Beiträge von mulchhüpfer

    Zu meinem neuen Trabi habe ich zwar Kaufbeleg/Rechnung aus DDR-Zeiten dazuerhalten, der Vekäufer wünscht aber ausdrücklich, dass das nicht digitalisiert wird. Dann will ich das mal respektieren. Enthält jedenfalls auch interessante Angaben:

    601 Lim. S de Luxe, Baujahr 1986:

    - Grundpreis: 9450 M

    - serienmäßige Verbesserungen 1985: 2720 M

    - Ausstattungspaket 3: 705 M

    - Rollgurte: 388 M

    - Sonderfarbton: 70 M

    --> 13333 M

    weitere nicht auf das Fahrzeug zutreffende Preise:

    - Glaskippdach: 480 M

    - Radialreifen: 160 M

    - Hycomat: 500 M

    - Minderpreis für Entfall ausstellbarer Fondsscheiben: 115 M

    - Minderpreis bei Entfall der Zweifarblackierung: 50 M


    Die Wartezeit Bestellung --> Fahrzeugübergabe/Bezahlung betrug 12,5 Jahre.

    Unfug. "Als Schwerverletzter gilt ein Verunglückter, bei dem durch die Unfalleinwirkung ein Krankenhausaufenthalt von mehr als 24 Stunden erforderlich war und der 30 Tage nach dem Unfall noch am Leben war." Das kann vom leichten Schädelhirntrauma, welches nur zu Überwachung im Krankenhaus liegt, einer einfachen Knochenfraktur bis hin zum polytraumatisierten Patienten alles sein.


    Autofahren generell ist "sehr real lebensgefährlich". Wir hatten die Diskussion hier schon häufiger, aber ich habe keine Angst mit dem Trabant auf der Autobahn. Warum auch? Mit einem einfachen Anhänger am West-PKW darf ich auch nur 80kmh schnell fahren (an die ich mich auch halte!). Wer mit dem Trabant auf die linke Spur zieht ohne sich 100 % sicher zu sein ist oft auch selber Schuld. Auf der Autobahn ist nun mal mit schnell fahrenden Fahrzeugen zu rechnen.

    Dieser konstruierte Fall sieht in der Realität aber oft anders aus. Meistens übersehen die Leute, die mit geringer Geschwindigkeit auf eine schnellere Spur ziehen den Hintermann und nicht anders herum, natürlich fernab von der Schuldfrage.

    Psychisch geht niemand genesen aus so einem Autobahn-Unfall hervor. Da hilft keine Schönrederei, das ist ein Schicksalsschlag den man einstecken muss. Ich wunderte mich hier schon paar mal darüber, wie das so herunterspielt und auf die leichte Schulter genommen wird, deshalb war das Zitat auch ohne Namensangabe sondern allgemein gemeint. Aber ich schreibe jetzt nichts mehr zu dem Thema, was meine Meinung dazu ist, ist bekannt. Dreist finde ich es auf jeden Fall, hier von "konstruierten Fällen" zu schreiben und anderen die selber einen schweren Unfall erlebt haben zu erklären, wie sowas passiert. Ich kann dir nur so viel sagen, dass es zumindest in meinem Fall weder linke Spur noch im Zusammenhang mit einem Überholmanöver war.


    Wohnmobile, Wohnwagen usw. sind größer und daher schon aus größerer Entfernung deutlich sichtbar und als langsamfahrendes Fahrzeug erkannt. Abgesehen davon stimme ich denen zu die ein Tempolimit fordern.

    Zitat

    Wünschen wir dem Trabant-Piloten erstmal gute Genesung, hoffentlich ohne Folgen.


    Aus schweren Verletzungen geht man in der Regel nicht mehr genesen hervor. Was bitte sollen diese realitätsfremden Wünsche?

    Hier auch noch mal ein Foto von meinem geliebten Familienmitglied, dem ich am 20. Mai zum Glück ohne Verletzungen entsteigend konnte (anders meine Frau ...)


