Altersvorsorge und Besteuerung - der Brutto-Netto-Thread

  • Von diesen 'anderen Summen' kann man Spezialisten einmieten oder sogar ein Sonderabkommen mit den Steuerbehörden abmachen.

  • Überhaupt die Progression im Steuersystem. Was ist daran gerecht, wenn man mit höherem Verdienst mehr Prozente Steuern zahlt? Vor allem vor dem Hintergrund, dass dieses Steuersystem niemals an die inflationsbedingten Einkommenserhöhungen angepasst wurde.

    Durch die Freibeträge wird doch genügend ausgeglichen. Vor allem den mittleren Einkommensschichten würde eine Vereinfachung der Steuer ganz gut tun. Siehe Bierdeckel.

    10-15 % auf ALLE Einkommen abzüglich 10T€ steuerfreies Grundeinkommen je Kind im Haushalt - fertig. Das ist zu einfach? Nein, es würde dazu führen, dass eine Menge Leute mehr Steuern als aktuell bezahlen ...

  • Nett ist auch "nachgelagert"......9 Monate Kurzarbeitergeld in 2020........die Steuererklärung wird lustig.

  • Was hast du denn noch für Abzüge?


    Bei mir werden Lohnsteuer, Soli und SV-Beiträge (KV, RV, AV und PV) abgezogen.

    Ja, genau diese. Nicht nicht noch mehr, bitte bloß nicht.

  • Es gebe zum Beispiel noch betriebliche Altersvorsorge, Direktversicherungen (z.B. für eine Zusatzrente), Pfändungen......

  • Was überbleibt kannst du ja an der Tankstelle abgeben....

  • Ärgerlich war auch, im Oktober hatte ich brutto 9€ mehr als im November, dadurch rutschte ich aber in die nächsthöhere Lohnsteuerstufe und mir wurden wegen 9€ dann 40€ mehr Lohnsteuer abgezogen. [...] Eine Kollegin hatte deswegen trotz Gehaltserhöhung zwei Jahre lang weniger Nettolohn gehabt als vorher, bis sie die nächste Erhöhung bekam.

    Das kann eigentlich nicht sein. Die deutsche Steuerkurve ist so, dass sich der Prozentsatz zwar erhöht, aber dies eben nicht Stufenweise, sondern kontinuierlich passiert. Und dieser Anstieg ist so gemacht, dass man durch mehr Brutto nie weniger Nettolohn bekommt. Solltest du wirklich Recht haben, würde mich das sehr stark wundern und ich hätte gerne Mal exemplarisch Zahlen dafür.


    Zum Thema kalte Progression und was das eigentlich ist, empfehle ich den Recht gut geschriebenen Wiki-Artikel:


    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kalte_Progression


    (Kalte Progression ist nicht die Steuermehrbelastung, die durch Lohnerhöhung passiert. Eigentlich spricht man nur von kalter Progression, wenn durch die prozentuale Steuermehrbelastung eine Lohnerhöhung genau auf Preissteigerungsniveau zwar zu mehr Netto, aber weniger Kaufkraft führt.)

    Edited 2 times, last by Tim ().

  • Das ist die kalte Progression. Ich gebe mir deswegen alle Mühe, nicht befördert zu werden. Kann ich mir nicht leisten ;-)

    Deswegen wird ja seit Jahren ein Konzept gesucht die progressive Steuerkurve zu begradigten, ohne Besserverdienende zu benachteiligen. Ganz einfach einen einheitlichen Hebesatz für jeden und Abschaffung der Kappungsgrenze.


    Bezüglich Rente zahle ich ja gezwungener Maßen in die Betriebsrente ein (wobei ich die so oder so genutzt hätte). Mir gehen jeden Monat 120€ vom Netto an die Betriebsrente, jedoch legt der Bund jeden Monat nochmal so viel drauf. Da will ich mich nicht beschweren.


    Wir werden sehen.

  • Des

    Es ist ab so. Du kannst durch ein höheres Bruttogehalt wirklich weniger Netto haben.

    Googel mal: weniger Netto nach Gehaltserhöhung

    Dann findest Du zig Einträge dazu.

  • Bezüglich Rente zahle ich ja gezwungener Maßen in die Betriebsrente ein (wobei ich die so oder so genutzt hätte)


    jedoch legt der Bund jeden Monat nochmal so viel drauf.

    Falls das die VBL sein sollte, dann kannst Du beruhigt sein. Das rechnet sich.

  • Altersvorsorge! Was zur Rente mal übrig ist, steht in den Sternen. Wer auf seine vorherigen Generationen zurückschaut, bekommt einen Blick auf die möglichen Risiken zu seiner eigenen Perspektive.


