Konstantes Motorrasseln im Teillastbereich.

  • Moin liebe Zweitaktfreunde,

    vor zwei Wochen habe ich meinem 601 einen regenerierten Motor verpasst, läuft auch soweit alles gut. Kurz zur Technik: verbaut ist ein selbst regenerierter Blockvergaser, 28HB 2-9, Ebza auf 3mm vor OT, eingestellt mit der Zündeinstelluhr und abgeblitzt. Nur leider habe ich im 4. Gang zwischen 85 und 105 km/h nerviges Rasseln der Kolben. Auch beim Beschleunigen ist es dezent zu hören, um so wärmer es ist, desto mehr rasselt er. Sobald ich den Choke ein paar Millimeter herausziehe, ist es sofort weg und wenn ich ihn wieder hereinschiebe, fängt er nach 5 Sekunden wieder an zu rasseln. Aber mit gezogen Choke zu fahren ist auf Dauer auch keine Lösung (erhöhter Verbrauch) bei meiner S51 hatte ich das selbe Problem, da habe ich dann im Vergaser die Teillastnadel angepasst. Beim Trabi-Vergaser habe ich aber keine Teillastnadel, wie soll ich dann den Vergaser einstellen, dass er im Teillastbereich das optimale Gemisch bekommt? Der Vergaser ist auch noch in der Grundeinstellung, die habe ich nicht verändert, da die Kerzen eigentlich schön Rehbraun sind. Bei meinem alten Motor mit dem 28H 1-1 hatte ich übrigens das selbe Problem, der Sparvergaser hatte aber auch extrem nebenluft an der Drosselklappenwelle gezogen. Beim jetzigen Motor mit dem Blockvergaser habe ich noch nicht überprüft ob er Nebenluft zieht, das werde ich nachher gleich Mal machen.

    Viele Zweitaktgrüße,

    Torge

  • Das klingt nach dem typischen Verbrennungsklingeln, was zumeist durch falsche (zu frühe oder untereinander abweichende) Zündungs- oder Vergasereinstellung (zu mager, Kraftstoffniveau zu niedrig) begünstigt wird. Das wurde schon etliche Male thematisiert, bitte über die Sufu in die entsprechenden Threads einlesen.

    Manche Motoren haben dieses "Klingeln" gar nicht, andere nur beim starken Beschleunigen (vor allem im oberen Bereich des 3.Ganges), bei anderen ist es penetranter vorhanden.

    Ich hatte es an einem meiner blockvergasten Motoren ziemlich hartnäckig. Hier half letztenendes nur, den ZZP jeweils ein halbes ° zurückzunehmen. Seither ist Ruhe und leistungsmäßig war keinerlei Einbuße spürbar. ;)

  • Ich habe die Zündung nach Gefühl etwas später eingestellt und die LGS des Vergasers eine halbe Umdrehung herausgedreht (insgesamt ist sie jetzt drei Umdrehung herausgedreht vom untersten Anschlag aus). Es ist jetzt schon etwas besser geworden aber noch nicht ganz weg. Nebenluft habe ich auch noch überprüft, aber da ist alles, wie zu erwarten, dicht. Schließlich habe ich auch die Bohrungen für die Dkw neu ausgebuchst.

    Welche Düse bzw. welches Bauteil ist den hauptsächlich für den Teillastbereich zuständig?

    VG Torge

  • Beim Blockvergaser: Garnicht. Das Teil ist eine "Blumenspritze". Beim 28H1-1 ist die Hauptduese fuer den Teillastbereich zustaendig. Das Abrissklingeln bleibt Dir dort mit der originalen Beduesung, wenn es mal waermer ist, auch erhalten.


    Aber was weiss ich schon. "regenerierter Motor" ist heutzutage schliesslich ein dehnbarer Begriff geworden. Und Vergaser sind sowieso schrullige Technik, wo man nicht sagen kann, bei 2700 U/min und 85 kg/h Ansaugluftmasse haette ich jetzt gern Lambda 0,97, weil der Motor bei 0,99 ab 30 Grad Aussentemperatur zum Abrissklingeln neigt.


    Bei der Vergasertechnik muss man sich mit gewissen "Schoenheitsfehlern" einfach abfinden (beim Kuebel nerv mich bspw. gerade das gelegentlich ueberlaufende Schwimmerventil), vorausgesetzt, der Motor ist soweit in Ordnung.

  • Beim Blockvergaser: Garnicht. Das Teil ist eine "Blumenspritze".

    Ganz so drastisch würde ich es nicht sehen. Mein 77er läuft mit dem 28HB2-9 in allen Lastbereichen klingelfrei, bei niedrigem Verbrauch und guter Motorleistung (v(max) in der Ebene laut GPS 107-111km/h). (Wirklich oft hab ich die Höchstgeschwindigkeit aber auch noch nicht ausgetestet).


    Der Nachteil der "Blumenspritze" ist meines Wissens nach der, dass er im Teillastbereich eher überfettet. Demzufolge sollte da ein klingeln auf Grund eines zu mageren Gemischs bei ansonsten intakter Technik eher nicht vorkommen.


    Maßgeblich für die Gemischbildung beim Blockvergaser (und ansonsten intakter Technik) dürfte im Teillastbereich die Hauptdüse und die Leerlaufgemisch-Schraube sein, wobei letztere in Richtung Volllast immer mehr an Einfluss verliert,

    Sobald ich den Choke ein paar Millimeter herausziehe, ist es sofort weg

    Das ist allerdings äußerst merkwürdig. Beim Blockvergaser gibt es nämlich gar keinen "Choke" im eigentlichen Sinne, sondern einen zusätzlichen Startvergaser, der nur zwei Stufen kennt: Halb und Ganz. (abgesehen von Aus).


    D.h. Wenn bei dir bei wenigen mm Bewegung des Choke-Zuges eine Reaktion auftritt, dann ist vielleicht der Startvergaser nicht ganz in Ordnung.


    Und wenn der Startvergaser dann in Ordnung gebracht ist, dann solltest du anschließend die komplette Vergasereinstellung noch einmal überprüfen.


    Gruß Steffen

  • Welche Düse bzw. welches Bauteil ist den hauptsächlich für den Teillastbereich zuständig?

    Diese Frage uebersetze ich mit: "Gib es eine Duese bzw. ein Bauteil, welches beim Blockvergaser speziell fuer den Teillastbereich zustaendig ist?".


    Meine Antwort: Nein. Voll- und Teillast werden aus der selben Duese gespeist. Es ist keine separate Einstellung moeglich.


    Alle Klarheiten beseitigt?

  • Moin, erstmal danke für die vielen Tipps. Ich glaube der Fehler war, dass ich den neuen Kunststoffschwimmer nach dem angegebenen Maß für den alten Messingschwimmer eingestellt habe. Ich habe heute noch mal die Einstellung mit der Senfglasmethode überprüft, und da hat sich herausgestellt, dass der Benzinstand etwa 3 mm zu niedrig war. Ich denke, das liegt daran, dass die unterschiedlichen Schwimmer unterschiedliche Auftriebe haben. Nun habe ich ihn noch mal richtig eingestellt und auf der landstraße schön warm gefahren (27 Grad außentemperatur) und es war in keinem Drehzahlbereich ein Klingeln zu hören. Mal sehen wie sich das ganze morgen auf der Autobahn verhält, wenn er richtig schön warm geworden ist.

    VG Torge


    Das ist allerdings äußerst merkwürdig. Beim Blockvergaser gibt es nämlich gar keinen "Choke" im eigentlichen Sinne, sondern einen zusätzlichen Startvergaser, der nur zwei Stufen kennt: Halb und Ganz. (abgesehen von Aus).


    D.h. Wenn bei dir bei wenigen mm Bewegung des Choke-Zuges eine Reaktion auftritt, dann ist vielleicht der Startvergaser nicht ganz in Ordnung.


    Und wenn der Startvergaser dann in Ordnung gebracht ist, dann solltest du anschließend die komplette Vergasereinstellung noch einmal überprüfen

    Da habe ich mich wohl etwas falsch ausgedrückt... sorry mein Fehler.

    Also das Klingeln war weg, sobald ich in der halben Stellung des Choks war.

    Edited once, last by Trabi-Oldenburg: Ein Beitrag von Trabi-Oldenburg mit diesem Beitrag zusammengefügt. ().

  • Mist!

    Wenn er richtig warm ist, klingelt er genauso wie vorher... Werde mir mal nen regenerierten 28H1-1 kaufen und nach Co-Gehalt einstellen. Mit dem hatte ich mit dem alten Motor bis auf das typische Abrissklingeln keine Probleme. Wenn das nichts nützt werde ich die Zündung tauschen, denn in der aktuellen EBZA Geberplatte merke ich ein Spiel zwischen dem Kunstoffmitnehmer und der dafür vorgesehenen Aussparung und ich weiß nicht ob das normal ist....

  • Etwas Spiel ist notwendig, die Teile sollen sich schließlich einfach fügen lassen.


    Ansonsten ist es eher unrelevant, da der Mitnehmer immer nur in eine Richtung schleppt und somit immer anliegt.


    Gruß

    Benjamin

    Fährt und schraubt gern IFA *Simson S50B1* *Schwalbe KR51/1* *Trabant 601 LX '88* :love:

  • Wenn das nichts nützt werde ich die Zündung tauschen

    Nicht so wild in der Gegend herumtauschen. Teile werden dadurch nicht mehr.

    Hast Du mal die Zylinderköpfe heruntergenommen und die Brennräume angesehen? Manchmal sind die dick verkokt - das zu reinigen sorgt für geringere Verdichtung und für weniger Klingelneigung.

    Wenn dann auch alles andere stimmt (Zündzeitpunkt, Vergasereinstellung) sollte es keine größeren Probleme mehr geben.

  • Der hat erst 2000 km gelaufen, da dürfte sich noch keine Ölkohle gebildet haben. Jedoch ist noch der ori Endschalldämpfer von 87 verbaut, vielleicht ist der dichtgewachsen das er die Abgase nicht ordnungsgemäß los wird...?

  • Dann hätte er auch schon vorher so klingeln müssen... ;)

    NSD zu kenne ich aber ggf. eher mit spürbarer Leistungseinbuße.

    Die Ablagerungen in den Brennräumen sind ein berechtigter Hinweis. In Anbetracht des relativ frisch gemachten Motors haben wir das bislang außen vor gelassen. Aber: wurden evtl. vorher vorhandene dabei auch wirklich beseitigt?

    Wäre ggf. eine Überprüfung wert.

  • Auch die 180° der KW spielen dabei eine Rolle.

  • Moin,

    Ölkohle im Brennraum können wir ausschließen, habe vorhin mit meiner Rohrkamera hineingeguckt, da war alles ok, nur eine leicht bräunliche Färbung. Die Kurbelwelle müsste 180° Grad Versatz haben, da die ZZPs beider Zylinder exakt identisch sind. ABER zum Thema Ölkohle... habe heute noch den Endschalldämpfer getauscht, da dieser ja hier auch als Fehlerquelle aufgeführt wurde... Na ja beim demontieren des NSDs sind mit erstmal mindestens 100 Gramm Kohlestücken und Roststücke entgegen gekommen. Als ich ihn dann raus hatte habe ich beim Schütteln lautes Rascheln vernommen, sprich das Ganze Innenleben hatte sich in den Jahren (war noch der originale von 87) aufgelöst. Mit dem neuen NSD klingt er im Stand auch endlich Mal wie ein Trabant, denn das Typische „Rengdengdeng“ kannte ich bisher nur von YouTube. Bin ihn jetzt noch nicht mit dem neuen NSD Probegefahren, werde ich wohl erst morgen Abend zu kommen. Hoffentlich ist das Glockenspiel im Motor nun weg... Ach ja, bevor ich heute den NSD getauscht habe, hatte ich auf dem Heimweg auf der Autobahn mal die Heizung angemacht und habe mir fast die Finger verbrannt als ich meine Hand vor die Heizungsöffnung an der Frontscheibe gehalten habe. Gut die Außentemperatur war zu dem Zeitpunkt auch bei 30°, aber trotzdem war das für mein Gefühl definitiv zu heiß. Das war auch keine Stauhitze aus'm Krümmer, denn die heiße Luft kam so lange aus der Heizung, bis ich von der Autobahn runter war.

    Ich vermute er ist im Teillastbereich einfach seine Abgase nicht richtig losgeworden. Denn nun mit dem neuen NSD tourt er auch richtig schön ab und nimmt das Gas viel spritziger an (wie gesagt habe ich ihn bis jetzt nur im Stand getestet) Mal gucken wie er sich morgen verhält und ob er noch klingelt. Ich werde dann nochmal Rückmeldung geben.

    VG Torge

  • er wurde also wahrscheinlich die Abgase bei teillast nicht richtig los, aber bei Volllast schon?

    Und ich war immer der Meinung das bei Volllast mehr Abgase produziert werden.

  • Ich kann mir das nur so erklären, dass er bis zu einem gewissen Grade noch genug oder zumindest so viel Abgas los wurde, dass er nicht klingelte. Und bei Volllast vielleicht so viel Druck aufgebaut hat, das er es irgendwie rausgedrückt hat. Vorbei er auch bei Vollast etwas geklingelt hat, was aber durch die Umgebungsgeräusche übertönt wurde.

    Na ja aber erstmal morgen die Probefahrt abwarten...

  • Oder das "klingeln" kam aus dem Auspuff und es waren in Wirklichkeit umherklappernde / schwingende Rostflöckchen. Während der Fahrt kann man sich schon Mal vertun, wo das Geräusch genau her kommt.


    Edit: Ich bin gespannt, ob es jetzt wirklich weg ist.

  • Gut die Außentemperatur war zu dem Zeitpunkt auch bei 30°, aber trotzdem war das für mein Gefühl definitiv zu heiß

    Das ist wirklich nur dein Gefühl......wenn es draußen über 30° hat, dann kommt da schon sehr heiße Luft raus, die ungebremst auf dem Fuss auch schon mal leicht Verbrennungen erzeugen kann.

  • Moin, Probefahrt ist gemacht...

    Das Klingeln ist fast weg, nur noch zwischen 100 und 103 kmh ist es dezent zu hören und das typische Abrissklingeln halt. Hab jetzt die LGS noch Mal ne Viertel Umdrehung herausgedreht (insgesamt ist sie jetzt 3 1/4 Umdrehungen heraus), mal sehen ob das Glockenspiel damit schlussendlich besiegt ist.

    Was so ein neuer NDS ausmachen kann... Läuft viel angenehmer jetzt, nur ein wenig mehr drönen ist zwischen 90 und 100 kmh zu verhören...