Trabant als erstes Auto? Fragen von einem kompletten Neuling

  • Hallo liebe Forengemeinde,

    mein Name ist Tim, ich bin aktuell 17 Jahre jung und wohne im schönen Sachsen. Kurz erstmal zu meiner bisherigen "IFA-Laufbahn":

    Mit 15 habe ich zum ersten Mal Bekanntschaft mit IFA gemacht, nämlich - wie viele meiner Freunde in dem Alter - mit Simson. Mein erstes Moped war eine S53CX Bj 1991. Damit fahre ich bis heute gerne und sicher und sie hat mich schon bis an die Ostsee gebracht ^^.

    2016 folgte eine KR51/1, die ich über den Winter runderneuert habe. Auch sie läuft bis heute dank Vape einwandfrei und sieht todesschick aus <3.


    Soweit erstmal zu meinen bisherigen Erfahrungen , aber da dies hier ein Trabant-Forum ist, erstmal genug von Mopeds. Mit Ende 17 und bestandenem B-Führerschein macht man sich ja langsam mal Gedanken über das erste Auto. Mein Favorit war ja ein Golf 4, doch ch wurde heute auf die Idee gebracht, einen Trabant als erstes Auto zu fahren. Und was soill ich sagen, dieser Gedanke geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Die Vorteile leigen ja auf der Hand:

    Ich brauche mindestens für die nächsten 5 Jahre ein zuberlässiges Auto. DDR-Technik ist robust und langlebig, außerdem ist die technik einfach und somit könnte ich alles selbst reparieren. Das kenne ich ja bereits von meinen Mopeds.

    Zusätzlich denke ich mal, dass der Unterhalt mit Oldtimer-versicherung ziemlich günstig sein dürfte, was mir als armen Schülerlein sehr in die Karten spielt :D


    Als absoluter Anfänger in dem Bereich tun sich mir erstmal ein paar grundsätzliche Fragen auf:

    Ist ein Trabant überhaupt als Alltagsfahrzeug vor allem heutzutage und für mein Alter geeignet oder ist das Ganze eher eine doofe Idee? Damit meine ich konkret die Motorleistung, die Elektrik und die Zuverlässigkeit. Ich würde ihn dann täglich zum Pendeln (einfache Strecke ca. 25km) benutzen. Könnte er das durchhalten?

    Falls ich mir einen Trabant kaufe, ist es besser, einen Fahrbereiten zu nehmen oder eine Komplettrestauration mit Optiktuning und eventuell! auch Leistungstuning durchzuführen? Falls ja, kann ich das als Neuling überhaupt stemmen?


    Das wars fürs erste mit meinen Fragen. ich hoffe ich hab sie im richtigen Bereich gestellt und dass ihr mir Rat geben könnt :)


    Gruß Heizerling alias Tim

    Dem Ingeniör ist nix zu schwör!

  • Also mein erstes Auto war 1995 auch ein Trabant, ganz ehrlich, würde Ich heute nicht mehr machen als Anfängerauto. Als Hobby oder zusätzliches Fahrzeug natürlich. Einen Fahrbereiten zu kaufen, kann von Vorteil sein, muss es aber nicht, evtl. solltes du einen Trabanterfahrenen mitnehmen, gerade beim Trabant gibt es immer wieder Sachen, die einen unbedarften nicht sofort auffallen, die selbst den Tüv teilweise nicht auffallen.


    Ein gut gepflegter und gewarteter kann schon zuverlässig sein, aber bitte nicht vergessen, es ist und bleibt 60 Jahre alte Technik.

  • Ich sags mal so, Simson ist ein anderes Kaliber (auch finanziell), das Alter des Fahrzeuges ist dir anscheinend bewusst und welche Schwierigkeiten auftreten können kannst du hier im Forum nachlesen. Von Restaurierung oder sogar Tuning würde ich vorerst einmal Abstand nehmen.

