Lebensdauer, Laufleistung und Identifizierung des Trabant Zweitakt Motors

  • Auf dem getriebeflansch steht


    60-452804

    Ich schätze mal: Letzte Woche Oktober 1968 (Lexicon Lisse, S.132).


    Aber das ist nur das Kurbelgehäuse. In den 40+ Jahren sind bestimmt mal neue Zylinder drauf gesetzt, und dessen Monat/Baujahr ist oft am Fuß mit eingegossen. Leider auf der 'versteckte' Seite. Aber die Zylinder müssen eh ab, damit du die Kolbenlagerung bestimmen kannst: Bronzebuchsen (bis 4/'74) oder Nadellager.

  • Der Zustand auf den Bildern läßt erahnen, dass es sich hier nur um einen "Spender" handelt und nichts was man einbauen und sofort fahren kann.

    Auch läßt das Bild darauf schließen, dass zumindest noch 23 PS Zylinder verbaut sind (dicker Zylinderfuss). Also sicher noch die Originalen von 68. Wie oft geschliffen und ob auch die 68er Welle drin bleibt Spekulation ohne öffnen.

    Vermutlich also auch weniger brauchbar für dich.


    Sowas sollte heute kaum mehr als 100€ kosten und darf dann generalüberholt werden.

  • Der Zustand auf den Bildern läßt erahnen, dass es sich hier nur um einen "Spender" handelt und nichts was man einbauen und sofort fahren kann.


    Sowas sollte heute kaum mehr als 100€ kosten und darf dann generalüberholt werden.

    Ich würde da gerne drauf zurück kommen. Wie ihr ja mitbekommt habt, versuche ich ab und an mal ein paar Youtube Videos zu drehen. Vor 2 Wochen hatte ich mir bereits einen Spendermotor bei Kleinanzeigen gekauft.


    Würde da gern auf dein Wissen von hier drauf zurückgreifen, ggf. würde ich nochmal auf dich zukommen.

  • Vielen Dank für die schnellen Antworten,


    Laut der Prägung beim Anlasserbereich ist der Motor von 68.

    Ich hab mir den geholt um ihn wieder gängig zu machen.

    Also werden in diese Richtung bald einige Fragen von mir hier auftauchen.

    Nochmals danke für eure Hilfe.

  • Leider ist die Pumpe der Presse aktuell in Reparatur so das ich die Welle erst in 1-2 Wochen zerlegen kann.

    Dann werde ich davon auch noch Bilder machen.

    Aus den Wochen sind auf Grund der aktuell vorherrschenden Situation Monate geworden. Aber heute konnte ich dann doch mal die bewußte Welle zerlegen.


    Zur Erinnerung, der Motor wurde aus augenscheinlich gut gebrauchten eher wenig gelaufenen Teilen aufgebaut, als Überbrückung bis der originale zum Fahrzeug gehörende Motor überholt ist. Aus der Überbrückung sind dann doch ca. 6 Jahre und rund 20.000km geworden.


    Am Ende der Zeit hat der Motor durch seine Geräuschkulisse deutlich zu verstehen gegeben, dass es nicht mehr lange dauert bis es knallt. Bevor das eingetreten ist wurde er zerlegt. Bilder davon sind weiter vorn aus März 2020.


    Hier nun die zerlegte Kurbelwelle:



    Wie man sieht, habe ich zum zeigen dann mal eines der inneren Kugellager aufgeschnitten. Es ist erschreckend wie die Laufbahn sowohl auf dem Innenring, als auch auf dem Außenring und auf den Kugeln aussah.





    Die Hubzapfen sahen kaum besser sind aber durch Hülse/Nadellager wieder rettbar.




    Dem Kenner wird aufgefallen sein, diese Welle wurde schon einmal regeneriert. Warum? Die Gewichte auf der Hubzapfenscheibe sind angebohrt um den einen von hinten verdeckten Drehschieberstift auszutreiben.

    Als diese alle draußen waren, konnte man sofort erkennen, dass sie schon einmal umgedreht wurden. Sie sind damit nicht mehr verwendbar.

    Wann und von wem ist leider nicht mehr nachvollziehbar. Es gibt weder eine Kennzeichnung noch besondere Merkmale die auf einen Betrieb schließen lassen.

    Dem Gesamteindruck nach könnte es aber durchaus eine aus der bekannten Thüringer Werkstatt sein. Alle verbauten Lager waren DDR-Ware.

    (die beide Äußeren waren schon nach dem Motorzerlegen abgezogen und sind hier nicht mehr zu sehen).




    Der erneute Aufruf kann eigentlich nur sein: Bitte von der Verwendung gebrauchter Kurbelwellen mit unbekannter Laufleistung und Vorgeschichte unbedingt absehen. Lieber dem Fachmann übergeben und überholen lassen. Besser früher als zu spät.


