Durfte man in der DDR Musik aus dem Westen hören

  • Ich weiß nicht, wo Du diese Information herhast. Aber "unauffällig" waren höchstens nicht gefundene Kassetten. Schallplatten sind aus Formatgründen nunmal schwer zu verstecken. Bei Platten gabs eine Liste der einführbaren Interpreten - eben die, die es auch im Intershop oder auf Amiga gab. Da durfte es dann auch mal eine Pressung sein, die so nicht offiziell im Osten kursierte.


    Für die bei vielen Leuten begehrten "Nicht-Main Stream-Platten" galt aber immer und unabhängig von der politischen Großwetterlage das Gegenteil. Ich denke da an das oben erwähnte Beispiel mit der Biermann-Platte :augendreh: . (Vielleicht ist eine unauffällige ältere Ost-Oma bei der Einreise auch mal weniger gefilzt worden als ein junger Wessi-Mann...)

    Früher gab's Sex, Drugs & Rock'n'Roll -

    jetzt gibts Veganer, Laktoseintoleranz und Helene Fischer

  • Was ist ein "Gänsefleisch-Ritual"?

  • Das sind nicht Informationen, sondern Erlebnisse.
    Möglicherweise gab es da eine Liste, vielleicht hatten die Kontrolleure aber auch nur eine Negativ-Liste.
    Dann könnte ich mir vorstellen, warum wir unbehelligt blieben. Biermann wollte ich nämlich wirklich nicht hören und auch niemand aus meinem Bekanntenkreis. Eher den ganzen Hackepeter, der in den Hitparaden lief. Die grinsende Klofrau mit Tommy James und wie das alles geheißen hat...


    MfG
    hjs

  • Sich ausgerechnet über die grinsende Klofrau lustig zu machen, finde ich unfair....

    Wozu Ventile? 0,6 EDS Hemi


    Seine Freunde nennen ihn Mossi, die Anderen sprechen nur vom "dicken Typ mit der Zigarre".


    www.trabant-original.de

  • Sich ausgerechnet über die grinsende Klofrau lustig zu machen, finde ich unfair....


    Entschuldigung. Wollte mich nicht lustig machen. Ich selber mag diesen Song auch sehr.
    In Fachkreisen wird er sogar als bewusstseinsverändernd (psychedelic) eingestuft.
    Also, wenn die meinen, dann wird es wohl so sein.


    MfG
    hjs

  • Es ging in den verschiedenen Zeitabschnitten der DDR aber beim Rundfunk - u. Fernsehempfang
    nicht nur um Musik.


    Wer zu Ulbrichts Zeiten z. B. beim Anschauen einer Bundestagsdebatte erwischt wurde,bekam
    schon Schwierigkeiten.In einigen Fällen,gab es dafür auch schon mal Knast.
    Das galt für Normalbürger,und besonders natürlich für Funktionäre.
    Die Strafe richtete sich danach,wie hoch die Sache von den staatlichen Organen jeweils gehängt
    wurde.


    Ich kann mich erinnern,dass Leute herumliefen,welche überprüften,auf welchen Sender die
    Fernsehantenne ausgerichtet war.Dann wurde mit dem Bürger ein " Gespräch" geführt.
    Da wurde aus Angst vor Repressalien die Fernsehantenne erst nach Einbruch der Dunkelheit gen
    Westen ausgerichtet.


    Wie schon gesagt,wurde das in den späteren Jahren der DDR erheblich lockerer gehandhabt.
    Gern gesehen wurde das Alles aber von offizieller Seite bis zum Schluss nicht.

  • Den letzten Satz möchte ich grundsätzlich bestreiten.


    Bei uns im Wohnviertel in Karl-Marx-Stadt wurden die Dachantennen in den 80er Jahren durch Kabelfernsehen ersetzt. Im Altbau wurden die Zwischendecken durchbohrt, alles von offizieller Seite organisiert und verlegt.
    Und natürlich kam über dieses Kabel nicht nur DDR 1 und DDR 2, sondern ganz selbstverständlich auch ARD, ZDF und der Bayerische Rundfunk. Wir lagen im Sendebereich des Ochsenkopfes.
    Im Klartext: das staatlicherseits verlegte Kabelnetz belieferte uns mit mehr Westsendern als Ostsendern. Im Verhältnis 60 : 40, um genau zu sein. :D:thumbsup:


    Wenn das alles von offizieller Seite nicht toleriert worden wäre, hätten sie dort DIE Gelegenheit gehabt, den Westempfang zu verhindern. Haben sie aber nicht.

  • Du willst jetzt aber auch nicht damit sagen, die DDR-Administration hätte den Konsum von Westfernsehen geradezu gefördert?