    Wenn du wirklich willst, kaufe dir ein fahrbereites Exemplar mit TÜV, nimm beim Kauf fachkundigen Beistand mit und lerne erst einmal die Technik kennen. Alles andere kommt mit der Zeit.

    Falls ja, viel Glück!

  • Hallo,

    das ist halt so ne Sache. Wenn Du bereit bist, mit den Einschränkungen, die sich aus der geringen Motorleistung ergeben, zu leben und bereit bist, ein hohes Maß an Eigenarbeit zu leisten (Werkstatt hat mein Fuhrpark zuletzt in der Mitte der 1990er Jahre gesehen, hat heute keinen Sinn mehr), dann kann das was werden. Biste denn schon mal am Steuer eines Trabis gesessen? Probiere das mal. Ferner ist es halt schwer, ein vernünftiges Exemplar zu akzeptablem Preis zu finden. Viele wollen einem ihre verbastelte, runtergerittene Rostlaube für 2500 EUR aufwärts andrehen. Steuer kostet 153,- EUR im Jahr. Versicherung habe ich gestaunt: Ich habe für Dich mal so ein Vergleichsportal aufgerufen: Wenn Du mit 18 das Auto auf Dich versicherst, kostet der Trabi bei angenommenen 10.000 km Jahresfahrleistung und vorherigem begleitetem Fahren ab 17 mindestens runde 400 EUR im Jahr, der kleinste IVer Golf aber 1.300,00 EUR. Das ginge also zugunsten des Trabant aus. Wenn Du auf Mama/Papa versichern kannst, wirds vielleicht billiger.

    Tatsache ist: Bis ein altes Auto zuverlässig läuft, mußt Du einiges an Liebe reinstecken, denn in aller Regel verkauft niemand seinen perfekt gepflegten/gewarteten und wöchentlich bewegten Trabant, sondern Du bekommst irgendeinen Scheunenfund, der ewig rumgestanden hat oder einen rasch über die (einäugige bis blinde) HU geprügelten Blender, an dem sofort, wenn Du vom Hof bist, die ersten Ausfälle auftreten. Als ich meine Autos gekauft habe, da wurden die noch normal gefahren, entsprechend normal war auch der Zustand. An so ein Fahrzeug kommt man heute kaum noch ran.

    Fazit: Wenn Du Dich für einen Trabant (oder ein anderes Auto aus der automobilen Steinzeit) entscheidest, entscheidest Du Dich für ein Hobby, das den Nebennutzen hat, daß man damit auch noch fahren kann. Meistens jedenfalls :-) Du entscheidest Dich nicht für ein ganz normales Auto, an dem man nebenbei auch noch schrauben kann, das wären dann eher die 90er Jahre Gölfe, Opels usw.

    Viel Erfolg!

    Rolf

    Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.

    Edited once, last by Marlene ().

  • Unseren drei Jungs haben wir keinen Trabant als Erstauto hingestellt.

  • Unseren drei Jungs haben wir keinen Trabant als Erstauto hingestellt.

    Kann ich gut verstehen. Wenn ich mir (als inzwischen selber Vater) in Erinnerung rufe in welche Situationen ich mich damals mit den Trabant (als Erstauto) manövriert habe. Danke nein.

    1. gibt es heute billigere Möglichkeiten zum rumfahren (halbalter Japaner) oder ähnliches und

    2. seh ich den Sicherheitsaspekt. Es ist halt, an heutigen Massstäben gemessen nur ne Pappschachtel mit welcher du dann täglich und bei jedem Wetter zwischen den heutigen 2 Tonnen Kisten unterwegs wärst,

    das als Anfänger-nun ja.

    3. Zuverlässigkeit ohne Grundsanierung (welche wieder teuer ist).

    Du scheinst täglich auf dein Auto angewiesen zu sein, da würde ich keinen Trabant wählen. Könntest du notfalls aufs Fahrrad umsteigen-ok, aber so....

  • Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. nicht um den Trabi schlecht zu reden, oder dir das technische Verständnis in abrede zu stellen, aber die Technik ist nicht für alle einfach beherrschbar. Es gibt viele Stolperfallen, die dann richtig ins Geld gehen. Ein weiteres Problem sehe ich, in dem immer dichter werdenden Verkehr. Heute lernen Anfänger auf ganz anderen Fahrzeugen wie früher, ABS, Servo, Klima, zig Airbags, Parkpiepser etc . So nun setzt du dich in einen Wagen, der nix davon hat. Wir ältere haben Fahrerfahrung, gelernt auf Autos ohne diese Technik. Da haben wir Übung über viele KM gewonnen. Zusätzlich zum Alltagsauto ist auch für Anfänger ein Trabi ein tolles Auto, da kann man Technik noch erfühlen, schrauben und begreifen. Ein Golf 4 hat ab EZ 2000, sogar ESP Serie unser 2003er sogar 6 Airbag. Das ist als Alltagsfahrzeug auch heute noch brauchbar.


    Ausreden möchte ich dir einen Trabi nicht, bedenken solltest du das aber. Und Hilfe beim Kauf kann ich nur empfehlen. Was ist dein geplantes Budget?


    Ralle

    wenn's gekracht hat.... RS Sachverständigenbüro Göttingen


    ...wir bringen ihr Auto ins rollen... RS Automobile Göttingen

  • Danke erstmal für eure zahlreichen und schnellen Antworten. Hätte ich nicht erwartet :D

    Das Fazit klingt erstmal ein wenig ernüchternd. Aspekte wie Sicherheit oder mangelnde Leistung plus viel Hinwendung dürfen nicht vernachlässigt werden. Und doch hätte ich schon Lust auf das Projekt Trabant.

    Ich meine als ich mit 14 meine erste Simson hatte, war ich auch komplett neu in der Materie und jetzt hab ich mir mein zweites Moped schon allein aufgebaut. Und bis ich das Auto wirklich brauche, ist es ja noch bis Oktober 2018 hin. Für ne Auffrischung ist also Zeit da.

    Und ich meine, wenn er doch mal streiken sollte, hab ich ja immer noch meine Mopeds ^^

    Ich werde wohl mal schauen, ob ich zeitnah mal mit nem Trabi fahren kann um mal ein gefühl für das Fahren zu bekommen. Dann kann man ja mal weiter sehen.

    Als Fahranfänger und (hoffentlich baldiger) Student muss ich die ganze Sache aus der finanziellen Sicht aus betrachten. Dazu würde mich noch der Verbrauch, der Tankinhalt und ungefähre Wartungskosten interessieren.
    Ich hab mir nach dem Lesen der Kaufberatung mal Gedanken über das mögliche infrage kommende Modell gemacht. Sinnvoll wäre wohl eine 601er Limosine ab Bj 1984. Dann habe ich schon den stärkeren Motor, eine bessere Heizung, kann mit 1:50 fahren und habe ne Elektronikzündung drin. Allerdings sollen die Baujahre auch die rostigsten sein. Heisst also, dass ich früher oder später alles neu lackieren und die Karosserie konservieren kann. Vorteil ist hier, dass ich dann meinen Trabi zu einem echten Hingucker machen könnte. Ich hab übrigens gute Erfahrungen mit Pulverbeschichtung gemacht. Bietet sich das an oder doch lieber Lackierung?

    Dann müsste ich wahrscheinlich noch den Motor und vielleicht noch die Elektrik überholen.

    Was würden denn mit Anschaffung für Kosten da auf mich zu kommen, mal über den Daumen gepeilt?

    Komme ich langfristig finanziell besser, als wenn ich Z.B einen Golf IV kaufe, Versicherung und laufende Kosten mit eingerechnet?