    Es kann jeder machen was er will, aber heutzutage mit dem Trabi (oder Käfer etc.) auf der Autonbahn zu fahren, ist aus meiner Sicht sehr real lebensgefährlich und man zieht auf jeden Fall den Kürzeren. Wenn einer 180 km/h heizt, gibt's keine Chance, für einen übersehenen Trabi abzubremsen. Dass ich hier noch schreiben kann und mein Sohn auch noch lebt, haben wir dem Glück zu verdanken dass der Typ hinter uns "nur" ca. 20 km/h schneller war als wir.

    Kaufverräge für Lim. S de Luxe von 1981 und 1988.

    1981:

    Grundpreis: 9895 M

    Ausstattungspaket II: 419 M

    Radialreifen (wahlweise): 160 M

    Farbanstrich (wahlweise): 70 M (baligelb)


    1988:

    Grundpreis: 13065 M

    Ausstattungspaket 3: 705 M

    Automatikgurte: 388 M

    Radialreifen (wahlweise): 160 M

    Hycomat (wahlweise): 500 M

    Minderpreis Einscheibenglas: - 220 M

    Minderpreis ohne ausstellbare Fondsfenster: - 116 M


    Die Ausstattungspakete beinhalteten offenbar diverse Weiterentwicklungen, die man obligatorisch dazunehmen musste. Jedenfalls habe ich bisher keinen Kaufvertrag gesehen wo das Ausstattungspaket abgewählt war.


    Im "Fahrzeuglexikon Trabant" ist aufgelistet, woraus sich im Jahr 1982 das obligatorische Ausstattungspaket zusammensetzte:

    Autobahndreibock: 28 M

    Statikgurte vorn: 122 M

    Zweikreisbremse: 130 M

    Abgasanlage aluminiert: 120 M

    verbesserte Stoßdämpfer: 94 M

    profilierte Stoßstangen: 35 M

    Sonderfarbton (eine Grundfarbe gab es nicht): 70 M

    Benzinhahnfernbedienung: 25 M

    weiterentwickelte Türgriffe: 20 M (Lim) 30 M (Universal)

    Kennzeichenbeschriftung: 5,80 M


    und als wahlweise Ausstattungen:

    Hycomat: 500 M

    Radialreifen: 160 M

    Batterie 6V 84 Ah: 10 M

    Automatikgurte: 510 M

    Finishpaket Leder Lim: 380 M

    Finishpaket Stoff Univ: 350 M

    Finishpaket Univ.: 400 M

    Elektropaket für S: 215 M

    Kofferraumauskleidung+Ersatzradhülle: 80 M

    Heckscheiben-WiWa Universal: 150 M


    Als Grundpreise Anfang 1982 werden genannt:

    Lim Standard: 7850 M

    Lim S: 8050 M

    Lim S de Luxe: 9450 M

    Universal Standard: 9300 M

    Universal S: 9500 M

    Universal S de Luxe: 11050 M


    So grob haut es mit der 1981er Rechnung hin, nur der Grundpreis von 9895 M ist etwas höher als im Fahrzeuglexikon für 1982 angegeben. Farbwunsch: Da war es wohl üblich, eine Wunschfarbe und eine Alternativfarbe anzugeben. Bei den beiden obigen Kaufverträgen konnte jeweils die Wunschfarbe geliefert werden. Interessant ist bei der 1981er Rechnung, dass sie von Wismut Handel augestellt wurde, dort war die Wartezeit offenbar geringer, der Wagen wurde 1974 bestellt, 1980 der Kaufvertrag und 1981 die Rechnung ...

    Ok das sehe ich ähnlich. Aber es kommt öfters zu einem Problem: Nur, weil bestimmte Leute negative Seiten der DDR instrumentalisieren, um das Land von vorn bis hinten schlechtzumachen, ist das kein Grund, diese negativen Dinge nicht mehr als Problem zu erwähnen. Ja, heute wird auch noch gespitzelt, teilweise sogar ohne Anlass. Können Menschen durch unfaire Praktiken keine Karriere machen, die es verdient hätten. Werden die Medien plötzlich sehr steif und einseitig, wenn es um brisante Themen wie z.b. den Ukraine-Konflikt geht. Trotzdem haben wir eine relativ freie Presse, können oppositionelle Kräfte in den Bundestag wählen und uns bei Unrecht einen Anwalt nehmen, der auch Chancen hat, etwas zu erreichen. Das sind keine Selbstverständlichkeiten.