    Ich denke, zum Schluss war einfach auch Resignation dabei und man wollte mit dem Verbot solcher Kleinigkeiten den Frust nicht noch weiter forcieren. Allerdings, da würde ich Krümel absolut zustimmen, in Staatsbürgerkunde, bei Betriebsversammlungen und anderen Veranstaltungen (halt offizieller Natur) vom Genuss westlicher Medien zu schwärmen, war garantiert nicht gern gesehen. Ich rede da nicht von Knast oder direkter Drangsalierung, aber von Nachteilen im Beruf oder Bildung...


    Man sollte nicht so tun, als wäre das Fernsehen an sich hüben wie drüben exakt gleich gewesen. In meiner Familie wurde zu allen Zeiten Westen geschaut, wie schon gesagt. Das wussten Bekannte und Verwandte, Kollegen sicherlich auch, genauso, wie man es von jedem anderen irgendwie wusste. Aber breitgetreten hat mans deswegen noch lange nicht.


    Und warum? Nunja... Gerüchte gabs ja auch genug, was das Ministerium für Staatssicherheit anging. Denke ich mir mal, ich war nicht dabei.

    Die Alten sagen, nichts im Leben ist for free
    Ich will’s nicht glauben
    Seh da drin kein’ Sinn
    Ich bin so high wie nie

    Türen aus Glas
    Sehen mich kommen
    Machen sich auf

    Slideshow
    Slideshow

    Und da steht sie
    Dieses sweete Thing
    Die Verkäuferin
    Ja ja
    Die Verkäuferin

    Edited once, last by Ennatz1902 ().

  • Ich habe nicht von gefördert gesprochen.
    Aber es wurde offiziell übers Netz in die Wohnzimmer gesendet. Nicht mehr und nicht weniger.
    Seinen Reim mag sich jeder selber drauf machen. Je nachdem, welcher Version der Geschichtsinterpretation anhängt.

  • Mal ein Beispiel von ca. 1981:
    Meine Frau arbeitete seinerzeit in einer Kindereinrichtung,und es wurde unter den Kindern von
    Westfernsehen geredet.
    Ein Kind fragte darauf seine Mutter,warum es nicht die Sendung " Schweinchen Dick " sehen dürfe.
    Die Mutter beschwerte sich daraufhin bei der Leiterin der Kindereinrichtung darüber,dass solche
    Gespräche geduldet wurden.
    Die Leiterin der Einrichtung meldete darauf (besonders linientreu) den " Vorfall " der zuständigen Abteilung Volksbildung,worauf meine Frau eine Vorladung dorthin erhielt.


    Das Thema erledigte sich dann dadurch dass meine Frau die Frage stellte,ob die Mitarbeiter verpflichtet
    seien Westfernsehen zu sehen.
    Das wurde natürlich verneint. Darauf stellte meine Frau klar,dass man ja beide Sender sehen müsse,
    um Ost - von Westfernsehen zu unterscheiden und dass eine Reihe von Sendungen von beiden Seiten
    ausgestrahlt würden.

  • Mal so eine Frage am Rande für die, die gerne weiter spinnen - was hätten Ulbricht, (besonders) Honecker und Konsorten wohl zum heutigen Dubstep gesagt?



    :D


    Dubstep ist noch nicht so derartig durchkommerzialisiert und es gibt noch viele unabhängige Interpreten, also zieht die Profitmaximierungspropaganda nicht - von Verfall der kapitalistischen Kultur kann man auch nicht reden. Eher im Gegentum, nachdem was die 90er einst den heutigen Dubstep-Machern angetan haben, kann man Dubstep nur als grandiose kulturelle Aufwertung bezeichnen.
    Oder hätten sie vielleicht gar nichts dazu gesagt?
    Denn dass diese spezielle oben verlinkte Art von Dubstep wahrscheinlich nicht allzu oft auf Feiern gespielt geworden wäre, dürfte auf der Hand liegen - dafür ist sie einfach nicht massentauglich genug.

    Spaß mit Hanf :rolleyes:


    Gruß,
    Trabiwurstaffblonkelgungradieschenaffenaffprivatsauna601sdeluxe

  • Du willst jetzt aber auch nicht damit sagen, die DDR-Administration hätte den Konsum von Westfernsehen geradezu gefördert?


    Doch, so war das.
    Beispielsweise brauchte man für ARD die Stablänge von ca. 2,30m, vertikal polarisiert. Und es gab wirklich nur sehr wenige Häuser, bei denen sowas nicht auf dem Dach gewesen ist. Offensichtlich hat also fast jeder Westen geglotzt. Da bietet es sich doch an: Aus jedem Gramm Material... Nutzeffekt!
    Was sich die Genossen wahrscheinlich außerdem überlegt hatten, war die Möglichkeit, im Ernstfall mit nur einem einzigen Schalterknips das gesamte Wohngebiet Feindsenderfrei machen zu können.