    Denn die Finanzen sind wohl der Punkt, mit dem es steht und fällt. Denn vor den notwendigen Arbeitsstunden graut es mir nicht und ich scheine hier ja auch tatkräftige Unterstützer und Kenner gefunden zu haben :D


    Gruß Heizerling

    Dem Ingeniör ist nix zu schwör!

  • Ich finde deine Vorstellung hier recht gelungen. EIn junger Mann der in der Lage ist ganze Sätze zu bilden und auf Groß- und Kleinschreibung zu achten ist mir sehr symaptisch.

    Einziger Wehrmutstropfen, die Frage nach Alltag usw. wäre dir durch etwas suchen beantwortet worden. Das Thema gibts im Bereich Gemischt recht ausführlich.


    Um es relativ kurz zu machen, bei deinen Grundvoraussetzungen solltest du das Thema erstmal mittelfristig nach hinten schieben. Für dich ohne tiefe Kenntnisse des Fahrzeuges, ohne die ausreichenden finanziellen Mittel, ohne großen Teilevorrat, ist das Thema Alltag vorerst abgehakt.

    Wie schon erwähnt wurde ist das bei Simson eine andere preislich Basis. Beispiel: Was kostet ein regenerierter Motor bei Simson? Beim Trabant sind aktuell ab 1000€ aufwärts aus seriöser Quelle.


    Das Thema Versicherungen habe ich gerade mit meiner Tochter (18 Jahre jung) durch. Meine Versicherung bietet eine Youngdriver-Police für Fahranfänger an. Diese schließt meine Tochter ab und zahlt so 300€ Jahresbeitrag und sinkt gleichzeitig in der SF-Klasse. Damit dafr sie dann alle meine Fahrzeuge fahren, ohne das ich extra einen Fahranfänger mit angeben muß.

    So konnten wir die monatlichen Versicherungskosten für ihren Polo von 115€ auf 50€ bringen.


    Ich empfehle dir unbedingt den Golf IV den du ins Auge gefasst hast. Der ist grundsolide, wartungsarm, zuverlässsig und die Wartungskosten sind sehr moderat dank Massenauto.

    Vergleich:

    Bremse Golf IV Scheiben/Steine vorn und hinten Marke ATE 150€

    Trabant Bremse Trommeln, Backen, RBZ 215€ Marke NoName


    Wenn dann in der Freizeit noch Geld und Zeit übrig ist, einen Trabant kaufen der nicht der Allerbeste ist aber vielleicht für den Anfang ohne große Schweißarbeiten (ja auch das ist nicht unbedingt einfach) und dann nach und nach in die Materie einfinden.

    Glaube mir, du möchtest so wie deine Situation ist, nicht auf einen Trabant angewiesen sein.

    Und für alle die meinen es geht doch, ja klar irgendwie schon aber schön ist anders. Wäre heute noch 1991, hätte ich auch gesagt, ja mach unbedingt, billiger kann man nicht Auto fahren. Trabis für 50 DM mit einer Garage voll Neuteile und alles an Erssatzteilen findet man teilweise umsonst im Müll oder wird einem billigst um die Ohren geschmissen.


    Heute ist aber 2017, der Trabant ist ein Oldtimer bei dem man sich durch die lange Produktionszeit auch noch aussuchen kann ob echt mit Nachkriegstechnik oder modernisiert durch über 30 Jahre Produktioszeit.

    :)

  • Hallo,


    ich fange mal kleiner an: Der Trabant als alleiniges Alltagsauto.

    Mit dem Gedanken habe ich nämlich auch bereits ernsthaft gespielt, wobei meine Voraussetzung war, meinen derzeitigen Schönwetter-Trabant zu behalten und mir noch einen Kombi für den Alltag dazu zu holen. Und den Ford Focus weggeben.


    Die Sache hat einen großen Reiz, weil ich auch vollkommen fasziniert von der urigen Technik bin. Das zieht sich bei mir aber durch den gesamten Haushalt samt Fachwerkhaus. Insofern ist die Schmerzschwelle sehr hoch.