    Zum Thema Flüchtlingswelle sage ich nur "Zahltag des Kapitalismus".

    Und ich kenne einige Fälle wo das so ist , nicht unbedingt beim Trabant aber in der 311er Fraktion usw. ist das so .

    Ich vermute, du spielst auf die Preise des 311 Camping an. Da wurde soweit ich es überblicke, früher tatsächlich mal mehr gezahlt als heute. Der wurde mal viel höher gehandelt als die Limousine, das ist inzwischen nicht mehr so. Ansonsten ist der 311er eher ein Paradebeispiel dafür, dass auch Ost-Oldies rasante Preissteigerungen hinlegen können.

    Danke für den Link. Die meisten dieser Prospekte habe ich zuhause. Leider wird man nur sehr begrenzt schlau draus weil nicht klar ist, was Grundausstattung des jeweiligen Modells war und bei was es sich um aufpreispflichtiges Zubehör handelte. Überhaupt werden Preise in den Prospekten meist nicht genannt. Aber als grobe Orientierung sind die schon mal hilfreich.

    Naa haben wirs denn so eilig? Das ist doch eher ein Langzeitprojekt.


    Selber einfach Infos sammeln ist bei dem Thema nicht so ohne weiteres machbar. Da wohl kaum jemand ordnerweise vollgefüllt mit DDR-Trabi-Kaufverträgen hat, kann das nur als community-Arbeit funktionieren. Abgesehen davon habe ich auch schon 2,3 in petto, wird noch ordentlich fotografiert ...

    Da es zu dem Thema bisher keinen Thread gibt, erstelle ich hiermit mal einen. Es wird hierzu viel dahergeredet, gemutmaßt und spekuliert ... Dem kann man nur abhelfen indem man eindeutige Fakten empirisch zusammenstellt.

    Sowohl Preise der Modelle als auch die Ausstattungsvarianten änderten sich ja zumindest in den 1980er Jahren ständig. Handfeste Fakten ergeben sich aus damaligen Kaufverträgen. Hat da schon mal jemand Material zusammengetragen? Ansonsten könnte man damit hier ja mal anfangen ...

    das ist wie mit den Imobilien ,die Blase wird irgendwann platzen.

    Unwahrscheinlich. Das kann allenfalls rein theoretisch bei Oldtimern passieren, die tatsächlich rein aus spekulativen Gründen gekauft werden. Und selbst da ist mir kein einziger Fall bekannt wo das mal eingetreten wäre. Es geht ehe rum die Frage, ob ein Nach-oben-Trend sehr rasant, rasant oder moderat ausfällt.

    Sehe ich auch so. Wirklich wertbeständig werden wohl nur die (jetzt schon unbezahlbaren) Edel-Klassiker sein. Bei den Brot- und Butteroldies (wie also auch unserem Trabant) wird alles davon abhängen, wieviel Bewegungs(also Fahr-)freiheit zukünftige Umweltgesetzgebungen noch lassen werden. Und da sehe ich zumindest mittelfristig eher schwarz...:hmm:

    Hinzu kommt, daß viele unserer Hobby-Kollegen inzw. hoch im Rentenalter angelangt sind und die nächsten Jahre entsprechend viel auf den Markt geworfen werden könnte. Übernahmewillige Nachkommen sind alles andere als selbstverständlich, meinen Kram will bisher leider auch keener ´erben´/weiterführen. Bleibt nur noch die vage Hoffnung auf ein dereinst williges Enkelkind...:/

    Zur Umweltzone: Das sind abwegige Gruselgeschichten. Die Oldtimer-Lobby in D. ist nun wahrlich stark genug, dass da Ausnahmeregeln dauerhaft bestehen werden. Die haben gute Anwälte und Kontakte bis in die Ministerien ... Obs immer bei der 30-Jahres-Regel bleibt ist durchaus fraglich, aber absolute Verbote die auch den Trabi treffen, sind denke ich mal auszuschließen. Zumal der Trabi bei den aktuellen Problemstoffen NOx und Feinstaub bei weitem nicht der Kern des Problems ist ...