    Großeltern: Kaiserreich; Weimarer Republik; 3. Reich; DDR.

    Eltern: Weimarer Republik; 3. Reich; DDR; BRD.

    Meine Generation: DDR; BRD ...


    Jeder Wechsel brachte immer auch eine Abwertung der ursprünglichen Zahlungsmittel (Reichsmark, Mark, DDR-Mark, D-Mark, Euro …) sowie eine politische Korrektur in der Anerkennung von bisherigen Arbeitsleistungen und Bildungsabschlüssen.


    Je jünger man ist, desto umsichtiger sollte man für die Zukunft entscheiden.
    Langfristigkeit ist da nicht unbedingt vorteilhaft.

  • Ich würde behaupten der Erwerb einer Immobilie als Sicherheit für die Rente ist schon eine längere, sinnvolle und damit auch vorteilhafte Altersvorsorge. Wenn man nicht das Glück hat eine über Erbschaft, Schenkung oder Gewinn zu bekommen, muss man sie bauen/kaufen. Und das kostet im Mittelstand in der Regel 20-30 Jahre bis sie vollständig bezahlt ist.


    Das eine auf reinem Kapital basierende Altersvorsorge auch immer ein Risiko ist, bleibt vollkommen unbestritten. Eine Anlage auf Sachwerte kann man auch machen. Gold war schon immer gut. Es ist Schwankungen unterworfen, aber am Ende doch immer wertvoller geworden.


    Und ganz am Ende ist eine gemischte Vorsorge aus Immobilie, Kapitalanlage und Sachwerten eine grundsolide Basis für einen schönen Ruhestand.


    Aktuell gehe ich nicht davon aus, dass es in den nächsten 20-30 Jahren einen so kolossalen Systemswechsel gibt wie im 20. Jahrhundert mehrfach vorgekommen.


    Und gerade der letzten Gruppe von DDR in BRD geht es ja auch im Osten nicht so schlecht. Besonders bei Paaren, einfach dem Umstand geschuldet, dass in der DDR so viele Frauen werktätig waren.

    Und auch wer damals schon gut geplant hat (DDR Zusatzrentenversicherung) kann heute ganz gut leben.


    Mein Opa hat am Ende seines Lebens in 2011 etwa 1600€ Netto Rente bekommen. Mit laufenden Lebenserhaltungskosten von ca. 600€ für Haus, Essen, Versicherungen usw. blieben 1000€ im Monat frei.

    Er hatte so eine Zusatzversicherung in der DDR abgeschlossen.

    Das verhalf dann auch Oma bis zu ihrem Tod 2018 zu einer Witwenrente von über 1000€.


    charlie601, was sollte man denn deiner Meinung nach machen, wenn langfristig nicht unbedingt vorteilhaft sein soll?

  • Es ist ab so. Du kannst durch ein höheres Bruttogehalt wirklich weniger Netto haben.

    Googel mal: weniger Netto nach Gehaltserhöhung

    Dann findest Du zig Einträge dazu.

    Ich habe tatsächlich keinen gefunden. Die Überschriften klingen manchmal so, aber konkrete Beispielzahlen, die das ohne Inflationsabzug hinbekommen, habe ich nicht gesehen. Das erste Ergebnis bei Google ist bei mir "brutto-netto-rechner24.de" und dort heißt es

    Quote

    Unter dem Begriff kalte Progression versteht man die oben erwähnte steuerliche Progression in Verbindung mit der Inflation. Der Steuer-Anteil am Einkommen steigt, ohne auf die Inflation Rücksicht zu nehmen. In der Folge sinkt die Kaufkraft des Einkommens, es bleibt „real“ weniger netto übrig.

    Also: Weniger Kaufkraft kann es geben, wenn eben der Lohn nur genauso hoch steigt, wie die Inflation ist und zeitgleich die Steuerlast größer wird. Aber weniger netto von mehr brutto habe ich tatsächlich nie gesehen. Eine Lohnerhöhung abzulehnen, kann sich meiner Meinung nach nie lohnen. Ich bin aber gespannt, bei welchem zu versteuerndem Einkommen das passiert. Wenn jemand Beispielzahlen hat, gerne her damit. Hier ist eine Butto-Netto-Kurve von 2017 für Selbstständige. Eine aktuelle oder durchgängige habe ich leider nicht gefunden. Es gibt aber auch hier nie einen Punkt, wo mehr brutto weniger netto bedeutet (=die grüne Kurve steigt immer an).


    https://steuerwelle.de/wp-cont…s/2017/11/Jahresnetto.png

  • Also das reine Gehalt betrachtet mit Brutto--》Netto--》Eingang auf dem Konto und ohne irgendwas weiter zu berücksichtigen, sollte im Normalfall mit mehr Brutto auch immer mehr Netto ankommen.

