1200km-Tour in unbekanntem Trabant: Was mitnehmen?

  • Ich habe vor 15 Jahren meinen Trabant aus Sachsen Anhalt in die Schweiz überführt. Erstmal ohne Trailer, ohne vorher zu fragen, nichtmal 'ne ADAC-Mitgliedschaft (was sich aber nach meinen Erfahrungen wohl rechnen würde).


    Mit der von uns gewählten Route war es etwas mehr als 800 km.


    Den ersten Trabantfahrer, den wir auf dem Supermarkt-Parkplatz noch nach ein paar Details gefragt hatten, wollte prompt wissen, ob wir eine grosse Durchsicht vor unserer Tour gemacht haben und was wir an Ersatzteilen und Zweitaktöl dabei hätten. Mit einem Schulterzucken habe ich "weder noch" geantwortet - das habe ich als Nicht-DDR-Bürger ja auch nie so erlebt. Mein Vater hatte ja bei seinen Ford, BMW, Renault etc. schliesslich auch nie Ersatzteile mit 8o . Der nette Trabant-Fahrer hat uns dann noch kurz das Auto durchgecheckt und ein paar Mängel abgestellt.


    Trotz alledem war nach ca. 600 km der Motor fest - das untere Pleuellager hatte ein Loch ins Kurbelgehäuse geschlagen. Der ADAC hat nach der Frage "Friedhof oder Abschleppen" uns zur nächsten Werkstatt geschleppt, wo wir für 200 Mark ein Zugfahrzeug samt Trailer gemietet haben. Somit hatte sich der Kaufpreis verdoppelt...


    Nach der Reparatur und intensiver Beschäftigung mit der Trabi-Technik bin ich dann viele Kilometer gefahren (mittlerweile sind so um die 130'000 zusammengekommen). Mit einem vernünftig gewarteten Trabant und bekannter Motor-Vorgeschichte ist eigentlich keine Strecke zu lange.


    Wenn der Wille da ist, wirst du die 1200 km sicher schaffen. Auch wenn du das Fahrzeug vielleicht doch noch trailern musst.

  • ... noch wird ja diskutiert. Dresden, Leipzig, Berlin ...


    Event....Wenn du also irgendwo hinfährst, bleibste stumpf auf der Autobahn. Man könnte ja noch was sehen.
    Ursprünglich wollte ich nur ein Auto holen und wissen, was ich unbedingt mitnehmen muss. Näturlich könnte ich nen Trailer mitnehmen, aber was hat man dann? Richtig. 2500km langeweile.
    Hier gehts keineswegs um Selbstdarstellung oder sonstwas. Ich muss mir auch nicht irgendwas beweisen. Ich hab da einfach Bock drauf.


    In diesen Foren ist das immer das gleiche. Ständig kommen irgendwelche Miesepeter daher und wollen einem was madig machen, weil die nie mit den Förmchen der anderen spielen durften.


    Danke an alle, die mir geholfen haben. :)

    Da hat der Spinner echt Ventile als Avatar..

  • In diesen Foren ist das immer das gleiche. Ständig kommen irgendwelche Miesepeter daher und wollen einem was madig machen, weil die nie mit den Förmchen der anderen spielen durften.


    Also ich kann beide Seiten verstehen. Diejenigen, die zum Trailer "geraten" haben, sprechen ja auch aus langer Erfahrung. Ich finde es gut, einen Trabant-Neuling (bitte nicht falsch verstehen) vor falschen Erwartungen zu warnen. Eine 1200km-Tour im Trabant ist ja doch etwas anstrengender als im modernen Fahrzeug. Und die Gefahr, dass bei so einer langen Fahrt mit einem 40 Jahre alten Auto in unbekanntem Zustand etwas "Unvorhergesehenes" passiert, ist ja auch nicht von der Hand zu weisen. Auf der anderen Seite: wenn Dein Großvater KFZ-Meister ist, sollte der Trabant ja einigermaßen gut in Schuss sein.
    Ich wünsche Dir jedenfalls viel Spaß! Und: Mache bitte mal Bilder... auch vom Auto. Das ist genauso alt wie ich und mich würde interessieren, ob sich der Trabant genauso gut gehalten hat. :D

  • Mal wieder völlig unnötig. Weder war es nötig, dem Ratsuchenden hier "Event-Charakter" seiner Reise zu unterstellen, noch war es nötig, dass der Ratsuchende andere ohne Kenntnis der Person Neid oder anderen Mist unterstellt...


    Ich frag mich, warum es jedesmal wieder dazu kommen muss, wenn sich hier neue Leute anmelden? Macht dieses Forum im speziellen und Foren allgemein nicht unbedingt attraktiver.

  • Ich würde ma sagen er soll das tun was er für richtig hält.
    Ratschläge und Denkanstöße gab oder gibt es hier ja genug und was für Ihn in Frage kommt sollte er für sich selbst abwägen.


    Wenn die Tour dann von Ost nach West beginnen sollte kann man ja ne ungefähre Route raushauen.
    Evt. finden sich ja n paar Abendheuersuchende die die Tour n Stück begleiten als Geleitschutz.... :) .... oder Pannenhelfer falls es denn eine geben sollte...

  • Ich denke das jeder der hier sich zeit gegeben hatt um rat zu geben es nur gut gemeint hatt. Es ist sehr menschlich um rat zu geben nach eigener gedanke und erfahrung. Da kann jeder eine andere meinung und sicht auf die sache haben. Viel info haben wir auch nicht also gehen wir von das schlimmste aus. Das jemand sein kritischen rat nicht gerne gesehen wird ist schade und kann leichtsinnig sein. Natürlich währe die schönste und romantischte antwort "Steig ein, passiert nichts, der Trabi macht das schon". Aber so einfach ist das nun mal nicht wie bei jedes alte und vor allem unbekannte auto. Kritik kann auch positief gelesen werden und es sollte rücksicht drauf genomen werden statt gleich auf kritiker rum zu hacken. Kritiker die ja, kritisch sind, aber es nur gut meinen und aus erfahrung sprechen.


    Fakten sind: ein 74er Trabant der bis jetzt gefahren wurde von ein KFZ meister. Also... reinsetzen und losfahren :) ! Der KFZ meister vor ort kann dir mehr rat geben als wir die das auto nicht kennen. Teile gibt es sicherlich vor ort auch wenn was gebraucht wird. Wunsche euch eine gute fahrt mit viel spass!

  • Nach 18 Stunden und 1288km bin ich zu Hause und der Trabi steht vor der Tür. Ein einziger außerplanmäßiger Stopp, aber nur für 10 Minuten. Das wars. Das war sowieso noch ne Aktion mit der Kiste. "Der fährt super!!" In der Realität fuhr der super, dafür das der nur auf einem Zylinder lief.
    Ich schreib mal was zusammen, wenn ich alle Fotos zusammen hab.

    Da hat der Spinner echt Ventile als Avatar..

  • verstehe nur Bahnhof,
    " "Der fährt super!!" In der Realität fuhr der super, dafür das der nur auf einem Zylinder lief."
    das meinst du nicht wirklich ?
    Nach ... und 1288km ?
    Macha

  • 1200 km auf einem Zylinder hält doch kein Motor durch. Und der Fahrer auch nicht...

  • vielleicht denkt er ja der hat nur einen :)

  • Auf 1288 km kommen wohl ca. 4 Tankstops. Mit den 10 Minuten Reparatur und 10-15 Minuten pro Tankstopp kann man wohl von 17h effektiver Fahrzeit ausgehen, was dann einem (recht hohen) Schnitt von ca. 76 km/h entspricht. So schnell läuft er wohl auf einem Zylinder nicht ;-)

  • Ich hab das so verstanden, daß der am Anfang nur auf einem Zylinder lief, das aber super für nur einen Zylinder, dann 10 Minuten Fehlersuche und -aha!- mit zwei Zylindern fährt sichs besser!
    Na, Glückwunsch zur gelungenen Überführung, und: *sing* wir wollen Bilder sehn, wir wollen Bilder sehn /*sing*