    Zum "Rentnerproblem": Jo, das kann tatsächlich dazu führen, dass Preise stagnieren oder sogar leicht sinken. Passiert aktuell bei schwach motorisierten Vorkriegsautos. Dieser Effekt träte beim Trabi aber frühestens in 30-40 Jahren ein, wenn überhaupt. Denn er ist und bleibt wohl auf ewig ein allgegenwärtiges Symbol der deutschen Teilung. Habe neulich erst wieder asiat. Touristen in berlin gesehen, deren Kind ein Trabi-Spielzeugauto in der Hand hatte.

    Aber mal ehrlich: Es gibt doch Trabi-Karossen, die sind dermaßen durchgerottet, dass eine Restaurierung wirklich nicht mehr infrage kommt. Was bitte macht man mit solchen Fällen?

    Zum Thema Untergang der DDR hier ein Beitrag DDR - Stolz oder Pein deutscher Geschichte?


    Zur persönlichen erfahrung: Als 3-jähriger kriegt man nicht allzuviel mit, aaaber eine meine frühesten Erinnerungen ist, dass ich in der Kinderkrippe rumgeheult hab und mir deshalb eine BANANE angeboten wurde, ich jedoch trotzig ablehnte ^^ Mir schmecken Bananen bis heute nicht. Ansonsten erinnere ich mich noch dunkel an Westpakete wo nur abgeranzte Mädchensachen drin waren (man meinte offenbar, hier gäbe es rein garnichts zum Anziehen zu kaufen) und ich war der festen Überzeugung dass ein "Trabant" ein Trabi mit vielen Aufklebern/Schiebebildern sei. Denn der einzige der in unserem Bekanntenkreis nicht Trabi sondern Trabant sagte, war eben der Fahrer eines Trabi der mit sowas vollgeklebt war :D

    Ansonsten: Kinder hatten in der DDR sicher oft positive Erlebnisse, viele damalige Grundschüler fanden es auch "doof" dass die ganzen kindergerechten Pionieraktivitäten mit der Wende einfach weg waren. Aber es ist wie mit loyalen Erwachsenen. Wer sich nicht offen gegen das System stellte, hatte ein vielleicht teilweise von Versorgungsengpässen beshcränktes, aber weitgehend angenehmes Leben. Das allerdings ist in vielen Diktaturen so. Wer Tretminen gegen seine eigene Zivilbevölkerung verlegt und per Schießbefehl & Co klarmacht dass im Zweifelsfall auch auf wehrlose Zivilisten geschossen wird wenn sie nicht spuren, hat mit Demokratie nichts mehr am Hut. Als Kind kriegt man sowas natürlich nicht mit ...


    P.S. es wird immer gerne damit argumentiert, dass in der BRD auch nicht alles demokratisch gewesen sei. Mag sein, aber es ist und bleibt ein mega-Unterschied ob jemand wegen illegalem Grenzübertritt abgeknallt wird, oder ob ihm von einem BRD-Feldjäger ins Bein geschossen wird, wenn er den Wehrdienst (und Zivildienst) verweigert. Todesopfer sind aus letzterem Szenario jedenfalls nicht bekannt.

    Auf Hinweise des Moderators hiermit ein extra-Thread zu diesem Thema ( Ursprung Hier), lasst uns mal bissl Meinung oder auch Erfahrungen austauschen.

    Habenseite:

    - Es waren Probleme gelöst, die heute wieder ungelöst sind

    - Wirtschaftsweise ohne Ausbeutung ärmerer Länder oder profitabler Kriegstreiberei --> Die DDR hat keine Fluchtursachen geschaffen (außer in ihrem eigenen Land ...), auch in der Sowjetunion wurden die ärmeren südlichen Republiken gefördert, während heute im Norden Rassismus gegen arme Arbeitsmigranten aus den heruntergekommenen Südländern besteht, die aufgrund der prekären Situation natürlich zunehmend kriminell werden.

    - Auch den Vorwurf der Umweltverschmutzung würde ich nicht gelten lassen: Industrie einfach zu demontieren und den Dreck fortan in Indien und Bangladesh produziern zu lassen, ist ein Nullsummenspiel.