    Ich habe die erste Anzeige gesehen, wo eine Kurbelwelle nur gegen Abgabe von zwei alten Wellen überholt wird.

  • Sehr schöne detaillierte Aufnahmen.

    Schade das keiner Wellen mit Walzenlagern in der Mitte machen will.

  • Ich selber Besitze noch eine Original verpackte und noch nie benutze Wartburg Vollwangenwelle, sie ist von mir in Öl eingelegt, ich selber lasse die Welle vom Kurbelwellen Richter dann noch mal überprüfen und gleich Stahlkäfige unten in die Pleuelstange einbauen, da diese original aus Alu sind. Das selbe bezieht sich auch auf Trabantwellen mit der Vorgehensweise die ich machen würde, lieber überprüfen lassen bevor ich was einbaue.

  • Wobei man aber für den Wartburg am Rande erwähnen kann, dass dort nicht das Problem des Trabant mit defekten Hubzapfen auftritt, da man dort den Hubzapfen wechseln kann. Er ist nicht wie beim Trabant ein Teil mit der Hubwange. Wäre das beim Trabant auch so, dann hätten wir nicht die Probleme damit die wir haben.

  • Was ich noch nicht Ganz verstehe:
    Was ist eigentlich an der Trabant Kurbelwelle so anders, dass sie nur im Normalfall bis 60-80 tkm hält ?
    Von anderen Motoren isr man ja Laufleistungen jenseits der 100.000 KM gewöhnt.

  • Das hängt primär mit Zweitakt und Gemischschmierung zusammen. Da ist die Laufzeit deutlich begrenzter als bei einem Viertaktmotor mit Sumpfschmierung.

  • Was mich mal Interessieren würde, ob es nicht möglich wäre, einen Trabant Hubzapfen komplett auszubohren und einen neuen einzusetzen. Ebenso wie beim Wartburg?

  • Dafür ist das Material an der Hubwange zu dünn um einen durchgehenden 28er Bolzen da durch zu stecken.

    Er würde in jedem Fall dünner werden.


    Das wurde auch schon gemacht. Wie lange sowas hält ist aber unklar.

    Das kann unter Belastung auch brechen. Der Zapfen hat einen Absatz.



    Viel Fleisch ist da nicht mehr an der Außenwange. Der Teil in der Wange ist nur noch 22mm im Durchmesser.

  • Schade das keiner Wellen mit Walzenlagern in der Mitte machen will.

    Die Laufbahnen sehen oft genau so aus, wie die, die Tim oben zeigt. Solche Lager willst Du nicht.

    Es müssten neue Mittelteile gefertigt werden, denn das nachschleifen ist sinnfrei.

  • Und die Wellen werden gemacht, nur eben nicht so gerne. ;) Dafür muss wie V603 erwähnt die Innenwelle "gut" sein und dann kommen Übermaßwalzen und Übermaßaußenring ran.


    Auch "drüben" irgendwo im Westerwald wars glaub ich, hat eine Kurbelwellenbude auch schon solche Wellen gemacht, nur wurden da knapp 1000€ aufgerufen und das war vor rund 15 Jahren. =O

    Hatte mal einer Bilder im TF. War auch glaube ich ne 500er Welle.

  • Tim und die Bilder aus dem Schreckenskabinett 8o

  • Die Bilder der "gezapften" Welle habe ich von Andre bekommen.

    Daher kann ich zu Laufleistung und Verhalten usw. keine Angaben machen.

  • Der neue Mittellagerzapfen könnte ja dann so gedreht werden, das dann darauf noch Lagerinnenringe kommen auf denen die Walzenlager laufen. Dann ist das bei der nächsten Regenerierung da auch recht einfach. Die Mittelabdichtung könnte man eventuell ja auch so machen wie an den neueren Wellen.

  • Die Idee ist nicht schlecht, aber zu kurz. Es wird beidseitig ein Bund benötigt. Ich weiß jetzt auch nicht genau, wie das mit dem Durchmesser aussieht.

    Der bessere Weg wäre ein NJ Zylinderrollenlager. Dann brauchst Du aber auch ein Motorgehäuse mit Nuten. Das schränkt die Möglichkeiten weiter ein.

  • Ich bilde mir ein, bei Andre schonmal so eine mittellagermässig "modernisierte" Welle (ansonsten alter Bauart) gesehen zu haben, vor einigen Jahren schon. :/

  • Mir stellt sich die Frage, weshalb bei Serienmotoren die Lager nicht halten? Bei Rennwellen nehmen wir oft gebrauchte Lager ein weiteres mal.