88 und EZ 2/89


    Lieben Dank vorab,
    Tim

  • ganz ehrlich, ohne es böse zu meinen: mit deinen nicht vorhandenen Vorkenntnissen zum Thema Bremse, würde ich mich an deiner Stelle NICHT ranmachen. Die Bremsen retten dein Leben, und wenn jemand dran rumschraubt, der keine Ahnung davon hat, kann einiges schief gehen. Guck mal in der Karte (oben rechts auf der Startseite)... da gibts bestimmt paar Mitglieder in deiner Nähe (Hamburg, Bremen), die dir helfen können und das auch schonmal gemacht haben.
    und alles haarklein hier zu dokumentieren, und worauf du achten musst, würde den Rahmen sprengen.
    Sorry, aber das ist meine Meinung.


    Gruß frösi

    Die Frösi... war das nicht ne Kinder- bzw Jugendzeitschift in der DDR mit lustigen Bastelbögen drin?? :top:
    Anklam 2016: 3.Platz in der Kategorie "Trabant Original Baujahr 79-84"
    und 4. Platz "Trabant 1.1 original"
    stirnfett.de

  • Moin!


    Also mal vorab würde ich jedem, der "keinerlei Ahnung" hat, davon abraten, ausgerechnet die Bremsanlage selbst zu erneuern...


    DOT4 sollte rein. Die Bremsleitungen müssen nicht neu, wenn sie in gutem Zustand sind... Beim abschrauben der Leitungen von den Radbremszylindern muss man aber vorsichtig sein, die reißen glaub ich schnell ab. Dann brauchste wirklich neue Leitungen :thumbsup:


    Den Abzieher braucht man bei deinem Baujahr nicht mehr. Ist allerdings trotzdem extremst hilfreich, weil manchmal die Trommeln einfach nicht ab wollen. Da kann man dann aber auch nochmal das Rad dranschrauben, so hat man mehr Gewalt beim Rütteln.


    Neue Reifen sind immer gut und mit den EBC-Bremsen fahre ich jetzt seit 2 Jahren. Ich persönlich bin mit der Bremsleistung absolut zufrieden. Quietscht nur, wenn er über Nacht draußen stand, aber das ist ja ganz normal.


    Unter trabitechnik.com findet man viele Anleitungen :)


    Grüße

  • Im Buch "WHIMS" ist alles beschrieben, gibt es als download unter www.trabitechnik.com und den Bremstrommelabzieher benötigst du nicht bei diesem Baujahr. Natürlich solltest du dir vorher die Fachkenntnisse erwerben, bevor du dich an die Bremsen rantraust, schließlich hängt nicht nur dein Leben drann!

    Das Leben ist zu kurz, um langweilige Autos zu fahren!

  • Ich lese hier viel mit, und muss auch mit der Zeit feststellen, dass immer mehr Leute ohne Fachkenntnise, einfach solchen Anlagenteilen wie Bremse oder Lenkung als ihr "Projekt "sehen.
    Wie kann man diesen Menschen beibringen, dass man hier auch Verantwortung gegenüber anderen Menschen übernimmt.
    Wann kommen diese Menschen zur Vernunft.
    Der Trabat ist zwar ein Fahrzeug welches "relativ" einfach ist, aber natürlich darf man nichts ohne Fachkenntnisse oder auch angelernte Kenntnisse an Anlagenteilen "fummeln". Das ist hoffentlich allen klar. LEUTE hier gehts um Dein Leben, das Leben Eurer Kinder, das Leben anderer Menschen.


    Entsetzt
    Macha

  • Definitiv. Es ist jedem selbst überlassen wie und wo er fummelt.
    Und in aller Regel lassen die Leute mit 2 völlig Linken händen die gerade mal noch Tanken können das geschraube eh sein.


    Micha: chill mal und spiel nicht den autoritären Oberlehrer. So kommts einem grad vor.

    Biete feines Glasperlstrahlen. Zylinderköpfe, Riemenscheiben, Vergaser, Schrauben etc.
    Bei Interesse bitte PN.

