Motor zerlegen - wie Schwungscheibe abziehen?

  • Nun ist es geschehen: 3300km Urlaubsfahrt hat er leise vor sich hingeklackert - Jetzt beim Ausflug nach Österreich hat es den Motor zerlegt. Wüstes Metallisches schlagen - wieder Ruhe, Drehzahlabhängiges Schlagen - dann irgendwann nur noch heftiges metallisches Schlagen irrsinnig laut. Hatte Gott sei Dank noch den Ersatzmotor von der Osterreise dabei.
    Möchte jetzt natürlich rausfinden, was kaputt ist, und versuche den Motor zu zerlegen.


    Nun zur Frage:
    1: Kann einer anhand der Beschreibung sagen, was kaputt ist, und ob der Motor noch zu retten ist? (Metallspäne im Brennraum und total zerfurchte Kolbenköpfe)
    2: Schwungscheibe (Kupplungsseitig) abziehen: In der WHIMS steht was von Gewinden in der Schwungsch., mit denen man die ausdrücken kann. Bei meinem Motor sind an der Stelle nur Vertiefungen, aber kein Gewinde. Habe es schon mit Dreiarmabzieher und "lockerungsschlägen" versucht, da kam aber nur der Zahnkranz runter...

  • Zum ersten tippe ich mal Pleuellager. Wenn ja ist nix mehr zu retten, da ist dann eine "neue" KW fällig und Zylinder müssten wahrscheinlich auch neu geschliffen werden.


    Zur Schwungmasse:
    Kannst versuchen die Schwungmasse um den Kurbelwellenzapfen zu erwärmen und mit leichten Schlägen (Holz- oder Kunststoffhammer ) zu lösen. Dreifußabzieher ist Murks – Schwungmasse verzieht sich und direkter Druck auf die KW ist eher schlecht (..bei Motorschaden natürlich relativ..)
    Wen n´s nicht geht:
    „Vertiefungen“ in der Schwungscheibe müssten Abdeckungen (Blechscheiben) sein die man mit Schraubendreher und Hammer entfernen kann. Darunter findest du die Gewindebohrungen zum „abdrücken“ der Schwungmasse. Ist „Spezialgewinde“, genaue Größe habe ich jetzt nicht im Kopf- glaube die Schrauben zum Befestigen der Dreiecklenker Hinterachse passen.


    gruß

  • Alte Spurstangen oder Spurstangenköpfe gehen auch vom Gewinde.
    Wie gesagt, Schwungscheibe schön heißmachen, unter Spannung setzen (eben durch die 2 Löcher) und einen oder zwei leichte Prellschläge auf den Zapfen. So fest sitzen die meist nicht.
    Ich tippe auf Hauptlager (Lagerkäfig exitus). Pleuelfüße gehen nach meiner Erfahrung eigentlich fest.

    Edited once, last by heckman ().

  • ...also ich hab die russische Methode gemacht!


    Mann kann mit 2 Schrauben die dann in die 2 Löcher von der Schwungscheibe gedreht werden die Schwungscheibe gleichmäßig (!) abziehn. Die Schrauben drücken die Schwungscheibe von dem Motorblock weg...


    Leider hatte ich keine Schrauben mit dem Gewinde also hab ich einfach 2 Muttern in die Löcher gesteckt und dann 2 alte Zündkerzen reingeschraubt. (ohne Muttern gehts nicht da die Zündkerzen nicht lang genug sind zum reinschrauben) Aber die Zündkerzen haben wenigstens das passende Gewinde! Die Elektroden hats natürlich abgedrückt aber es ging!
    :schaem:


    wie gesagt das ist die russische Methode! Wenn man 2 Schrauben mit dem Gewinde hat gehts auch sauber.


    Also einfach in die 2 Löcher Schrauben reinschrauben... aber unbedingt gleichmäßig!

  • Mann kann mit 2 Schrauben die dann in die 2 Löcher von der Schwungscheibe gedreht werden die Schwungscheibe gleichmäßig (!) abziehn. Die Schrauben drücken die Schwungscheibe von dem Motorblock weg...