    Zwei Punkte sprachen mir zu sehr dagegen:

    - Mein täglicher Arbeitsweg von 50km pro Strecke mit hohem Autobahn-Anteil


    - Die Wintertauglichkeit der Heizung


    Abgesehen davon hat meine Frau Terror gemacht, aber das hätten wir schon hinbekommen ;-)


    Ansonsten muss ich sagen, dass ich dieses Jahr sehr oft mit dem Trabi auf Arbeit usw. gefahren bin, weit über 5000km insgesamt. Und die Saison dauert noch bis Ende des Monats.

    An Wartung war es lediglich 2 mal Abschmieren von Schwenklagerbuchsen und Lenkgetriebe, einmal Nachspannen des Keilriemens, einmal Kontrolle der Zündkerzen und etwas Gebastel aufgrund undichten Schwimmernadelventils. Am Anfang des Jahres hatte ich noch alle Radbremszylinder gangbar gemacht und mit Bremszylinder-Paste versehen, sowie im Sommer den Unterboden abgekärchert und mit FluidFilm eingenebelt. Ansonsten hab ich keine Zeit weiter investieren müssen.

    Pannen: Keine.

    Verbrauch: Zwischen 6,7 und 6,9l/100km.

    Steuern wurden bereits genannt (ohne H-Zulassung).

    Versicherung ist im Vergleich zu den anderen Autos in der Familie spottbillig (allerdings nur Haftpflicht).


    Ersatzteile sind nach wie vor verglechsweise günstig, auch wenn die Preise deutlich angezogen haben. Dennoch sind die Verschleißteile bei keinem anderen Fahrzeug so preiswert zu haben, man muss sich manchmal halt ein wenig umsehen.


    Ich würde den Trabant als Resumee dazu also nicht ausschließen, aber man muss schon etwas schmerzresistent sein und sich im Winter etwas einfallen lassen. Da muss der Trabi auch sehr gut konserviert sein!

    Und als Anfänger ist es natürlich noch etwas schwieriger zu sehen.

    Da würde ich eine gute Basis kaufen und mir erstmal ein paar Monate Zeit lassen, um mich mit der Technik vertraut zu machen und das Fahrzeug kennen zu lernen.

    Das Fahren des Trabant ist entgegen mancher Aussagen allerdings keine große Herausforderung. Schafft sogar meine Frau. ;-)


    Am besten wäre natürlich, wenn man zwei fahrbereite Fahrzeuge hätte, denn so kommt kein Frust auf, wenn doch mal etwas größeres ist. Aber aus finanzieller Sicht ist das natürlich Unsinn.


    Die passive Sicherheit ist natürlich noch ein Aspekt, der nicht gerade für das Auto spricht.


    Die Entscheidung muss man selbst treffen. Ich denke, hier sind allerhand wichtige Aspekte zusammengetragen worden.



    Ach ja, fast vergessen: Herzlich willkommen im Forum und danke für die gelungene Vorstellung!



    Gruß

    Benjamin

    Fährt und schraubt gern IFA *Simson S50B1* *Schwalbe KR51/1* *Trabant 601 LX '88* :love:

  • Diese Diskussion führen wir ja nicht das erste Mal. Und immer wieder haben wir festgestellt, dass sich die Trabantfahrerszene in den letzten 15 Jahren deutlich geändert hat. Was man davor noch für wenig Geld bekommen konnte und zum Teil einfach nur runter- und kaputtgeritten hat, hat Tim oben geschildert. Klar kann man immer noch einen Glücksgriff machen und die Teilelage ist immer noch gut. Die Preise für Fahrzeuge und Teile steigen allerdings stetig und schnell. Außerdem wandelt sich der Trabantstatus "Kult" (würg!!) mittlerweile in "Oldtimer". Das steigert eher noch die Beleibtheit dieser Fahrzeuge und damit auch die Preisvorstellungen der Angebotsseite.