  • Ich habe früher die (primitiven) West-Kisten von Nissan bis Käfer und umgekehrt auch selbst gerichtet. An die Bremsen habe ich mich nie getraut. Als blutiger Laie ist ne Bremseneigenreparatur ein völliges nogo (außer Du wärest latent suicidgefährdet). :thumbsup:

    Gruß Guido
    Stattlicher Satzverständiger für sprachliche Irritationen------------------------------------------------------------------------------- Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz.
    Mercedes Achtzylinder V8 500SEC Coupe--
    Duo Dreirad--Ford Explorer-- Materia--
    Microcar Lyra Bj 1999 Lombardini-Diesel 500ccm,Ligier Ambra Diesel in Restauration,
    Trabant Universal Bj 1983 12Volt Drehstrom-Lima
    Velomobil go-one2

  • Hm, ich hatte vor 3 Jahren auch den ersten Trabi zum schrauben vor mir. Da mussten auch die Bremsen komplett gemacht werden.


    So richtig kompliziert finde ich das bei keinem Auto, wobei Scheibenbremse ja nun noch simpler ist.


    Da sowieso keiner Zeit hat ist man gezwungen alles mögliche selbst zu machen.


    Da ich auf den Trabi als Alltagsfahrzeug nicht angewiesen bin, belese ich mich erst und probiere dann auch schon mal selbst.


    Wobei mir nie wirklich unklar war was ich wie machen muß, wenn man sich der Funktionsweise bewusst ist, läuft es auch.


    Aber die Leute hier haben schon recht, an deinen Fragen hört man schon das du Trabimäßig grün hinter den Ohren bist, also such Dir lieber jemanden, wenns allein nicht klappt und man findet den fehler nicht bricht auch schnell der Frust aus.

  • oooh, da hab ich ja ne berechtigte Lawine losgetreten! :-)


    Natürlich habt ihr recht, was die Verkehrsicherheit angeht. VIelleicht hab ich mich nur blöd ausgedrückt. Ich habe den Termin in der Selbsthilfe, und der Mann macht da auch die Arbeiten. Ich möchte halt nur mitmachen/lernen/zuschauen sogut das geht, damit ich eben mal Ahnung kriege! Um Gottes Willen würde ich alleine NIEMALS an die Bremse gehen. Ich meine wenn ich selbst drauf gehe, egal - aber andere Verkehrsteilnehmer sind ja auch noch da.


    Meine Intension liegt darin, daß ich der Werkstatt vielleicht noch spezielle Tips mit auf den Weg geben kann. Halt Infos, die nur in Trabant-Schrauber-Kreisen bekannt sind.


    Eine einfache Zusammenfassung des Ablaufes und der wichtigsten Punkte wäre halt hilfreich!


    Schön, dass das hier ein vernünftiges Forum ist. Da möchte ich Euch alle mal loben, gibt auch andere Foren mit sehr primitiven Inhalten.


    Liebe Grüße
    Tim

  • Hallo@ tim,
    ich bin jetzt wirklich beruhigt. Danke für deine Erklärung. Ich glaube, wenn du jetzt gut zuschaust, dir die Dinge dabei auch erklären lässt, bin ich sicher, aus dir kann ein guter "Trabantschrauber" werden. Den Hinweis der anderen solltest du aber wirklich beachten. Bei trabantteaem Löbau Zittau gibst wirklich ne Menge Informationen zu Trabant. Auch eben sehr viel Dinge zu herunterladen. Das häufig als WHIMS genannte Buch für Trabant, ist die" Bibel" aller Trabantschrauber. Da solltest du immer als erstes was finden.
    Also viel Glück für eure Arbeiten. Mach dir doch vor der Demontage oder bei Zwischenschritten einfach ein paar Fotos. da kannst du immer nachschauen wie es war, und musst nicht raten.
    Das gilt für das Einhängen der Federn, auch für die Unterschiede bei den automatischen Bremsnachstellern und andere Kleinigkeiten.


    Macha

  • Hallo,
    ich, Roland, bin neu im Pappenforum, lebe am Niederrein und wende mich mit einer kleinen Frage an diesen Beitrag, weil es hier um die Bremsanlage geht.
    Gegenüber den anderen Teilnehmern ist meine Frage wahrscheinlich eher läppisch; ich habe einen komplettenTrabbipedalbock erstanden um ein vermurkstes Bremspedal aus zu tauschen.
    Wie bekomme ich das Pedal von der Welle? Einen Splint seitlich zwischen Welle u. Pedal habe ich schon ausgebohrt. Aber das Pedal bleibt hartnäckig auf der Welle sitzen.
    Kann mir einer der Erfahrenen einen Tipp geben?
    Schon mal Danke im Voraus für Antworten.
    Gruß Roland

  • @ Macha: lieben Dank, ich hab da schon mal reingguckt, bin noch
    unsicher, muss ich die Version von 1990 oder die ältere nehmen? Das Auto
    ist ja BJ 11-1988 und EZ 02-1989
    Der Tip mit dem Fotos ist gut, aber das mache ich auch schon seit Jahren so, wenn ich was zerlege :-) Danke dennoch!


