Gleichlaufgelenkwellen instand setzen.

  • Moin,


    ich bin mit meinen Gleichlaufgelenkwellen mind. 100.000km gefahren. Hinzu kommt die Strecke die die Vorbesitzer damit schon zurück gelegt haben. Die Wellen weisen bisher keine Probleme auf, aber da das Fahrzeug eh gerade mehr oder weniger komplett zerlegt ist, will ich auch diesen Teilen mal etwas Zeit widmen. Das Fett muss so oder so gewechselt werden. Das letzte mal habe ich das vor 13 Jahren gemacht.


    Wenn ich die Manschetten ab habe und alles entfettet ist. Wie prüfe ich dann, abgesehen von sichtbaren Schäden, ob die Wellen so noch weiterverwendbar sind? Wie prüfe ich den Verschleiß? Gibt es Grenzwerte? Worauf sollte ich achten?


    Ich muss die Manschetten noch genau untersuchen. Wenn sie nach mind. 13 Jahren und mind. 100.000km noch ok sind, könnte ich sie ja weiterverwenden. Oder würdet ihr die in jedem Fall ersetzen? Ich habe bedenken, dass ich dann unter Umständen schlechtere einbaue. Es soll mit den neuen Teilen ja viele Probleme geben. Welche neuen Manschetten zum Kauf empfehlenswert sind habe ich aber in einem anderen Thread bereits gefragt. Welche ich damals verwendet habe, weiß ich leider nicht mehr.


    Und zu guter Letzt: Welches Fett sollte ich verwenden? Hier gab es schon mal eine Diskussion dazu, aber ich finde sie leider nicht mehr. Selbstverständlich weiß ich auch, dass da Fett mit MOS2 Zusatz reingehört. Ich habe bisher solches von Liqui Moly verwendet, aber das erscheint mir zu dünn zu sein. Jedenfalls habe ich rund um die Getriebeseitigen Manschetten immer sehr dünnflüssige Fettreste kleben. Gibt es eine da noch konkretere Erfahrungswerte?

    Gruß, Felix

  • Wenn die Manschetten noch keine porösen Stellen zeigen würde ich die weiter verwenden.

  • Ich kann nur empfehlen, die Wellen komplett zu zerlegen. Also Außengelenk ab, Käfig und Stern mit Kugeln raus (Zuordnung nicht verändern) und alles auswaschen. Was man da teileweise an Fett rausholt ist übel, von knochenhart bis flüssig kann da alles dabei sein. Zum Verschleiß habe ich auch keine Richtlinien gefunden. Ich habe aber ein neues Gelenk zum Vergleich, auch wenn das subjektiv ist. Ansonsten auf Rost und Fressstellen achten. Verschleißspuren sind eigentlich nur an den Kontaktstellen der Kugeln sichtbar, das sollte aber nur eine Oberflächeneinebnung sein (sicht-, aber nicht spürbar). Für das Innengelenk gilt eigentlich das prinzipiell gleiche.


    Manschetten für das Außengelenk habe ich kürzlich als Friedensware bekommen, die durch einen bekannten Teilelieferanten vertrieben werden. Für das Innengelenk gibt es noch mehr als genug Friedensware.

  • Oha, ich hatte da bisher keine Auffälligkeiten. Also zerlegen, penibel reinigen und wenn keine offensichtlichen Schäden vorliegen mit frischem Fett zusammenbauen? Das wäre ja fein. :)

  • Richtig. Das Zerlegen ist kein Hexenwerk. Etwas knifflig ist es vielleicht erstmal den Stern im Gelenk so weit zu kippen, so dass man die Kugeln entnehmen kann. Aber wenn man es einmal gemacht hat ist es kein Problem (zur Erleichterung habe ich eine Welle geopfert und mir ein WZ draus gebaut). Bei Youtube gibt es auch ein Video (wurde hier im Forum schonmal thematsiert). Ergänzend sein noch die Anleitung von 1.1 zu nennen. Wenn alles zerlegt ist kann man auch einfacher die äußere Oberfläche entrosten und optisch verschönern.

