Lebensdauer, Laufleistung und Identifizierung des Trabant Zweitakt Motors

  • Was wäre deine Empfehlung um solche "Lagerschäden" auf ein Minimum zu redizueren?


    Vakuumieren der Wellen, damit so wenig wie möglich Sauerstoff ran kommt?

    Regelmäßiges durchbewegen und Ölen der Bauteile?


    Die Frage wäre, eine Welle aus DDR Zeiten oder eine die heute gemacht wurde?


    Bei der DDR Welle wird es ohne Zerlegen ein Glücksspiel bleiben.


    Bei Wellen von heute neble ich die ganze Welle mit Addinol W18 ein. Die Lager auch ordentlich duschen. Dann gehts in einen luftdichten Plastebeutel und in den beheizten Keller in einen geschlossenen Schrank.


    Einmal im Jahr ein paar Tropfen nachkonservieren und etwas drehen, damit alles eine andere Position bekommt.


    Vakuumieren würde sicher auch gehen. Dabei vorher gleich etwas mehr vom W18 mit in den Vakuumbeutel und dann verschließen.

  • Als wir 2012 unsere grüne Limo zurückbekamen war der originale Motor kaputt (Lagerschaden).

    Ich habe zu dem Zeitpunkt aus div. Gebrauchtteilen einen "Heimbringermotor" gebaut. Dieser hat inzwischen deutliche Laufgeräusche gemacht, so dass es nun mal Zeit wurde das er raus kommt.



    Beim Gehäuse hab ich offenbar damals was ziemlich Altes gegriffen, was etwa von 1966 ist.

    Zylinder von Anfang der 70ziger mit 3. Schleifmass und eine Standardlagerwelle mit unbekannter und zu dem Zeitpunkt geschätzten 20-40tkm.


    Von 2012 bis jetzt ist der Wagen gut 20.000km mit diesem Motor gefahren. Bis vor 3 Jahren mit Tschechenöl MZ22 und ab da mit 406er.

    Ein Großteil davon auf extremer Kurzstrecke (die Dame des Hauses fährt täglich 1km hin und zurück zur Arbeit :pinch: ), aber zum Freipusten war letztes Jahr auch Anklam (500km) dabei.


    Die Auslässe sind relativ sauber.




    Auch von unten zeigte er sich relativ sauber.



    Die Kolben haben seitlich etwas abgeblasen. Die Ringe sind aber vollkommen frei und beweglich.



    Die Drehschieber sehen akzeptabel aus und haben weitestgehend vollflächig angelegen.


  • Allgemein ist im ganzen Block innen gemessen an der Kurzstrecke keinerlei Ölkohle zu finden. Die Welle hat an den Lagern flächig Belag, der aber weich ist und sich größtenteils abwischen lässt.



    Ich hätte nach den Geräusche mit mit deutlich schlimmeren gerechnet.

    Leider ist die Pumpe der Presse aktuell in Reparatur so das ich die Welle erst in 1-2 Wochen zerlegen kann.

    Dann werde ich davon auch noch Bilder machen.


    Im Fazit ist die Verwendung von aktuellem Öl kein Vergleich mit dem Zeug aus der DDR Braunkohle, die Motor wieder zu Braunkohle wurde.


    Jetzt werkelt der originale Motor wieder in dem Auto und schnurrt wie ein Bienchen. Davon hab ich keine Bilder gemacht. Man weiß ja wie ein gemachter Motor aussieht. :)

  • Sieht wirklich noch recht schön sauber aus, inwändig, vor allem die Auslässe. (das schwungradseitige Kugellager wirkt ja fast noch verdächtig sauber..) . :thumbup:

    Ich denke auch, dass das vor allem auf das Konto des 406ers geht, meine bisherigen Erfahrungen damit sind ähnlich positiv.

    Der kürzlich zerlegte/inzw. wieder eingelagerte Ersatzmotor hatte an/in den Rollenlagern allerdings auch nur diese weiche "Softölkohle", die sich gut abwischen ließ. Und der ist mit allem möglichen gelaufen, nur nicht mit 406. ;)

    (den Brennräumen/Kolbenböden/ Auslässen und dem Krümmer sah man das aber auch an...)

  • Die Kolben haben seitlich etwas abgeblasen. Die Ringe sind aber vollkommen frei und beweglich.

    Ich würde sagen nicht richtig aus gewinkelt, aber noch nicht so schlimm das, das Pleuel blau wird. Kannste ja mal schauen wenn du die Welle zerlegst.

    Biete Serienmotoren, Sportmotoren, Rennmotoren, Sport-VSD, Vergaserumbauten, Regenerierung Drehschieberflächen, Gehäusereparaturen, Aluschweißen, Sandstrahlen mit verschied.Material auf Anfrage

  • Ich würde sagen nicht richtig aus gewinkelt, aber noch nicht so schlimm das, das Pleuel blau wird. Kannste ja mal schauen wenn du die Welle zerlegst.

    Kann man bei nicht richtig ausgewinkelten pleueln dann auch was im Zylinder sehen, oder nur messen? zum Beispiel eine Seite sehr glänzend, andere Seite nicht so stark oder sowas?

  • Ich würde sagen nicht richtig aus gewinkelt,

    Dem würde ich widersprechen, weil ich das immer mache. Vermutlich eher das was man nicht machen sollte.....alles wild gebraucht durcheinander paaren. Auch kippeln die Lager schon merklich, so dass es beim kuppeln Druck von der Seite gibt und es eher dann "schief" läuft (gelaufen ist).

    Ein Wunder das die Lager nicht schon längst hochgegangen waren.