    Leider hatte ich keine Schrauben mit dem Gewinde also hab ich einfach 2 Muttern in die Löcher gesteckt und dann 2 alte Zündkerzen reingeschraubt. (ohne Muttern gehts nicht da die Zündkerzen nicht lang genug sind zum reinschrauben) Aber die Zündkerzen haben wenigstens das passende Gewinde! Die Elektroden hats natürlich abgedrückt aber es ging! :schaem:

    :hä:
    ja, ich glaube, M12 war noch zu klein...
    "neuere" Trabant-ZüKe haben M14...
    - und wenn man Kerzen mit langem Gewinde nimmt, sollte das auch ohne Hilfskostruktionen funktionieren... ;)



    die passenden Schrauben sind die, die die Federgabeln mit der vorderen Blattfeder verbinden.
    (lagen bei uns damals - Gott sei Dank - noch rum... ;))
    vielleicht sollte man, wenn man die Scheibe schonmal unten hat, zwei zusätzliche Löcher mit gängigeren Gewinden (M10) bohren...
    (bei meinen Bremstrommeln haben sich M8-Gewinde bewährt... ;))
    - möglichst gegenüberliegend mit gleichem Abstand zur Achse, um Unwuchten möglichst gering zu halten.

    :hug: Trabant steht für Gefährt(e), nicht für Ge(h)hilfe... :2Kumpels:


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    Edited once, last by Trabbischubser ().

  • Danke erstmal. Die Vertiefungen waren tatsächlich Abdeckungen.


    Mit den Schrauben der Federgabel ging die Schwungscheibe dann schön ab.
    Schaden: Das Lager von der Mitte aus richtung Keilriemen ist total hin. Paar Kugeln sind noch drin. Die andere Seite sieht auch so aus, als ob da nicht mehr alle Kugeln drinnen sind. Sehe ich das richtig, dass die Mitte - also zwischen den kaputten Lagern - kein Lager, sondern nur soetwas wie eine Führung ist?
    Das Schlagen am Schluss waren wohl Lagerteile, die im Brennraum rumgeflogen sind.


    Wieder Fragen: :hä:


    1: Wie kann soetwas kommen, dass es die Lager in der Mitte zerlegt?? Ist alles immer noch sehr ölig um die Kurbelwelle rum ... was kann der Grund des Schadens sein?
    2: Wie erkenne ich, ob die Kurbelwelle noch O.K. ist? - Ist der Motor noch zu retten?
    3: Zum Ende hin hatte eine Zündkerze immer wieder (vielleicht 8- 10 Mal) Aussetzer, die scheinbar grundlos wieder verschwanden (zuerst nach Kerzenwechsel, dann stellte ich fest, dass sich das Problem nach 1km von alleine löst (wieder zündet) - Waren das schon erste Lagerteile, die Zündbrücken bildeten, oder ist das ein 2. Problem?


    Hoffe ihr könnt mit meinen Fragen was anfangen. Bis dann.

  • das "Lager" in der Mitte ist ein Dichtring, der die beiden KuWG gegeneinander abdichtet.
    um die inneren KuW-Lager zu wechseln muss man die KuW eh auseinanderpressen.
    ein guter Regenerierer wird dabei auch gleich die Pleuel überprüfen.


    die Zündaussetzer erklären sich üblicherweise wie folgt: die Kugeln werden von einem Ring aus Aluminium geführt und auf einheitliche Abstände gehalten.
    der wird üblicherweise als erstes zerlegt.
    die kleinen Brösel können dann zwischen die Elektroden der Zündkerzen geraten, schließen die ZüKe damit kurz und verhindern die Bidung eines Zündfunkens.
    - bis man aber eine Stelle zum Anhalten und Nachsehen gefunden hat, haben sich die Brösel üblicherweise auch schon wieder verkrümelt... ;)


    ich wundere mich auch immer wieder, dass es die inneren Lagr scheinbar häufiger als die äußeren zerlegt...
    - die halte ich eigentlich für anfälliger gegenüber Unwuchten.
    die inneren würden ja von den äußeren gestützt.
    ich kann mir nur vorstellen, dass sich entstehende Wärme innen natürlich schlechter als außen abführen kann.
    und Wärme, die zu Hitze wird, ist natürlich verschleißtechnisch als eher ungünstig zu bewerten. ;)

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    Edited once, last by Trabbischubser ().