  • Ich habe mich den allgemeinen Erfahrungen angeschlossen und nehme LM 47. Laut Rep.-anleitung darf nur das Molybdänfett SWC 423 BM verwendet werden. Aber mit der Verfügbarkeit ist das heute ein Problem. ;-)

  • Ok, wenn damit alle gute Erfahrungen haben, dann war bei meinem Getriebe vielleich ein Simmerring undicht und hat das Fett verdünnt. Dann verwende ich das mit dem instand gesetzten Getriebe dann wieder. Vielen Dank auch für diese Info! :)

  • Ich habe doch schon eine ganze Menge zerlegt. Anfänglich hatte ich auch ein, zwei harte Nüsse dabei. Leider gehen die nicht immer beim ersten Schlag runter. Aber mit Geduld und Drehen der Welle geht es dann. Nur einen Abzieher darf man nicht nutzen. Damit zerstört man den Sicherungsring, den man im Prinzip nicht mehr bekommt.

  • Spannendes Thema. Diese Wellen sind im 601 für über 200tkm ausgelegt:


    Diese Laufleistungen erreichen sie im Prinzip auch relativ problemlos. Selbst im knapp 4 mal so starken frisierten 1.1er sind die Außengelenke (baugleich 601) absolut unauffällig.


    Verschleiß und/oder Beschädigungen treten eigentlich nur auf, wenn über längeren Zeitraum Fett ausgetreten ist, Wasser eindringen konnte und/oder unsachgemäß zerlegt wurde. Bezieht man z.B. die Haltbarkeit der Außengelenke auf den Zustand der Straßen damals und vergleicht den mit heute (ein Blattfeder hält heute bei astreinen, glatten Straßen auch min. doppelt so lange), so kann man vermutlich dem Gelenk im 601 außen eine Haltbarkeit von locker einer halben Million km attestieren.


    Beim zerlegen nutze ich einen rückschlagfreien Kunststoffhammer. Die Antriebswelle wird in Alubacken fest im Schraubstock eingespannt. Dann muß man mit der einen Hand außen am Gelenk ziehen und gleichzeigt dabei ein wenig das Gelenk rotieren, um so den Sicherungsring etwas vorzuspannen. Dann einen gezielten Schlag und es ist ab. Das hat bisher immer funktioniert! Aber ja, man braucht etwas Gefühl.


    den Sicherungsring, den man im Prinzip nicht mehr bekommt.

    Wie so vieles wo man denkt es gibt das nicht, hat TW es im Angebot:


    https://m.trabantwelt.de/item/31383032


    Und auch wenn er rund ist, kann man ihn so biegen wie er original ist (wenn man es denn will) und ihn dann verbauen. Oder einfach so wie er ist, weil er so seine Funktion auch erfüllt. Ich habe das bei div. Gelenke aller möglichen Fabrikate schon so und so gesehen.


    Ich kann später noch ein paar Bilder liefern, ich habe ein par zerlegte Anschauungsobjekte mit Beschädigungen und Verschleiß.


    Bei den Inneren Tripoden sollte man wie bei jedem Lager schauen das es keine Freßstellen oder Korrosion gibt. Ich kann gerne mal die (Neu)Maße des Außendurchmessers der Tripodenräder durchgeben. Damit hat man dann einen Anhaltspunkt. Der Verschleiß ist da aber auch eher gering.


    Wie man vorgehen soll hat Sachsenring selber beschrieben:


    Interessant ist dabei (der schon oft erwähnte Hinweis im Forum), dass die Nadel eine Sortierung haben. Diese kann man aber nur mittels Bügelmessschraube feststellen, bestenfalls mit einer die eine digitale Anzeige hat.


    Leider gibt es für das Außengelenk bis zur Einstellung der Produktion keine Reparaturtechnologie. Es wurde nur gesagt, es soll irgendwann eine geben und bis dahin ist das Gelenk vollständig zu tauschen.


    Das Video auf Youtube ist schon nicht schlecht und wenn man es noch nie gemacht hat, kann man sich das als Starthilfe ansehen und dann selber versuchen. Auf das was man da noch verbessern kann wurde der Ersteller schon hingewiesen.


    Beim Getriebe besteht auch die Möglichkeit, dass nicht nur ein Simmerring undicht ist, sondern auch der Deckel im Becher kann undicht sein und so das Fett verdünnen.


    bei den Manschette halte ich es mittlerweile in Absprache mit dem Prüfer bei der HU auch so, das alles was porös ist bleibt und erst bei einem tatsächlichen Riss getauscht wird. Von ersten Anrissen außen auf der Manschette bis zum richtigen Riss, vergehen meist noch viele Jahre. Und genau weil das Problem bekannt ist...…..bleiben die solange es geht. Man muss dann natürlich in Kenntnis von ersten Anrissen einmal öfter schauen ob alles ok ist.

  • Das Aussengelenk würde Ich nicht unbedingt zerlegen, ordentlich reinigen und wenn es sich Trocken ohne Auffälligkeiten sauber bewegen lässt wieder mit neuer Fettfüllung einbauen. Nur eine Kugel an falscher Stelle und der Verschleiß kann exorbitant höher sein als erwartet.

  • Wie so vieles wo man denkt es gibt das nicht, hat TW es im Angebot:


    https://m.trabantwelt.de/item/31383032

    Hast du den schonmal bestellt? Und hat er gepasst!? - Ich habe seinerzeit eine ganze Weile gesucht. Der an der Welle verwendete Sicherungsring entspricht NICHT DIN 7993A. Ich habe die Teile jetzt nicht in Reichweite, aber die Nut der Welle ist kleiner als 2 mm (wenn ich es richtig in Erinnerung habe ca. 1,7-1,8 mm). Der Ring hat einen entsprechenden Durchmesser von ca. 1,5 mm. Ich fürchte das der TW-Ring nach o.g. Norm ist und nicht passt (kann optisch täuschen oder nur ein Symbolbild sein). Auch LDM bietet einen Sicherungsring 22x2 an, der nicht passen wird. Damit ist selbst die Angabe im 1.1er Katalog falsch (Menge und Abmessung). Ich denke, es ist ein Sondermaß.


    Hier war das schonmal Thema: RE: Gleichlaufgelenkwelle


    Das Aussengelenk würde Ich nicht unbedingt zerlegen, ...

    Davon würde ich nach 30+x Jahren eher abraten. Ohne Zerlegung kann man den Zustand gar nicht prüfen, geschweige denn, reinigen so das frisches Fett an die notwendigen Stellen kommt. Die Zuordnung ist auch kein Problem. Einfach eine Markierung an das Gelenkgehäuse, an den Käfig und an den Stern (z.B. mit Elektrogravierer). Die Kugeln mit Bezug zur Markierung ablegen und anschließend alles wieder zusammenbauen.

  • Nein ich hatte bisher noch keinen Bedarf.


    Und ja, zerlegt und ausgewaschen bekommt man am besten das neue Fett rein. Nachdem das Zerlegen/Reinigen/Prüfen erledigt wurde und alles wieder zusammengesetzt ist im Gelenk wird neu gefettet. Ich habe ausreichend Motimol und ansonsten eine neuzeitliche Mischung für sowas auch in Dosen.

    Dazu nehme ich einen Holzspatel und schmiere solange Fett in der Mitte rein bis es voll ist. Dann die Welle ohne Sicherungsring reindrücken. Dabei drückt es das ganze Fett durch die Kugeln. Das verteilt sich dann richtig gut. Das Ganze zweimal und alles ist gut gefettet.

    Edited 2 times, last by Tim ().

  • Hier nun noch Bilder von einem eingelaufenen Stern, punktuell durch die Kugeln angescheuerten Käfig und einem Stern der vermutlich längere Zeit ohne ausreichend Fett lief und offenbar auch heiß wurde.


  • Ohne Zerlegung kann man den Zustand gar nicht prüfen, geschweige denn, reinigen so das frisches Fett an die notwendigen Stellen kommt.

    Ich habe noch nie ein Gelenk zum Reinigen und Prüfen zerlegen müssen.

  • Wie willst du aber ohne zumindest eine Teilzerlegung (also z.B. einzeln die Kugeln mal rausnhemen) sowas wie auf dem ersten Bild sehen können?


    Und zusammengebaut merkt man leider von den eingelaufenen Stellen leider nichts.