    Auf der (extremen) Kurzstrecke, lief der Motor selten mehr als 5 Minuten (also nur kalt) und wurde dabei bestimmt jedes mal 20-30 mal gekuppelt. Der hatte garkeine Chance die Pleuel blau zu machen :D Daher denke ich es kommt eher daher.

    Als der Motor vor 8 Jahren frisch montiert war, hörte der sich ja auch noch an wie regeneriert. und wenn der 20.000km mit nem "schiefen" Pleuel gelaufen wäre, sähe der m.M. nach nicht so "gut" aus.


    Mal sehen wie es nach dem auseinanderpressen aussieht, ich bin da auch gespannt.


    Ich mache mir da eher Sorgen, weil das Auto ja so weiter gefahren wird und nun gerade einen frisch gemachten Motor drin hat:rolleyes: aber was willst du machen........

  • Ich fahre unter der Wo auch nur 2..5km (morgens hin, abends rück) und max..gute 5min. Ich versuche aber, pro Wo wenigstens 1x mind. 10-15km am Stück "freizublasen".

  • wie winkelst du Tim?

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  • Im OT und im UT mit einem Anschlagwinkel und dann noch mit Zylinder und Flanschplatte fixiert, mit Kolben ohne Ringe durchdrehen und schaue obs irgendwo "drängelt".


    Gibts da noch eine bessere Methode oder spezielles Werkzeug?

  • nein

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  • Sehr interessanter Beitrag welcher von fundiertem Wissen und Kompetenz zeugt.

    Vielen Dank dafür !!!

    Sehr interessant zu sehen, wie gut ein Zweitakter, mit modernem Öl betrieben, extreme Kurzstrecke verkraftet. Das wäre der sichere Tod eines jeden modernen Diesel.

  • Ich kann mich ebenso nur für die Arbeit hier bedanken, super informativ und wichtig.


    Etwas Produktives beitragen kann ich nicht, das überlasse ich lieber den Leuten mit Fachwissen. Macht weiter so und immer schön viele Bilder einstellen, das hilft fürs Verständnis ungemein :dafuer:

  • Sehr interessant zu sehen, wie gut ein Zweitakter, mit modernem Öl betrieben, extreme Kurzstrecke verkraftet. Das wäre der sichere Tod eines jeden modernen Diesel.

    Äpfel und Birnen Vergleich!

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  • Aber man kann die Schlussfolgerung ziehen, das der Trabantmotor mit den heute verfügbaren Ölen (ich nenne jetzt bewusst keine Marken), schonender und mit weniger Rückständen läuft?

  • Gegenüber dem damals üblichen (ja gerne mit Braunkohleteer in Verbindung gebrachten, qualitativ aber wohl wirklich oft grenzwertigen) Hyzet-Öl ziemlich sicher.

    Quasi jeder Motor 'mit DDR-Vergangenheit", den ich zerlegt habe, hatte deutliche bis starke Ölkohleansätze, nicht zuletzt auch im Mittellagerbereich bei den WE-Wellen. Bei reinen "Westmotoren" war das i.d.R. nicht mehr so. :)

  • Das kann ich so eigentlich bestätigen. Die Öle von heute sind besser. Wichtig in dem Zusammenhang wäre noch die Erwähnung, dass das Öl ein möglichst hohen Flammpunkt haben sollte. Es gibt auch Öle mit niedrigem Flammpunkt, die dann eher für wassergekühlte Motoren geeignet sind.


    Wer nun wissen möchte was er nehmen soll, hier drei Sorten aus dem Handel:


    Addinol (als 405, 406 und Pole Position)

    Motul 800

    Castrol A747


    Für den Alltag hat sich die Sorte 406 von Addinol als guter Kompromiss im Preis/Leistungsverhältnis gezeigt. Für ein Literpreis von aktuell unter 4€, ergibt sich bei einer durchschnittlichen Tankmenge von rund 20 Litern, Kosten von unter 2€ pro Tankfüllung für das Öl.

    Die Öle von Castrol und Motul, sowie das Pole Position von Addinol sind in ihrer Verwendung eher im Motorsportbereich anzutreffen und für einen Serienmotor mit 18, 20, 23 bzw. 26 PS nicht erforderlich.


    Es gibt auch Fahrer die davon in Gänze abweichen. Das kann man hier:

    1:25, 1:33, 1:50, 1:75, 1:100 oder was...die Diskussion um's Thema Gemisch und Öl

    nachlesen.


    (Bitte hier keine Öldiskussion!!! Bitte nur Beiträge die primär Zusammenhänge im Betrieb mit dem Öl darstellen. Ansonsten gibt's den Öldiskussionsthread)

  • Heute einen Motor zerlegt der ohne Zylinder war.

    Von außen sehr sauber, die Schrauben noch golden.


    Drehte gut und sauber ohne auffällige Geräusche.


    Innen dann das...... :



    Wie lange der wohl gelaufen wäre mit ein wenig Öl reinkippen und durchdrehen.......

  • jetzt hast du den berühmten eBay Motor zerlegt.

    "Gelaufen bis zum Schluss, paar Zylinder rauf und der läuft wieder top"


    Aber is schön zu sehen das sauber nix heißt, im Gegenteil. Ich kaufe lieber dreckige ehrliche Motoren, die haben innen wenigstens seltener nen Wasserschaden...

  • Wobei die fehlenden Zylinder sicherlich das Ihre dazu beigetragen haben, den (natürlich vorher schon vorhandenen und absolut typischen) Mittellager-kohlesteinbruch braun einzufärben.

    Ansonsten aber ein glasklarer Beweis für:

    "Vorher Zerlegen ist besser, als nachher beim Fahren zerlegen". ;)