  • Ich demontiere Schwungräder seit eh und jeh OHNE Abzieher oder dergleichen: Mutter lösen, aber nicht allzu weit runterdrehen, dann 1-2 beherzte und gut gezielte (!) Schläge mit einem mittelgroßen Hammer auf den Aussenring des Rades (schön waagerecht in Richtung Motor) - und schon ist das Teil vom Konus und kann abgenommen werden.
    (Weil ich schon wieder die Aufschreie höre...- das war gängige, jahrzehntelang problemlos bewährte Praxis in diversen, mir bekannten ehem. Trabant-Werkstätten. Auch damals war Zeit schon Geld - und kaputtgegangen ist bei dieser Methode - wenn sie richtig praktiziert wird - auch nie etwas! Man kann es selbstverfreilich auch anders machen - viele Wege führen nach Rom...:zwinkerer: :zwinkerer: )

  • Ich demontiere Schwungräder seit eh und jeh OHNE Abzieher oder dergleichen: Mutter lösen, aber nicht allzu weit runterdrehen, dann 1-2 beherzte und gut gezielte (!) Schläge mit einem mittelgroßen Hammer auf den Aussenring des Rades (schön waagerecht in Richtung Motor) - und schon ist das Teil vom Konus und kann abgenommen werden.

    ich hatte zwar erst vier, aber schon das vierte ließ sich auch mit einem aus einem alten Automaten gebastelten Abzieher, Hammerschlägen und gutem Zureden nicht lösen...
    - erst die Schrauben von den Federgabeln brachten dann schließlich doch den gewünschten Erfolg.


    ich kann mir aber auch vorstellen, dass es eben doch einen erheblichen Unterschied macht, ob der Motor letzte Woche noch lief oder vor Jahren zum letzten Mal abgestellt wurde. ;)

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  • (Weil ich schon wieder die Aufschreie höre...- das war gängige, jahrzehntelang problemlos bewährte Praxis in diversen, mir bekannten ehem. Trabant-Werkstätten.


    Kein Aufschrei, aber ich bezeichne das mal als "Pfusch". Muss jeder selbst entscheiden, ob er Schwungmasse und Kurbelwelle verprügelt um den gewünschten Effekt zu erzielen, oder die dafür vorgesehenen Bohrungen zum Abdrücken nutzt.

  • Trabbischubser:
    Das mit den Zündbrücken bestätigt meine Theorie - ist nur erstaunlich, wie lange so ein Motor dann noch hält. Der erste Aussetzer war bei Lugano, kurz hinter der italienischen Grenze ... und dann hier noch ein bisschen fahren - das sind dann so 600km.
    Möchte garnicht daran denken, wie es gewesen wäre den Motor Nachts irgendwo in der Schweiz bei 4 Grad zu wechseln :schock:


    Den Grund des Lagerschadens bezeichne ich jetzt mal als Verschleis - nachdem da noch keiner was anderes behauptet hat -
    dann muss ich mal schauen, ob und wie ich das Teil wieder funktionstüchtig bekomme.
    Nachdem da ja Schutzkappen auf dem "Ausdrückgewinde" waren, scheint das ja ein originaler Motor zu sein ... der hätte dann laut Tacho 128.000 km drauf! Aber wissen tut man das ja nicht. Ich fuhr diesen Motor jedenfalls 40.000km.


    War noch nie in der Verlegenheit einen Motor zu reparieren. Den letzten habe auf dem Schrottplatz für 60 DM gekauft - aber die Zeiten sind ja leider vorbei :heuli2:

  • wie schon öfter berichtet, hab ich mit so 'nem Motor - mit Vespa auf Anhänger im Schlepp - zwei Ersatzmotoren in Berlin geholt...
    - 600km einfache Strecke...
    - und knappe 10000 bis es überhaupt soweit war... ;)
    (was man nicht alles für "normal" hält, wenn man's nicht besser kennt... ;))
    war auch 'n gebrauchter Motor für knappe 60EURo...

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  • @ matjes 300: einige 100 Male bewährter "Pfusch", in diversen VERTRAGSwerkstätten seinerzeit genau So praktiziert. 1-2 >gezielte< Schläge (gewußt wo und wie :zwinkerer: ) sind eben kein Verprügeln... :winker: