Generalreparatur einmal anders: P601 Universal, Baujahr 1989

  • Kann sein, daß dieser Thread hier zu Gegenwind führt. Möglich.
    Aber ich erlaube mir mal von einer etwas unkonventionellen GR zu berichten. Einer GR, die aufgrund extrem widriger Umstände, auf die ich hier nicht weiter eingehen werde, kurzerhand unter freiem Himmel statt findet. Fragt nicht warum, es ist eben dieses Jahr so.
    Optimal ist anders - völlig klar. Aber es geht. Irgendwie.


    Also - worum es ging:
    Mein 89er, den ich vor 9 Jahren mit nur 13.500km kaufte, hat jetzt so um die 55.000km 'runter. An sich keine Laufleistung, aber das Auto war im Werkszustand und deshalb weniger durch die Kilometer gealtert, sondern mehr durch die Zeit. 27 Jahre sind kein Pappenstiel, zumal der bei mir täglich läuft. Er ist kein Museumsstück, er macht seine Arbeit.


    Nun steht im Oktober die HU an und in den vergangenen Monaten wurde klar, daß mal grundsätzlich etwas passieren muß, wenn der weitere 27 Jahre halten soll.
    Rost an gefährlichen Stellen war kein Thema dank rechtzeitger Komplettflutung mit Korrosionsschutzfett. Aber die Technik war verschlissen, das schwarze Zeug auf den Fahrwerksteilen war weitestgehend verschwunden. Die Türen gammelten schon ab Werk an der Fensterbank - offenbar vorm Lackieren nicht entfettet. Die ersten Pinselversuche stammten noch vom Vorbesitzer. Die Bremsanlage war am Ende. Als Krönung lief irgendwann noch der HBZ in den Innenraum leer - ich habe das Auto dann gleich außer Betrieb gesetzt um anzufangen.
    Der Motorraum ranzig, rostig, häßlich. Der Lack brauchte eine Aufbereitung.
    Kurz: Arbeit für einen Sommer. Mal "fix" nebenbei vor der Haustür. Naja...


    Also mal ein paar Bilder...


    Vorher:




    Dann wurde zerlegt, bevor es erstmal an den Motorraum ging. Der Plan: Motorraum strahlen und lackieren, den Rest so lassen. Pappen nicht demontieren - dafür gab's keinen Grund.


    Das ist eine Sanduhr:


    Der Strahler bei der Arbeit:



    Beim Strahler entschied sich, daß wir zumindest die Frontbrille mit strahlen - da war zuviel Gammelansatz. Und es reifte wiedermal die Erkenntnis, daß Hohlraumkonservierungen gegen Rost von außen eben auch nichts nützen.


    Ich zerlegte die Türen und die Motorhaube sowie die gesamte Technik. Türgerippe, Haubenspinne und alle Kleinteile von Motorraum und Fahrwerk wurden gestrahlt, das schwarze Zeug pulverbeschichtet. Türen und Haubenspinne grundiert - mal probehalber mit pulvergrundierung.
    Hinterher wurde alles geschliffen, nochmal mit EP-Grund grundiert und schließlich lackiert - alles in Eigenregie. Sicher auch nicht das rekordverdächtige Bestergebnis aber in Ordnung für ein Auto, das demnächst wieder täglich unterwegs sein wird - auch im Winter.
    Den Motorraum hah ich auch gleich selber lackiert, Nähte mit Nahtabdichtung ausgepinselt, sieht am Ende wieder relativ original aus.


  • Zwischenzeitlich ist vieles aufgearbeitet und es geht wieder in die Gegenrichtung: vorwärts nämlich. Ich habe das ganze Wochenende quasi durchgeschraubt und dafür die OMMMA sausen lassen. Freizeit ist leider Mangelware, da muß man irgendwann Prioritäten setzen.


    Neude Dämpfer und neue Schraubenfedern gab's von Fa. Schwarz. Der Schmied hat sich der Vorderfeder angenommen. Vorder- und Hinterachsen hab ich aktuell grad wieder zusammengesetzt, das Getriebe vor einigen Tagen gemacht. Da muß schonmal einer drangewesen sein.
    Alle Schrauben wurden vom Galvaniker frisch verzinkt und vergold...ähm...gelbchromatiert.
    Naja - und nun geht's an's Zusammenbauen. Wird Zeit...




    Die Bremsbacken habe ich mal interessehalber bei Limbacher Bremsbelag neu belegen lassen. Teurer Spaß...knapp 180,-€ incl. MwSt. und Entfernung der alten Restbeläge 8o Verglichen mit den Backen vom Händler also extrem teuer - aber für den Alltag wollte ich das mal ausprobieren.

  • Wird sicher wieder nen schickes teil :D

    Viele Menschen wurden dazu erzogen, nicht mit vollem Mund zu sprechen. Aber sie scheuen sich nicht, es mit leerem Kopf zu tun (Orson Welles)

  • Beim Limbacher habe ich mir auch schon einen Satz Backen machen lassen aber noch nicht eingebaut. Daher leider auch noch kein Erfahrungsbericht....


    Aber meine Limbacher sind vorne und hinten genauso grau wie deine hinteren... Sind die vorderen evt. ein anderer Belag?

  • Warum Gegenwind. Du machst es ordentlich und gut ist.
    Hak es unter ner grossen Durchsicht mit Mehranteil Karosse ab.
    Daumen hoch dafür. Die Meisten fahren sowas eh weiter, bis die ersten Löcher im Blech sind.

  • Naja, so viel Mehrarbeit wäre ein Abnehmen der Beplankung nun auch nicht gewesen.


    Mein Ding ist das nicht.

  • Aber warum hätte ich sie abnehmen sollen? Es gab keinen Grund dafür. Zu schweißen war nichts. Kantenrost auch nicht. Die Karosserie steckt voller Fett. Der Originallack in gewohnt schlechter Meerane-Qualität kann erhalten werden.
    Motorhaube und Türen wurden zerlegt und die dazugehörigen Blechteile gestrahlt.


    Das Hauptaugenmerk liegt auf der Technik und weniger auf der Karosse. Nochmal nachkonservieren, den neuen Kleber papyrusweiss überstreichen und gut is.

  • Du wirst schon wissen was du machst, bei mir gibt es solche Zwischenlösungen mit Verbleib der serienmäßigen Schwachstellen einfach nicht mehr. :-)


    P.S. Wer ist eigentlich dieser 3d-Feiler?

    Edited once, last by Hegautrabi ().

  • Eine Generalreparatur ist das dann aber auch nicht wirklich. ;-)
    Egal, jeder macht es wie er möchte, dass du es besser kannst weiß ich.
    Ein Trabifahrer aus dem Allgäu hatte das auch so halbkomplett gemacht wie du, nach 2 Wintern, bei denen wird ordentlich gesalzen, kam die braune Pest wieder aus allen Nähten raus und die Arbeit begann von vorne. Auch der Trabi eines damaligen Mitglieds hier der auf keinen guten Rat hören wollte, einige werden ihn noch kennen, sah nach 2 Jahren Sommerbetrieb schon wieder blöd aus und verlangte Nacharbeit.
    Daher meine Skepsis.

  • Noch einmal Bremsbelag: die bieten unterschiedlich harte Beläge an. Welche hast Du genommen und warum?

  • Sozusagen medium - weil das Auto doch ein paar Kilometer macht. Zumindest mehr als ein Sonntagsoldtimer.