    @alle noch - Kritiker: Ja, vielleicht möchte ich es mir jetzt noch erst einmal vorbeten lassen. Besser als aus 100 wirren Threads in diversen Foren Halbwahrheiten zusammenzukratzen und nachher geht der Schuss nach Hinten los.
    Und: Vielleicht bin ich irgendwann auch mal fit in der Technik. Ist nicht jeder mal angefangen? Ich hatte / habe sonst nur Westautos, da geht man sowieso nicht mehr selbst ran. Und wenn ich mir divere Osteuropäische LKW auf unseren Strassen ansehe, sollte darüber auch noch mal nachgedacht werden. Klar ist, das die Bremse ein Sicherheitsrelevantes Teil ist - aber wie war es denn früher in der DDR? Hat da nicht jeder selbst geschraubt? Ich bin Wessi, frage einfach nur, soll keine Kritik, Bewertung oder sonstwas sein!

  • Man mags kaum glauben, aber auch in der DDR hat man schrauben lassen. Und nicht jeder hat in der Platte gelebt ^^


    Zum Thema: Nimm ruhig die Version von 1990. Das letzte große Ding kam doch 1988 mit den Schraubenfedern hinten, seit dem hatte sich da nicht mehr viel verändert. Hab auch die von '90, ist alles cool ;)

  • ich war ja noch ein kleiner (frecher) Wessi, als die DDR zusammenbrach. Ich kann mich aber noch ganz genau an eine Situation errinnern. Ich wollte unbedingt in einen Laden, dass muss so ein IFA Laden oder so gewesen sein. Ich wollte als Souvenir unbedingt einen Trabant Schriftzug mit nach Hause nehmen. Gab es aber nicht. Seitdem wollte ich einen Trabant haben :-) Unsere Verwandten wohnten auch nicht in der Platte :-)


    Ich drucke dem Werkstattinhaber die 1990er Version mal mit aus, habe gestern die andere Version gedruckt. Danke!

  • tim (und für andere, die das nicht wissen können, weils eben schon 24 Jahre Vergangenheit ist)


    nee, nee nicht alle Lenker von Trabant-, Wartburg-, Barkas, oder östlicherer Produkte haben selbst geschraubt.


    Sicher haben viele versucht, Kleinigkeiten selbst zu erledigen. Ein Ausdruck dafür ist eben das WHIMS. Aber die wenigsten haben sich an Bremsanlage oder Lenkung vergriffen. Ich hab das mir von meinem Vater zeigen lassen oder eben mitgemacht. Der war KFZ Meister und arbeitete in Karl-Marx-Stadt bei der KTA, Fabrikstrasse 7(heute DEKRA Neefestrasse). Einer seiner Kolegen in Chemnitz hat übrigens auch am WHIMS mitgearbeitet.
    Ich selbst hatte auch Freunde und Kollegen, die nie selbst was an ihren Fahrzeugen geschraubt haben. Da wurden dann "Beziehungen" genutzt oder mit Hilfe von "Ich könnte dir XXXXXXX geben, ist dann was zu machen?" gearbeitet.
    Das war wie heute, Beziehungen haben nur denen geschadet, die keine hatten.
    Wenn ich heute darüber spreche, sage ich, dass ich eigentlich bei meinem Vater (ohne es zu ahnen) einen zweiten Beruf gelernt habe. Ich war der STIFT, wenn er für Nachbarn und Freunde an Fahrzeugen werkelte. Ich habe eben im Alter von 16 Jahren mein erstes Moped unter Aufsicht meines Vaters restauriert.( war ein SR2E). Die Jahre vorher hatte ich die Fahrräder meiner Geschwister und von mir neu gemacht. Es war auch immer das Einspeichen und Zentrieren der Räder dabei. Ich habe dies bis zu meiner RT125/3 selbst gemacht. Man konnte eben auch zu DDR mit Krädern die nicht so verlaust aussahen, obwohl sie schon mehrere Jahre auf dem Buckel hatten, die Achtung anderer erreichen.