    MfG
    hjs

  • Die Berliner und Umländer konnten sogar RTL und Co. empfangen Ender der 80ziger... Im Urlaub in Königs Wusterhausen war das das Highlight füe mich damals!

    Das Leben ist zu kurz, um langweilige Autos zu fahren!

  • Es hat doch in den 80er Jahren kein Genosse mehr ernsthaft daran geglaubt, "unseren Menschen" das Westfernsehen verbieten zu können...

    Naja, auf so viel Einsicht würde ich da nicht bauen. Offensichtlich haben sie ja auch daran geglaubt, dass alle Leser den ganzen Mist in der Presse auch tatsächlich glauben, Stichwort jede Saison Rekordernten... Oder haben es für möglich gehalten, dass ein stagnierendes Land auf immer eines bleiben würde, ohne dass Menschen die Systemfrage stellen.


    Dabei muss man aber wohl auch hinterfragen, wie viel das verkalkte Politbüro in Wandlitz oder wo auch immer überhaupt noch vom realen Leben in der DDR mitbekommen hat. Würde mich nicht überraschen, wenn viele der oberen Schranzen ihrerseits vollkommen überrascht ob der politischen Umbruchstimmung gewesen wären...

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    Slideshow
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    Ja ja
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    Edited once, last by Ennatz1902 ().

  • Also in der Hinsicht ich bin heute noch dankbar für den kalten Krieg. Ostradio war für mich :puke: . So war, je nachdem auf welcher Talseite man gerade war, immer Westradio empfangbar in ausreichender UKW Qualität. Auf der einen Seite NDR (2) und HR (3) und auf der anderen BR (3) und RIAS (2). Letzterer aufgrund einer Umsetzung auf dem bayrischen Ochsenkopf. Muß schon sagen, das der Zugriff auf neueste Musiktrends bzw. Musikrichtungen mein Leben entscheidend mitbestimmt haben...

    Wenn ich einen See seh, brauch ich kein Meer mehr. :winker:

    Edited once, last by Dirk 72 ().

  • So war, je nachdem auf welcher Talseite man gerade war, immer Westradio empfangbar in ausreichender UKW Qualität.

    Naja, das kommt erstens darauf an, wo man sich genau befindet und zweitens, was man unter ausreichender UKW-Qualität versteht.


    Bei uns in Dessau war damals NDR2, SFB3 und RIAS recht ordentlich mit jedem Kofferradio empfangbar. Aber nur in Mono. Für einen guten Stereo-Empfang benötigte man schon sowohl eine ordentliche Antennenanlage als auch einen hochwertigen Tuner.


    Im Gegensatz dazu war ein rauscharmer Stereo-Empfang von Ostsendern vom Brocken fast mit einer Wurfantenne möglich (obwohl der Brocken ja gar nicht so viel näher als Torfhaus ist).


    Mein Eigenbau-Tuner hatte damals selbst an einer guten Antennenanlage so seine Problemchen mit dem West-Stereo-Empfang.


    Das Ergebnis ist, dass ich gemessen am allgemeinen Durchschnitt, offensichtlich relativ viel Ostradio hörte.
    Wobei sich das allerdings im Wesentlichen auf DT64, "Duett", und morgens zwischen 6 und 7 DDR1 beschränkte.


    Mein Fazit: Die Sendungen waren sooo schlecht nun auch wieder nicht, und sie waren Mitschnitt-freundlicher. Denn gerade Westmusik wurde in der Regel ausgespielt, auch wenn sie um so seltener dargeboten wurde. Bei DT64 teilweise extra mit Pausen zum Mitschneiden, bei "Duett" systembedingt sowieso.


    Und wie oft habe ich mein Kassettendeck runter ins elterliche Wohnzimmer geschleppt, um die NDR2-Hitparade am HIFI-Tuner aufzunehmen, und am Ende waren nur Fragmente dessen, was ich wollte auf Band persistiert.
    Das führte schließlich dahin, dass ich am Ende auch am eigenen Tuner Aufnahmen machte, die sich anhörten, als liefe nebenbei ständig eine Klospülung. Erstaunlicherweise konnte ich selbst diese Aufnahmen auf Schuldiskos spielen, ohne dass es jemanden gestört hat :thumbsup:


    Naja, vielleicht waren ja in Thüringen die Empfangsbedingungen besser. Oder es stand ausreichend gute Empfangstechnik zur Verfügung. Der "Rema toccata" meiner Eltern genügte damals auch in Dessau. Deshalb habe ich inzwischen fast ein schlechtes Gewissen, weil mein Wohnzimmer derzeit von einem "moderneren" "REMA tonica" beschallt wird.


    Viele Grüße
    Steffen


    PS: Bitte die obigen Zeilen nicht ernster nehmen, als sie gemeint sind...

  • Und wie immer bleibt alles Geschmackssache :thumbup:

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    Ja ja
    Die Verkäuferin