    @Hegau:
    Ich verstehe schon was Du meinst - ganz klar, es geht auch optimaler. Aber eben nicht jetzt.
    Wenn ich den in einigen Jahren nochmal machen muß, dann ist das eben so. Aber dann ist auch die Werkstatt und die sonstige Infrastruktur fertig, die man eigentlich dazu braucht und die auch ich gewohnt war/bin.
    Daß er kurzfristig wieder losblüht hoffe ich mal nicht - der Motorraum wurde sauber gestrahlt und dann mit gutem Material lackiert. EP-Grund aus dem Schiffbau, EP-Grundierfüller, 2K-Lack. Das sollte zumindest besser halten als das originale Alkydharz-Zeug, das die da im Werk lustlos drübergenebelt haben. Ohne Vorarbeiten, direkt auf den Tauchgrund - wie damals eben üblich. ;)


    Dieses Auto sollte ursprünglich gar kein Alltagsesel werden. Dafür wartet ein panamagrüner 88er Universal schon seit Jahren auf seine Vollrestaurierung. Bei dem geht es dann noch sehr viel detaillierter zu. Aber man kann nicht alles auf einmal haben.
    Und jetzt ist eigentlich etwas ganz anderes dran - etwas mit Zement, Mörtel usw. - und eigentlich gar keine Autos. Den 89er habe ich außerplanmäßig vorgezogen.

  • Aber einen temporäres Zelt hätte ich mir gekönnt, wenn ich draußen arbeiten muss.. An den Schnittstellen alt-neu wird er wohl bald wieder gammeln.


    Aber wäre es nicht unterm Strich günstiger gewesen sich ne Alltagshure für den Hausbau und den Weg zur Arbeit zu besorgen ala Opel Astra Caravan oder Golf Variant etc?...

  • Zum einen habe ich solch eine Alltagshure schon - und will keine zweite. Meine Frau hat ganze 8km Arbeitsweg - und sie nutzt vorwiegend den Trabant dafür.
    Ich fahre deutlich weiter und nehme oft das Westblech.


    Das mit dem Zelt habe ich in Erwägung gezogen und dann verworfen. Die billigen halten nichts ab, auch keinen Wind. Und ein teures für die Einmalnutzung anzuschaffen hielt ich für unwirtschaftlich. ;)

  • Ich finde das gut, was du machst. Du hast ja erklärt, warum du was wie machst und vor allem, warum du bestimmtes nicht machst.
    Ich verfolge das Thema mit großem Interesse. Man kann nur lernen..
    Steven

  • Mich wundert bloß, daß keiner auf die verkehrt montierten Backenrückzugsfedern an der Hinterradbremse angesprungen ist...
    Die müssen von hinten eingehängt werden und nicht von vorn.


    Mittlerweile ist die Montage so leidlich gut vorangegangen. Allerlei Motorperipherie, der Motor selbst, die Lenkerei usw. sind wieder drin. Wenn es gut läuft, sollte er nach dem nächsten Wochenende eigentlich wieder laufen - je nachdem, was noch an Kleinkram anfällt.


    Daß der irgendwann nochmal fällig ist, ist mir wohl bewußt. Zumal er auch weiterhin im Winter fahren wird. Und dann werden auch die Pappen abgenommen un er wird so gemacht wie es idealerweise sein soll - und zwar in einer massiv gemauerten und vernünftig ausgestatteten Werkstatt. ;)

  • Es gibt halt schon noch was zwischen "Farbdusche" und "Totalrestaurierung". Bei einem Fahrzeug, das alsbald wieder in den Einsatz muß und dessen Gesamtzustand eine Totalsanierung nicht erfordert, ist das doch schon weit mehr als das nötigste, was Deluxe da -noch dazu unter diesen Bedingungen- geleistet hat. Respekt! Ich habe schon für das Erneuern der Abdeckbleche drei Monate gebraucht. Weil man dabei sowieso die vorderen Pappen runternehmen muß, habe ich da gleich die Radkästen mit Chassislack OH viermal lackiert. Natürlich müssen auch die anderen Pappen mal runter, aber alles nacheinander. Im Moment hadere ich mit der steinschlagpickelübersähten Brille. Wahrscheinlich werde ich da nur die Spraydose draufhalten...

  • Alle Achtung Deluxe, die Achsteile sehen auch tiptop aus. Ich denke mal Du hast das mit 2K lackiert?


    Das mit dem Zeitproblemen kann ich nachvollziehen, anderer seits rennt mir die Zeit auch (noch) nicht weg. Zumal es vor Oktober 2018 kein H gäbe :-/ .


    Viele Grüße


    Kai