    Mir ist nicht bekannt das aktuell etwas anderes möglich wäre.


    Was einem das Geld kürzen kann ist alles was danach kommt, bzw. in Verbindung mit z.B. einer Steigerung des Prozentsatzes in der Pflichtversicherubg steht ( Erhöhung Zusatzbeitrag Krankenkassen, hab ich für dies Jahr von der TK auch bekommen, frisst den gesparten Soli gleich wieder auf).


    Und was danach kommt hab ich auch ein passendes Beispiel. Wenn man Verpflichtungen hat die sich an der Höhe des Einkommens orientieren. Da kann eine Lohnerhöhung eine ganz gemeine Falle sein. Muss man z.B. Kindesunterhalt zahlen kann mehr Gehalt bedeuten, dass man in der Düsseldorfer Tabelle hochrutscht und so deutlich mehr Unterhalt zahlen muss als man Erhöhung bekommen hat. Insbesondere bei mehr als einem Kind. Beispiel:

    bisher sagen wir 1895€ Netto. Lohnerhöhung und dann 1920€. Man hat also Netto 25€ mehr. Man ist aber über eine Grenze gerutscht und muss bei 2 Kindern zwischen 12-17 Jahren 54€ mehr Unterhalt zahlen.


    Auch z.B. Eigenbeiträge für den Kindergarten. Diese orientieren sich oft am Einkommen. Bekommt man mehr Geld muss man mehr zahlen und auch dabei kann eine Lohnerhöhung am Ende weniger in der Geldbörse bedeuten.


    Und es gibt sicher auch noch mehr Beispiele. Auch eventuelle Förderungen oder Beihilfen können ausbleiben, wenn man durch Gehaltssteigerungen in eine höhere Einkommensgruppe einer Tabelle rutscht. Das Problem ist, das solche Tabelle selten dynamisch sind und immer mit festen Werten arbeiten.

    Also sowas wie bis 1000€ 10€ bis 2000€ 20€ bis 3000€ 30€.....wer also dann statt 1999€ neu 2001€ bekommt muss gleich das doppelte bezahlen......

  • charlie601, was sollte man denn deiner Meinung nach machen, wenn langfristig nicht unbedingt vorteilhaft sein soll?

    Tim, mir fehlt schlicht die eigene Erfahrung im Umgang mit zu viel Geld. Persönlich bin ich nie in die Gelegenheit gekommen um mir darüber Gedanken machen zu müssen. Ich selbst bin schon Rentner und drück die Daumen, das bei euch in der Kasse noch was übrig bleibt. ;)

  • Wer hat schon zuviel Geld. Nicht vorhandene Erfahrung ist in Ordnung. Wenn du aber eine solche Aussage in den Raum stellst, wäre es sehr schön, wenn du sagen könntest warum das u.U. nicht vorteilhaft sein soll.


    In so einer Diskussion kann es doch nur für jeden von Vorteil sein, wenn möglichst objektiv und nüchtern die Stärken und Schwächen benannt werden.


    Nur in dem Raum zu stellen das (was auch immer) langfristig nicht vorteilhaft ist, halte ich bei aller Freundschaft für sehr inhaltslos.:sady:

  • Ich hoffe ich habe unrecht! Eine erfolgreiche Langfristigkeit ist ausschließlich an positive Zinsen gekoppelt. Seit der Bankenrettung wird Geld gedruckt. Seit nunmehr 10 Monaten, bedingt durch Corona, entsteht zusätzlich ein schwindelerregender Schuldenberg. Wer soll diesen mal tilgen? Was wird aus unserer Euro-Währung?

  • Das wird eines Tages wie anno 1923 geregelt. Anders kann ich es mir nicht vorstellen.


    Bestenfalls über eine Währungsreform, wenn wir Glück haben. Da werden dann mal 2 oder 3 Nullen gestrichen, die Sparer um ihr Geld gebracht. So lief es immer und so wird es auch zukünftig laufen.


    Die Krise von 2008 ist nicht überwunden. Sie wurde nur kaschiert. Im Moment profitieren bestimmte Menschen von der Niedrigzinspolitik. Bauherren zum Beispiel. Oder wer sonst irgendwas finanziert.

    Der brave Sparer hingegen wird schon jetzt schleichend enteignet.

  • Wobei Bauherren nicht so wirklich profitieren, da mit sinkenden Zinsen die Grundstückspreise deutlich gestiegen sind.