Lebensdauer, Laufleistung und Identifizierung des Trabant Zweitakt Motors

  • Ich wage zu behaupten das es am Fahrprofil liegt.

    Wie lange wird so eine Rennwelle umgerechnet auf Straßenkilometer gefahren?


    Man erwartet auf der Straße das die Welle ihre 60-80tkm hält. Manche schaffen das problemlos, andere kommen kaum über die Hälfte.

    Das Ganze über viele Jahre gestreckt, teilweise mit monatelangen Standzeiten. Und da hilft das berühmte Schnapsglas Öl in die Kerzenöffnung vorm abstellen auch kaum weiter.


    Wie lange müsste man Rennen fahren um 50.000km Laufleistung zu erreichen?


    Die Wellen halten schon ihre Zeit wenn sie vernünftig gemacht sind. Es gibt halt nur aktuell keine neuen Hubzapfenscheiben für die ganzen Serienmotore. Ergo kann nur das wieder aufgearbeitet werden was da ist. Und wie wir alle wissen wird die Luft da zunehmend dünner.

  • Und dann gibt es noch die Gurkenwellen wie in meinem Motor:P

    Die Welle hält sich aber gut muss ich sagen.

    Es ist ja schon eine Art Experiment mal zu sehen wie lange diese 25mm Hubzapfen halten.

  • Bei erheblicher Einschränkung von Daten, sieht alles problemlos aus. Es sind ja längst nicht alle gebrochen. Allerdings sollte man hier betrachten, wie viele von den "normalen" gebrochen sind. Die ins Verhältnis zur Gesamtmenge gesetzt, ergibt eine nicht zu vernachlässigende Fehlerrate.

    Kaum jemand kommt auf die Idee ein teuer bezahltes Produkt zu zerlegen, um den Verschleiß zu messen und stellt Hochrechnungen zur zu erwartenden durchschnittlichen Haltbarkeit an. Es liegt auch in der Natur der Sache, dass es nicht reicht, EIN Produkt zu zerlegen (zerstören!).

    Die uns vorliegenden Erkenntnisse zeigen uns also nur gewisse Trends.

    An solchen Punkten kommen dann stets Meinungen wie "Alles übertrieben, alles läuft prima, nur Panikmache"...

  • Naja ich habe mit meinem Motor heute die 1000km Marke geknackt, aber mit der Erwartungshaltung es kann immer was kaputt gehen wenn man eine solche KW in ein unbekanntes Motorgehäuse einbaut mit unbekannten Zylindern und Kolben, um so schöner ist es dann wenn man trotzdem reihenweise LKW und sogar ab und zu PKW überholen kann weil der kleine 2 Takter sogar mit 3 Personen und Gepäck noch auf 110 kommt, (und natürlich läuft).:):thumbsup:

    Durchschnittlich fahre ich aber 95 und auch gerne mal 100.

  • Entscheidend ist nicht, wie gut er läuft (das machen solche zusammengewürfelten Triebwerke witzigerweise recht oft), sondern ob und wie LANGE er hält. Davon solltest Du keine Wunder erwarten. ;)

  • MEGU = Metallgußwerk Leipzig

    72,74 = Kolbendurchmesser

    3 = 3. Übermaß ?

    Pfeil = Einbaurichtung

  • Hi!


    Ich denke zwar dass dir dir folgenden Prägungen bereits bekannt sein könnten aber der Vollständigkeit halber:


    72 74 --> Ist der Kolbendurchmesser in mm. Das müsste drittes Schleifmaß sein wenn ich mich nicht irre.

    der Pfeil---> Die Einbaurichtung des Kolbens, Pfeilspitze immer in Richtung Auslass

    Megu--> Ist der Hersteller der Kolben VEB Metallguss Leipzig


    Zu der "3" und der "3,6" kann ich leider nichts sagen aber das weiß sicher irgendwer hier im Forum



    MfG


    Matze


    Edit: Da scheint sich die einzelne 3 ja schon geklärt zu haben;)

    Stets dienstbereit, zu Ihrem Wohl, ist immer der Minol-Pirol!

    Edited once, last by Simsonmatze ().

  • Das ist ein Kolben aus dem Kombinat "Megu". Erst auf der Innenseite kann man erkennen ob direkt aus Leipzig oder z.B. aus Dessau.


    Die Zahl 72,74 ist das 3. Schleifmass. Die 3 heißt 3/100 Einbauspiel.


    Die 3,6 ist so bissel unklar worauf die sich bezieht. Eigentlich soll dort das Datum stehen. Wie man die 3,6 nun als Datum ließt ist der Phantasie überlassen. Hab hier z.B. was mit 9,7........


    Der Gewichtsindex wurde vergessen. Da ist normal ein A oder B gestempelt. Ist aber nicht ungewöhnlich.

  • Woran erkennt man eigentlich einen Motor der davor ist, auszufallen?

    Durch Kugellagergeräusche? Schlechte Leistung? Oder bricht die Welle einfach so durch?

    Ich denke mir halt wenn es jetzt so lange Gehalten hat ist es doch logisch dass es länger halten kann, ich meine die Hubzapfen werden ja nicht einfach so dünner.

  • Das ist ein Kolben aus dem Kombinat "Megu". Erst auf der Innenseite kann man erkennen ob direkt aus Leipzig oder z.B. aus Dessau.

    Wieder was gelernt. Was ist dann als Unterscheidungsmerkmal zwischen den einzelnen Werken des Kombinates auf der Innenseite angebracht?



    MfG

    Matze

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    Edited once, last by Simsonmatze: Rechtschreibung korrigiert ().

  • Abschließende Frage,


    Da ich die Kolbenringe ersetzen will/muss wäre für mich das Maß von 72,75 das richtige? Oder doch ne Nummer Größer?

