Kurbelwellen überholen regenerieren

  • Hattest Du das Mittellager noch gar nicht auseinander? Ist ja bei dieser alten Ausführung sehr einfach zu bewerkstelligen. Dann bist Du auch hier auf der sicheren Seite, dass alles rostfrei ist und kannst evtl. Ablagerungen entfernen. Wenn hier auch alles okay ist, sollten die Hubzapfen nach menschlichen Ermessen eigentlich auch noch okay sein.

  • sollten die Hubzapfen nach menschlichen Ermessen eigentlich auch noch okay sein.

    Leider nicht immer......besonders und gerade die älteren vor 1980 haben öfter als End-80ziger aufgebrochene Härteschichten.


    Hier ein Beispiel, wo die Lagerlauffläche ok und ohne Beanstandung war, die Zapfen aber.....


    Das war auch eine wenig gelaufene Welle aus der Zeit um etwa 1965.


    Insofern bleibt das Risiko wenn man es nicht zerlegt, auch wenn man es sich bei einem sonst guten Zustand nicht vorstellen kann. ;)

  • Nun....ich würde es heute einfach nicht mehr riskieren.

    Wenn man tatsächlich soviel wie möglich erhalten und selber machen will, kann man bei dieser Welle nur die Außenscheiben abpressen, dann alles Nussstrahlen und mit neuen Nadellagern wieder (vom Profi) zusammenpressen lassen.

    Das kostet kaum mehr als 100€...... mir wäre es das wert.


    Es macht doch keinen Sinn an der Stelle 100 oder 200€ zu sparen oder?

  • Nimmt das Walnuss Granulat auch Dreck in den Kühlrippen weg?

  • fahrgast, soweit hab ich mich noch nicht "vor getraut" 😬 muss mich erstmal schlau machen,wie ich das auseinander bekomme

  • Na klar, warum sollte es das nicht tun.


    Hier ist quasi ein vorher/nachher Bild:


  • Mittellager sollte ich hinbekommen. Im WHIMS ist es ja ganz gut erklärt 😉

    Kann ich die Drehschieber auch strahlen oder vertragen die das nicht? Sind ja relativ dünn

  • fahrgast, soweit hab ich mich noch nicht "vor getraut" 😬 muss mich erstmal schlau machen,wie ich das auseinander bekomme

    Wenn du die Mitte noch garnicht auseinander hattest, dann mach das erstmal. Entscheiden ist wie die Laufbahn der Mittelachse aussieht.

    Dazu musst du den Drahtring um den Mittelring abnehme und die zwei Halbschalen abnehmen. Dann kannst du die Lageraußenringe in Richtung Mitte verschieben und die Walzen fallen raus. Erst das Eine, dann das Andere und die Walzen nicht vertauschen.

    Und dann hoffen das es so aussieht:



    Die DS kannst du bedenkenlos strahlen.

  • Das kostet kaum mehr als 100€...... mir wäre es das wert.

    wo kann man das für ungefähr diesen Preis machen lassen?

  • Wenn Du die äußeren Lagerringe der Zylinderollenlager etwas zur Seite schiebst, kann Du sehen, ob es dort Ablagerungen gibt, die besser entfernt werden. Mit etwas mehr Fingerspitzengefühl und genug Zeit bekommt man das Lager auch ohne Fett wieder zusammen.

    Die Fressspuren am Kolben können von zu fest eingepressten Kolbenbolzen herrühren. Im kalten Zustand sollte sich der Kolbenbolzen mit etwas Öl und Kraft hinein drücken lassen.

    Die Spuren am Kolben bearbeitet man am besten mit einem flachen Korundstein oder einer Schlichtfeile.

  • wo kann man das für ungefähr diesen Preis machen lassen?

    Das wäre in genau dem Fall hier eine Kombination aus mehreren Stationen ;)


    Wenn du darauf hinaus willst was es kosten würde eine schon regenerierte oder noch neue zerlegen und prüfen zu lassen, dann frag einfach mal bei Andre an.

    Was natürlich immer dazu kommt ist die Verschickerei, welche ohne Individualtransfer anfällt und beim Gewicht (ü10kg) einer Welle schnell 30-40€ kosten kann.