    - Viele wirtschaftliche Schwächen im Vergleich zur BRD waren natürlich gegeben und nicht primär Schuld der DDR (geringere Größe, wichtige Rohstoffe fehlten (nahezu keine Steinkohle, nahezu kein Eisenerz, Uran gratis in die SU abtransportiert usw.), von Anbeginn an weniger Industriestandorte als im Westen, kein Marshallplan, künstlich vergrößerter Wohlstand des Westens auf Kosten der dritten Welt (siehe oben))


    Sollseite:

    - Keine Gewaltenteilung zwischen Parlament, Regierung und Gerichte vorhanden, daher ganz zwangsläufig Herausbildung einer Diktatur

    - Zentralplanwirtschaft funktionierte nicht bzw. war extrem ineffizient und demoralisierend. Als Ulbricht das begriff und alternative Wege ausprobieren wollte, flog er auf Weisung Moskaus raus und ein vollkommen realitätsfremder Erich Honecker wurde installiert, der als erstes gleich mal den privaten Mittelstand enteignete und riesige Kombinate bildete

    - Antifaschismus wurde immer nur in Bezug auf Altnazis gelebt, wenns hingegen um die Integration von Gastarbeitern und Kriegsflüchtlingen ging, war Schluss mit der internationalen Solidarität


    Zur bereits angerissenen Frage des Untergangs der DDR:

    -Staaten überleben wirtschaftlich länger als man denkt, notfalls auf unterstem Niveau. Siehe Nordkorea. Die DDR war auch ende 89 bei Dänemark, Schweden usw. voll kreditwürdig. Notfalls wären die Importe reduziert worden, um den reibungslosen Geldfluss wiederherzustellen. Das Ende der DDR kam eher aus politischen Gründen, die SED verlor allmählich den Glauben an sich selbst (außer die 15 Opas im Politbüro, die in den 80ern beinahe schon Theater spielten), Gorbatschow gings genauso und dann wars einfach nur noch eine Frage der Zeit, bis die Verringerung der Repression in breite, offene Volksproteste umschlagen würde. Schon 84 wurden die Minenfelder und Selbstschussanalgen entfernt, ab April 89 der Schießbefehl ausgesetzt, immer mehr reguläre Ausreiseanträge wurden gestellt und auch bewilligt - alles solche Hinweise dass der Apparat eigentlich schon resigniert hatte... Meine Eltern meinen zwar, die Wende kam vollkommen überraschend aber zumindest rückblickend betrachtet war sie keine Überraschung mehr bzw. logische Folge der vorangegangenen Entwicklungen. Dass die Wende erst durch Selbstaufgabe des Systems und nicht durch hart erkämpfte Straßenproteste kam, ist wiederum typisch für deutsche Mentalität. Während die Franzosen sich ihre Revolution aktiv herbeierkämpften, blieben die Deutschen stets brav, ließen sich alles gefallen so lange, bis das System selbst anfing, aufzugeben oder sich zu verändern (nix mit Revolution, stattdessem irgendwann hochoffiziell eingestandene preußische Reformen 1815 zur (Selbst-)beschränkung des Feudalismus, oder Nazi-Symbole erst nach Beginn des Volkssturms infrage gestellt). Die Deutschen haben vieles, aber revolutionäre Energie eher nicht so. Nur deshalb konnte die DDR überhaupt 40 Jahre lang bestehen, lösten auch Ereignisse wie der Mauerbau 61 oder die Ausbürgerungen 1976 oder die Kaffeekrise 1979 keine ernstzunehmenden Proteste aus. Die Obrigkeitshörigkeit war hierzulande für sowas schon immer zu stark ausgeprägt. Was natürlich auch Vorteile haben kann ...


    Kann man auf die DDR also stolz sein oder nicht?

    Noch ganz kurz zum Thema, was man mit Trabi eigentlich verbindet:

    Bei mir ists vor allem der Fahrspaß mit diesem urigen, minimalistischen aber dennoch irgendwie gut durchdachten praktischen Fahrzeug. Aber ein bisschen schwingt auch Symbolik als Ablehnung gegen das bestehende System mit, das nehme ich gern in Kauf. Nen DDR-Schild würde ich mir trotzdem niemals an mein' Trabi dranpappen.