  • Ich beantworte das mal mit einer Gegenfrage:

    Warum willst/musst du die Kolbenringe ersetzen?


    Sowas macht man eigentlich nur, wenn einem bei einer noch sehr geringen Laufleistung ein Ring beim Ein/Ausbau zerbrochen ist. Zur Wiedererlangung von Kompression, welche durch Verschleiß nachgelassen hat ist die einzig Wahre Variante das Schleifen der Garnitur incl. zweier neuer Zylinder.


    MfG

    Matze

    Stets dienstbereit, zu Ihrem Wohl, ist immer der Minol-Pirol!

  • Beim Ausbau zeigten sich an der Seite des Kolben rußspuren....

    Daher dachte ich das die Ringe eventuell abgenutzt sind...

  • Die Ringe nutzen sich ab das kann man messen.

    Beim Trabant 2 Takter nutzt sich gleichzeitig aber auch die Laufbahn ab.

    Sie ist dann nicht mehr kreisrund und es macht dann keinen Sinn mehr neue Ringe in eine gelaufene Bahn zu stecken. Es würde sich dadurch nichts merklich verbessern, als wenn man die alten Ringe drin läßt.


    Wenn die Ringe verschlissen sind, so ist auch die Bahn verschlissen.

    Das einzige Richtige ist dann, die Laufbuchse ausbohren und neu schleifen, sowie ein Übermaßkolben.


    Wenn Kolben aus Dessau kommen, dann ist innen ein DLG eingegossen.

    Da es in dem Megu-Kombinat aber noch viele weitere Kolbenproduzenten gab, kann die Liste etwas länger werden.

    Da gabs z.B. auch "Plaue" für Plauen, was in einem Oval auf dem Boden gestempelt ist.


    In jedem Fall sollte aber innen ein Megu Zeichen eingegossen sein.

    Da ist bei Älteren ein großes M im Sechseck und bei neueren zwei große M mit den Beinchen zueinander. Das haben eigentlich alle Kolben die vom Kombinat-Megu sind, egal in welchem Betrieb gegossen.


    Megu-alt:



    Megu-neu:



    Dessauer-LeichtGuss:


  • Beim Motor muss man immer auf die Geräuschkulisse achten.

    Mit steigender Laufleistung werden die Geräusche des Verschleißes deutlich hörbar.


    Dafür einen Wert vorzugeben ist aber praktisch kaum möglich. Das geht nur mit zunehmender Erfahrung.


    Wenn man keine Referenz hat, dann wäre es gut sich mal irgendwo einen "frischen" Motor anzuhören und mal mit zu fahren.

    Selbst mit einem Video als Hörprobe ist es nicht immer einfach, da die Mikros auch manchmal Geräusche einfangen die garnicht da sind.


    Ich habe mal 2014 meinen Kübel aufgenommen. Der hatte einen Motor aus Neuteilen bekommen.


  • Auch "drüben" irgendwo im Westerwald wars glaub ich, hat eine Kurbelwellenbude auch schon solche Wellen gemacht, nur wurden da knapp 1000€ aufgerufen und das war vor rund 15 Jahren. =O

    Hatte mal einer Bilder im TF. War auch glaube ich ne 500er Welle.

    War das vielleicht meine Welle?

    Ich hatte mal ne 500er bei Kexel überholen lassen. 1000€ war der Kostenvoranschlag, effektiv am Ende bei 750€.

    sapere aude! incipe! (Horaz)
    (bzw. frei nach F. v. Schiller: "Erdreiste Dich zu denken!")

  • Das weiß ich leider nicht mehr, aber kann schon sein......

    Ist zu lange her.....

  • Ich weiß das aber , stimmt, weil bei mr in der Nähe, und hab das vor Jahren auch nach gehalten.

    Bei gleicher Umgebung lebt doch jeder in einer anderen Welt!


    Artur Schopenhauer

  • Was das Thema Geräusche und diese ignorieren angeht habe ich ein sehr schönes Beispiel, welches zeigt was passiert, wenn man Geräusche länger nicht beachtet und einen Motor weiter laufen lässt.


    Das Folgende ist meiner Ansicht nach nicht in einem schlagartigen Moment passiert, sondern hat schon eine (unbestimmte) Zeit gehabt um den Schaden so aussehen zu lassen.


    Am Anfang stand eine Auktion die auf Grund des Preises nur wenig Verlust erwarten ließ.



    Schon vor dem Zerlegen konnte man durch die Schlitze im Pleuel sehen, dass eine Seite (Zyl. 2) zerstört war, mit entsprechendem Spiel und hakeln beim drehen auf dem Stumpf. Nach dem Zerlegen war dann klar, Hubscheibe und Pleuel sind (vorläufig) Schrott.



    Es zeigte sich ein vollkommen zerstörter Käfig, der nur noch als verschmierte Klumpen/Brocken vom Zapfen fiehl.



    Entsprechend sahen auch die Walzen des Lagers aus. Alle mit einer Schmieraluschicht überzogen.



    Der Hupzapfen ist eingelaufen und ebenfalls mit Alu verschmiert, was darauf schließen läßt, dass hier eine Weile mit "Geräuschen" gefahren worden ist, bis es sich dann vollkommen zerlegt hat.

    Ein Wunder eigentlich, dass es nicht vollkommen fest gefahren ist.



    Pleuel ebenfalls innen mit Aluablagerung und nicht mehr verwendungsfähig.





    Die zweite Seite ist soweit ok und kann sicher wieder instand gesetzt werden.



    Allerdings war auch hier schon der Käfig gebrochen.



    Und auch der Zapfen zeigt leider wie so oft Spuren von Korrosion und einer dadurch "aufgeplatzten" Oberfläche.