  • Aaaaalso.. Wir sind 3.9 abends in Krakau angekommen, erstmal bei Oma durchgefüttert, alles ok. Am nächsten Morgen zum Trabi. Es hieß ja immer "neee, alles ok. Der fährt klasse!". Den kleinen angemacht und der dümpelt nur auf einem Pott. Opa meinte die Zündung würde nicht stimmen, die Messuhr wurde ihm damals aus nem anderen Trabanten geklaut. Naja, wir haben die Zündung grob eingestellt, geht immer noch nicht. Hin und wieder kam der zweite Zylinder, aber nur sporadisch. Der andere lief wie ne eins.Erstmal haben wir uns an der Zündung aufgehalten. Kerze, Spule, Kabel, Stecker, Unterbrecher etc etc...
    Irgendwann kam der Gedanke: "Das kann nicht! Der scheppert auch so komisch.." Also Köpfe runter und den Motor gedreht. "AHA!!!!" Der "gute" Zylinder macht ein schmackhaftes SCHLURP, auf dem anderen herrscht Ruhe. Also haben wir die Zylinder gezogen und den Störenfried entdeckt. Zusätzlich fehlte auch noch ein Kolbenring.


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    Der Drehschieber ist von der Kurbelwelle gefallen und hing lose auf einem Mitnehmerbolzen. Die Federn waren auch nicht mehr zu entdecken. Nach ner investigativen Befragung haben wir dann erfahren, das Opa den Motor gebraucht gekauft und so eingebaut hat. Na gut, der muss jetzt sowieso raus.


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    Gesagt, getan! Motor ausgebaut, kompett zerlegt. Der Drehschieber hatte durch die Aktion etwas gelitten, den konnte ich aber richten. Die Mitnehmerbolzen hatten ebenfalls Schleifspuren, die Federn waren nicht aufzufinden. Es fehlten auch die Distanzscheiben zwischen den Kugellagern. Dadurch konnte die Kurbelwelle sich durch den Kupplungsdruck verschieben und der Schieber halt rausfallen. Das Loch im Block für die Führung war auch schon entsprechend ausgeschlagen.
    Krisensitzung!
    Lassen wir den hier und kommen mit nem frischen Motor zurück?
    Besorgen wir uns hier Teile?
    Der alte Motor ist beim Schrottmann gelandet. Ich habe dann jemanden gefunden, der zwei Kurbelwellen da hatte. 70km hin: TOLL! NUR SCHROTT!!!, 70km zurück. Immerhin hat Opa schon vorne alles rausgeholt.


    Dann machen wir eben selber was! Entweder es klappt oder eben nicht. Nach Hause kommen wir auch ohne den Wagen.
    Aus nem Zinkblech-Kastenprofil und einer Alukiste haben wir dann ein paar Scheiben ausgeschnitten, die von der Distanz her gut hinkommen. Wie gesagt, den Drehschieber konnte man richten, ein paar Federn die in etwa passen hab ich in der Garage auch noch gefunden.
    Da die Mitnehmerbolzen ein bisschen beschädigt waren musste die Kurbelwelle etwas weg vom Getriebe, also die KW entsprechend ausdistanziert. Flüssigdichtung ist in Opa's Garage Mangelware (und es war mittlerweile 0:30 Uhr), also haben wir den Ratschlag aus dem Werkstatthandbuch befolgt: "Die Gehäusehälften mit Nitrolack bestreichen."
    Motor wieder zusammengebaut, den fehlenden Kolbenring noch draufgemacht, Motor eingebaut und diverse Bier später ab ins Bett. Samstag morgens den Rest zusammengebaut und erstmal von Hand ohne Köpfe gedreht. SCHLURP eins, SCHLURP zwei. Klingt gut, dreht frei. Anschließend Köpfe drauf, Kerzen rein und ohne Zündung per Anlasser gedreht. Klingt ebenfalls gut. Sprit an, Zündung dran und der große Moment: Räääng, däng däng däng!!