    Zum Thema DDR-Wirtschaft mach' ich dann mal besser nen extra Thread auf.

    Da hier offtopic-Bereich ist, noch mal was zu Hamsterei und Logistikstörungen: Lese gerade Schriften eines ehem. Arbeiter- und Bauerninspekteurs (ABI). Wird bissl länger aber wer Bock hat möge es lesen, ist nen schönes Beispiel, wie es zu dem Pardoxon "Überfluss im Mangel" kommen konnte. An einem Beispiel aus einem Großbetrieb. Stahlblech war damals bekanntlich eine besonders von Mangel betroffener Ware:

    Aus einem anlagenbauenden Großbetrieb der Elektroindustrie kam der Hinweis allzu sorglosen Umgangs mit Walzstahl bei der Produktion von Elektro-Schaltschränken [...]. Zugleich erging auf dem Leitungswege eine massive Beschwerde zu Lieferrückständen an den Lieferer, das Walzwerk. Der Lieferer aber rang die Hände ob des von Jahr zu Jahr überproportional steigenden Walzstahlbedarfs ebendieses Elektrobetriebs. ABI hilf!

    Was die planmethodische Seite der Materialbestellung betraft, schien alles in Ordnung zu sein, doch warum war der Materialeinsatzschlüssel gegenüber dem Vorjahr von 11899 auf 12150 kg Walzstahl pro Mio Mark industrieller Warenproduktion erhöht worden, wo doch eigentlich Senkungen angesagt waren? Und was waren das für Stahlblech-Pakete, die an mehreren Stellen des Betriebs verstreut im Freien lagerten und von denen angeblich niemand etwas wusste? Die Antwort war in diesem Fall leicht zu finden:

    Alles Material, das für einen bestimmten Verwendungszweck bestimmt war, wurde bei Wareneingang sofort in die Position "Unvollendete Erzeugnisse" (UE) gebucht. Dadurch belastete es nicht die (durch den Plan limitierte) Position "Materialbestände" und auch nicht das Gewissen des Direktors für Materialwirtschaft, aus dessen Gesichtskreis es schon zum Zeitpunkt der Anlieferung verschwand. [...] Diese Form der innerbetrieblicher Arbeitsteilung hatte zurfolge, dass der für die Beschaffung zuständige Bereich den wirklichen Bestand nicht kannte [...] Der Produktionsbereich wiederum hatte keine Übersicht über das unter seiner Verantwortung lagernde Material, er führte keine Lagerkartei für UE-Bestände. [...] Die Position der Materialbestände war nicht einmal so erschreckend hoch, sie machte durchweg weniger als 20% der Gesamtbestände aus [...]. Das Gros dagegen bildeten die UE-Bestände, deren Höhe sich in der Größenordnung der Jahresproduktion bewegten (Jahresproduktion: 1,7 Mrd. Mark, UE-Bestand im Betrieb: 1,2 Mrd. Mark (!!!)). Das Problem beginnt dort, wo der Mangel zum Überfluss führt. (Autor: Hartmut Mummert)


    Zur Rechenschaft gezogen oder bestraft wurde übigens niemand, denn formal hatte niemand gegen irgendwelche Planvorgaben verstoßen. 8o Der ABI hatte immerhin die Chance, eine Option zur Senkung des Materialbedarfs im Betrieb aufzuzeigen. Das wars. Bei flexiblen Preisen, hätte sich der Betrieb so viel lagerndes Material gar nicht leisten können. Und wieviel davon auf Umwege abgezweigt wurde, wovon auch der ABI nichts mitbekam, will man gar nicht wissen. Allerdings: wenn man sich BER oder Stuttgart21 anschaut, relativiert sich die Einzigartigkeit des DDR-Wirtschaftsversagens doch ein wenig. Habe gelesen, das brachliegende BER-Gelände nutzt VW jetzt zum Abstellen tausender Neuwagen unter freiem Himmel, die mangels abgaskonformer Zulassung nicht in den Verkauf kommen können :D http://www.manager-magazin.de/…l-autos-an-a-1215235.html