    Wenn es nur um zerlegen, prüfen und zusammenpressen geht, dürfte das kaum mehr kosten. Wenn aber noch Lager dazu kommen z.B. wenn man unten im Pleuel gleich auf das einreihige Nadellager umrüstet, so fallen zusätzliche Kosten an. Preise dafür kann man sich an den von TW orientieren, also pro Pleuel ca. 15€ für Lager und Hülse.

  • Melle1976 : Das Mittellager zerlegen ist tatsächlich kein Hexenwerk. ;)

    Die beiden Halbschalen lassen sich nach Abnehmen des Drahtringes abnehmen. Danach kann man die Lager-Aussenringe nach zur Mitte verschieben, um die Rollen herausnehmen zu können, wie von den Vorrednern beschrieben (einen Käfig gibt es hier ja nicht).

    Ich habe die Ringe jeweils auch erst nur halb nach innen geschoben und die Rollen mit einem schmalen Kabelbinder gg. unkontrolliertes Herausfallen gesichert. Dann die oberen einzeln abgenommen, die unteren Rollen dabei in einem passend zurechtgebogenen Blechstreifen gehalten und aufgefangen.

    Habe die dann wie abgenommen abgelegt, gereinigt (Abwischen hat gereicht) und später "laufrichtungsgebunden" wieder eingesetzt. Das mag absolut nicht nötig sein, schadet aber sicherlich auch nicht. Und es gab mir ein gutes Gefühl... :grinser:

    Das Procedere hat sich nach Prüfung und Reinigung auch für den Zusammenbau bewährt, um die Rollen wieder gut wieder reinzubekommen. Mit Fett wollte ich dabei nicht arbeiten, habe die fertig zusammengebauten Lager nachher aber natürlich gut geölt.

    Ich hoffe sehr, dass Du die Laufflächen und Rollen genauso tadellos vorfindest, wie ich das Glück hatte. :zwinkerer:

  • Im kalten Zustand sollte sich der Kolbenbolzen mit etwas Öl und Kraft hinein drücken lassen.

    Das ist so leider für den Fall hier nicht richtig und träfe nur auf den Einheitskolbenbolzen ab 1980 zu.

    Die alten Kolben sind auf 60° zu erwärmen und dann erst der Bolzen einzudrücken.


    Nur mit Öl und Kraft geht das nicht. Jedenfalls nicht ohne Einziehwerkzeug.

  • Von Seiten der Theorie hast Du recht. Ich habe vor geraumer Zeit mal mit jemanden gesprochen, der hatte ein ähnliches Problem. 2 Fresser innerhalb der ersten 500km und immer nahe der Bohrung für den Kolbenbolzen.

    Dann hat er die Löcher ganz leicht berieben und das Problem war behoben.

  • Also das ist m.M. nach nicht nur in der Theorie so. Ich habe einige alte Motoren bzw. mit alten Originalteilen in letzter Zeit gebaut.

    Und ohne Werkzeug oder das Temperaturspiel geht es nicht.


    Natürlich muss man peinlich genau auf die Paarung achten. Auch ist nicht auszuschließen, das bei ungünstiger Toleranzpaarung es "besonders" eng sein kann und damit Spannungen auftreten.

  • Tim,meinst Du mit Paarung,dass Kolben,Kolbenbolzen und Zylinder wieder exakt so eingebaut werden,wie Ausgangszustand?

  • Die Fressspuren am Kolben können von zu fest eingepressten Kolbenbolzen herrühren. Im kalten Zustand sollte sich der Kolbenbolzen mit etwas Öl und Kraft hinein drücken lassen.

    Kann ich bestätigen.

    Es ist natürlich vollkommen richtig, was Tim sagt, daß nämlich bei den alten Kolben es tatsächlich so vorgesehen war, daß der KoBo ein- und auszupressen ist, allerdings habe ich davon noch nie was gehalten und bisher ausnahmslos sämtliche Kolben so lange ausgerieben, bis der KoBo im kalten Zustand einwandfrei in die Bohrung gleitet.

    Und an nicht einem einzigen Kolben gab es diesbezgl. Probleme, Tragbild vom KoBo war immer einwandfrei beim späteren Ausbau.

    sapere aude! incipe! (Horaz)
    (bzw. frei nach F. v. Schiller: "Erdreiste Dich zu denken!")