    Und bei Oldtimern ist es in der Regel so, dass man zu günstigen Preisen keine TÜV-fertigen Exemplare mehr bekommt. Wenn ich das richtig beobachtet habe, fangen da die Preise zwischen 2000 und 2500 EUR an. Und selbst bei einem solchen Preis hat man keine Garantie, dass es zB bei einem "Blender" nicht zu teuren Ausfällen kommt und man sogar dazu gezwungen ist, eine Restauration durchzuführen.

    Alltagstauglich, wie zB bei einer täglichen Strecke von 50 km, ist der Trabant bei Inkaufnahme der oben beschriebenen technisch bedingten Einschränkungen schon. Das weiß ich aus knapp 15 Jahren Nutzung meines aktuellen Exemplars. Aber ich fahre ihn auch nicht im Winter und habe natürlich noch andere Fahrzeuge. Auch muss man damit rechnen, dass nötige Reparaturen Zeit und Geld Kosten, auch ohne Werkstatt.


    Auf der anderen Seite muss jeder mal mit einem solchen Hobby anfangen. Wir haben bei uns im Club einen 17jährigen, der sich bereits einen zuverlässigen Trabanten zurechtgemacht hat. Er ist hier auch Mitglied. Wenn er hier mal mitliest, kann er Dir evt. mal vorrechnen, was er so alles an Zeit und Geld hineingesteckt hat. Letztendlich ist aber die Idee, erstmal mit dem Golf anzufangen und dabei den Trabanten nicht aus den Augen zu verlieren, mMn die beste.

  • Ersatzteile sind nach wie vor verglechsweise günstig, auch wenn die Preise deutlich angezogen haben. Dennoch sind die Verschleißteile bei keinem anderen Fahrzeug so preiswert zu haben, man muss sich manchmal halt ein wenig umsehen.

    Der jüngsten Diskussion folgend bitte ich nicht außer acht zu lassen, dass z.B. Teile von Motoren (Kolben usw.)und auch Teile des Getriebes mittlerweile rar und/oder teuer und teilwiese qualitativ nicht vergleichbar sind.

    Beispiel: Einen Golf 1.6 fahre ich relativ problemlos bis 300.000km ohne dabei in die Basis des Motors einzugreifen (vermutlich bei guter Pflege auch deutlich länger).

    Bei Trabant muß/sollte bei 60.000km der Motor revidiert werden. Man schafft vielleicht auch 80- oder 100.000km, hat aber dabei u. U. das Material über die Verschleißgrenze gefahren und zum Teil damit unüberholbar, sprich schrott gemacht. Kaufe ich die Teile selber und überhole den Motor in Eigenregie, so können 600€ an Material reichen. Muß ich den Motor kaufen, so rechne ich mit 1000€.

    Ich muß also um auf die vergleichbaren 300.000km zu kommen ca. 3-4000€ einplanen nur um den Motor am laufen zu halten.


    Und bei 50km am Tag für die Arbeit plus Fahrten zum Einkaufen/Freizeit etc p.p sind im Jahr rund 10-15tkm, so das man nach 4-6 Jahren den ersten neuen Motor am Trabant braucht, immer vorausgesetzt er hat keine vorzeitigen Ausfälle und hält min 60.000km schadfrei durch.