    Zufriendenheit macht sich breit.


    Den Wagen aus der Garage geholt und erstmal den Vergaser entsprechend eingestellt. Probefahrt. Ne, dann noch erstmal nicht, die Kupplung rutscht. Zug gelöst, Probefahrt! Läuft wunderbar, kein Stottern kein Scheppern, kein gar nichts. Jetzt fuhr der auch locker 100. wir sind dann erstmal 10km gefahren und haben die Kerzen nachgesehen. Schön braun, alles gut. Noch ne problemfreie 30km Runde gefahren.


    "Fahren wir jetzt damit nach Hause?" "Ja klar!"


    Samstag morgens um 1 sind wir dann los. 50km über Land zur Autobahn und immernoch alles super. Nach insgesamt 100km Schock! Ein Zylinder ist weg. Fix von der Autobahn runter und nachgucken. Kerzen raus, schon wieder der böse Zylinder. Puls bei gefühlt 1.000.000....
    Fehlerursache: Etwas Ölkohle hat sich gelöst und die Kerze kurzgeschlossen. Kerze gereinigt und weiter gehts!
    Mit Tacho 85-90 km/h Richtung Görliz. Ständige Anspannung: "Hält der?"


    Zum Thema ADAC Plus: Im Ausland muss der Wagen erstmal in ne Werkstatt. Das Abholprozedere ist da nicht ganz so einfach. Ab der deutschen Grenze wäre alles egal, da hätten die uns sofort mitgenommen ohne großen hick hack.


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    Und der kleine fuhr und fuhr und fuhr. Die Kilometer purzelten, die Grenze kam immer näher. Nach 460km:"Willkommen in der Bundesrepublik Deutschland" 8o


    Ab da komplette Erleichterung, aber noch ca 750km nach Hause. Ab jetzt ist sowieso alles egal, der Motor muss sowieso neu. Tacho 110, ab in die Heimat. Keine Probleme, immernoch kein Stottern oder sonst irgendwas. Der Trabant fuhr tadellos.


    Nach diversen Tank-, Pipi- und "Beine ausstrecken"-stopps, Frühstück bei Burger King, vielen Daumen hoch auf der Autobahn, dem einen oder anderen polnischen LKW Fahrer auf Rastplätzen die quatschen wollten: "dzień dobry!"
    "Ähm.. Hallo." :) , sind wir nach ziemlich genau 18 Stunden in Schwalmtal, NRW angekommen.


    Kurz gesagt: eine der BESTEN FAHRTEN MEINES LEBENS! :thumbsup:



    Hat sich auch noch herausgestellt das es kein '74er ist. Er ist EZ 20.07.1984 und ein S.
    Sau geiles Auto, für mich und meine Begleiter absolute Trabant-Premiere. Ich hab so viel Spaß an dem Wagen, unglaublich. Jetzt geht aber die Arbeit los.

    Da hat der Spinner echt Ventile als Avatar..

    Edited 3 times, last by Uergh ().

  • Wenn ich den geholt hätte, mein Gesicht hätte ich sehen wollen,
    Bj74 ä..nee doch 84. :evil:
    Mfg H.


    Uergh: Glückwunsch zum Auto & zur gelungenen Überführung.

  • Jetzt schulde ich meiner Freundin und meinem Kumpel nur noch ne Fahrt nach Krakau um sich mal die Stadt anzusehen. :D



    @kbi601


    Dankeschön. :)
    So hab ich auch geguckt. Haube auf: Ha! Ist ja von 84.. Egal, alt genug.

    Da hat der Spinner echt Ventile als Avatar..

    Edited once, last by Uergh ().

  • aber die motorbastelei...schon hardcore :P

    Trabant Kübel Bj.75, Anhänger P50 Bj.68, Citroen Berlingo Bj.07, BMW E34 520 24V Bj.95