    In den letzten Wochen habe ich nach vielen Jahren, wieder mehrere Räder, Simson/ MZ eingespeicht. Das hat mir richtig Spass gemacht, obwohl jeder richtige Profi wegen der Zeit, die ich dafür benötige die Hände überm Kopf zusammenschlagen würde.


    Also ich schraube weiter, auch an Bremse und Lenkung. Der Verantwortung bin ich mir immer bewusst. Ich versuch mich immer selbst zu kontrollieren, lese auch nach ner Reparatur nochmal im WHIMS.


    Gut ich bin jetzt bissel viel abgeschweift, aber zur Erklärung für die Wirklichkeit DDR hab ich viel zu erzählen.
    Ich will nicht, dass jemand sagt, er hätte verstanden. Weil die, die dabei gewesen sind, auch nicht immer alles verstanden haben.


    Macha

  • bei der KTA, Fabrikstrasse 7


    Dort hat die Dekra dann nach der Wende erstmal mit einem Zelt für die ersten Hauptuntersuchungen angefangen, weit bevor sie an die Neefestraße gezogen sind... :thumbsup:


    Ansonsten:
    Ich bin sogar der Meinung, daß zu DDR-Zeiten genau wie heute nur die allerwenigsten wirklich selbst geschraubt haben. Man ging in die Werkstätten - trotz aller Probleme mit Ersatzteilen, Terminen usw. - aber letztlich wurden die Autos mehrheitlich von Werkstätten gewartet, genau wie heute.


    Daß alle selbst geschraubt hätten kommt uns nur so vor - weil jeder aus einem damals selbst erledigten Keilriemenwechsel oder dem Herausschrauben der Zündkerzen eine große "Am Trabant konnt'ste noch alles selber machen"-Story stilisiert.
    Sicher wurde im Durchschnitt etwas mehr selbst gemacht als heute - das ist klar, schließlich war die Technik ja wirklich auch für den Laien noch etwas überschaubarer und Werkstattermine ein knappes Gut. Aber gerade an Motor, Getriebe und Fahrwerk hat sich doch kaum einer selber 'rangetraut - mehr als kosmetischer Kleinkram wurde letztlich in der eigenen Garage kaum gemacht. Abgesehen von ein paar Schwarzarbeitern die vielleicht schweißen konnten und dem halben Dorf in ihrer Garage im Loch-Klecks-Verfahren die Schweller gewechselt haben.


    Aber Räderwechseln und Waschwasser auffüllen erledigen viele auch heute noch an ihren neuen Westautos - und machen nicht solch einen Hype draus.


    Man muß aufpassen, daß man den Zeitzeugen nicht zuviel objektive Wahrheit unterstellt. Viele der angeblichen Selbstschrauber-Geschichten die uns nach der Wende aufgetischt wurden sind reiner Mumpitz. Genau wie die tollen Techniktips, die man von alten DDR-Trabantfahrern zuweilen bekam und an denen ich mich mit meinen 18-20 Lenzen in den 90ern viel zu oft orientiert habe, wobei nie etwas Sinnvolles herauskam.
    Bei mir wurde es erst etwas, als ich die richtigen Leute fragen konnte, die wirklich 'was wußten.

  • Viele der angeblichen Selbstschrauber-Geschichten die uns nach der Wende aufgetischt wurden sind reiner Mumpitz. Genau wie die tollen Techniktips, die man von alten DDR-Trabantfahrern zuweilen bekam und an denen ich mich mit meinen 18-20 Lenzen in den 90ern viel zu oft orientiert habe, wobei nie etwas Sinnvolles herauskam.


    ...genau weil sie es nie selbst ausprobiert hatten. Bin auch mal auf so eine Sache reingefallen " kein Problem, kannste selbermachen..." Ich komme aus dem Maschienebau und kam vor allem anfangs mit den Toleranzen an der Vorderachse nicht zurecht. Ich war mir so unsicher, dass ich beschloss es nachher noch mal prüfen zu lassen. WHIMS hab ich erst seit 2007 ;)
    Ich wohnte in Dresden und meine Werkstatt war in Pulsnitz. Da brachte ich ihn jedes Jahr hin und die haben das toll gemacht. Immer war ne Kiste bier im Kofferaum für die Mechaniker....