    Hier das erstbeste Beispiel aus Mobile. 1.6er Golf, HU neu, 117tkm vom Händler, also mit Anfangsgarantie.

    https://suchen.mobile.de/fahrz…Id=C&action=topInCategory


    Nun suche einen Trabant 601 für 2500€ mit neuer HU und ohne technische Mängel wo du im ersten Jahr nichts machen mußt außer fahren, vielleicht sogar mit Gebrauchtwagengarantie? ...........viel Spaß :)

  • einer von unseren Cowboys nutzt den Trabant täglich. Es ist sein erstes und einzigster Auto. Vor 5 Jahren haben wir den aus einem Garten gezogen und für 400 Euro übernommen. 300 Euro waren für den TÜV nötig. Seit dem wird das Auto täglich zwischen 40 km (Arbeit) und 100 km (Berufsschule) bewegt. Reparaturen gibt es wöchentlich. Mittlerweile hat er den 4. Motor verbaut und erst der aktuelle ist ein neu Aufgebauter. Die ersten 2 Jahre war er auf die Hilfe von uns Cowboy's angewiesen, da einfach die Erfahrung fehlte. Mittlerweile kann er alles, auch ohne Hilfe. Er ist auf jedem Teilemarkt zu finden, auf Suche nach günstigen und guten Ersatzteilen. Er hat sich ein stattliches Lager eingerichtet und dafür extra eine Garage gekauft. Vor jedem TÜV sind Schweißarbeiten angesagt, die wir selbst erledigen. Wirklich wirtschaftlich ist das nicht, aber er liebt den Trabant und ist lern - und wissbegierig. Er möchte kein anderes Auto, ist kein Kfz Mechaniker und ist im Hobby leidenschaftlich. Also möglich ist es, aber einfach sicher nicht.

  • Also möglich ist es, aber einfach sicher nicht.

    Das hat nie einer bestritten:top: Aber der Student sollte sich lieber auf das studieren konzentrieren und sich nicht jede Woche aufs neue Sorgen machen wie er nächste Woche in die Uni kommt:grinsi:

  • Hier das erstbeste Beispiel aus Mobile. 1.6er Golf, HU neu, 117tkm vom Händler, also mit Anfangsgarantie.

    https://suchen.mobile.de/fahrz…Id=C&action=topInCategory


    Wenn es der Golf dieses Händlers sein soll, dann doch lieber nen Trabant. ;)


    "freistaates Sachen" ...da hätte ich ein richtig gutes Gefühl beim Kauf... :wacko:


    Aber grundsätzlich kann bei allem mit Golf IV-Plattform sicher nicht sooo viel falsch machen...ob da hinten nun Bora, Octavia, Leon, A3 oder TT steht - es ist alles eine Soße. New Beetle müsste auch dazugehören und bei Opel und Ford bekommt man fürs gleiche Geld alles eine Generation moderner...

    Standard. weniger ist mehr.

    Suche Kastenschürze für den W311.

    Suche NSD für den P601 Export.

    Suche Simson Spatz im Erstlack: nur mit DDR-Papieren, Original-Motor und -Rahmen.

    Suche Innenausstattung grau oder rot für P50/0 Standardausführung.

    Suche P50 Felgen von 6/59.

    Edited once, last by toppimoppi ().

  • WIe geschrieben.... das war das erst beste Beispiel. Günstiger und genauso haltbar bekommt man auch einen G-Astra mit dem guten alten 1.6 und 75 PS. Einen Locus möglicherweise auch, aber da stehe ich nicht so gut im Stoff. Wenn man da nicht so selbstbeschränkt ist, würde auch ein Corolla gehen, die Dinger sind nahezu unzerstörbar.

  • Mein "Locus" hält auch schon lang ;(


    Nee im Ernst, mein Corolla Kombi (weils ein Kombi ist) stammt aus Belgien und ich habe vor ihn zu fahren bis an sein Ende (wirtschaftlich oder Leben...schaun wir mal) und Corolla Kombi ist nach wie vor meine erste Wahl (fast 11 Jahre alt).

    Bei den anderen Corollas (BJ 2002 bis 2007) wäre ich nach Aussage meines Dekramenschen vorsichtiger (der sagt das die belgischen Kombis ein ewiges Leben haben), da hilft nur einarbeiten in die Materie.

  • Bin mit meinem Felicia auch sehr zufrieden :)

    Viele Menschen wurden dazu erzogen, nicht mit vollem Mund zu sprechen. Aber sie scheuen sich nicht, es mit leerem Kopf zu tun (Orson Welles)

  • Hallo Heizerling

    Vor zehn Jahren stand ich im selben Alter wie du vor derselben Frage.

    Ich entschied mich für den Trabi.

    Das erste Jahr (also bis zum Erlangen des Führerscheins (in der CH erst mit 18 möglich) verstrich mit Reparaturen, die mein Vater und ich gemeinsam erledigten. Nicht immer fachgerecht - wie ich heute weiss - aber wir wussten es nicht besser und wir haben den MFK-Termin (TüV/Dekra in der Schweiz) überstanden und bestanden. In der Fahrschule fuhr ich mit dem Mercedes des Fahrlehrers, zu Hause übte ich auf meinem 601er, Bj. 77 mit 6 Volt Unterbrecherzündung.

    Meine ersten 10'000 km waren geprägt von Pannen und Problemen. Erstens weil der Trabi lange stand, zweitens weil er "verbraucht" war und drittens weil mir die Erfahrung und das Wissen für kompetente Reparaturen fehlte.

    Als erstes benötigte ich einen neuen Motor, gefolgt vom Vergaser, der Lichtmaschine, dem 6-Volt-Regler für die Lichtmaschine und sonst fast allem, was man als Verschleissteil bezeichnen kann. Was kein Verschleissteil ist, ging kaputt, weil ich es nicht besser wusste.. Ich schraubte nachts auf Parkplätzen, stand mit verstopftem Benzinhahn auf der Standspur der Autobahn oder kam mit dem Abschleppservice nach Hause..


    10 Jahre später habe ich viele Erfahrungen gesammelt und erledige meine Arbeiten am Trabi fachgerecht(er)..

    Seit drei Jahren besitze ich einen Kombi, Bj. 85. Gleich nach dem Kauf habe ich die ganze Mechanik überholt.

    Motor, Vergaser, Getriebe, Bremsen, Auspuff, alles neu. Mein Trabi läuft zuverlässig, wir haben schon mehrere Reisen (mehrere tausend km in 14 Tagen) mit ihm gemacht. Ohne Probleme. Ich würde sagen, er wäre alltagstauglich.

    Was mich davon abhält:

    - Winter: Hierzulande wird stark gesalzen. Ich möchte ihn nicht rosten sehen, deshalb fahre ich ich Winter nicht.

    - Ersatzteile: Ich fahre fast ausschliesslich Teile aus DDR-Produktion. Diese werden immer weniger. Ich möchte diese Teile also nicht schneller verschwinden lassen als nötig.


    Fazit:
    Ich bereue es kein bisschen, mit 16 den ersten Trabi gekauft zu haben. Es ist eines der wundervollsten Hobbys! Allerdings war ich (abgesehen von drei Monaten) nie auf ihn angewiesen - was in den Anfangsjahren gut war! Im Alltag fahre ich bis heute mit Bahn, Bus und Tram zu meinen Verpflichtungen.


    Meine Frau fährt im Alltag einen Hyundai Getz. Den haben wir gratis bekommen, sonst wäre er in den Export gegangen. Der jährliche Unterhalt verschlingt ein paar Batzen, er läuft aber im grossen und ganzen zuverlässig. ABER: Wir haben mehr Reparaturen an ihm als ich am Trabi habe.. ;-)


    Letztendlich musst du pro und kontra abwägen und dann selber entscheiden. Jede Entscheidung wird Konsequenzen haben, sowohl positive als auch negative. Mit welchen du besser leben kannst, weisst nur du. Diese Entscheidung nimmt dir niemand ab.


    Liebe Grüsse und viel Freude im Pappenforum!

    Matthias

  • Ich würde es machen. Ich gebe meinen Vorrerdnern z.T. recht dennoch bin ich bisher nie ein so günstiges und zugleich charmvolles Auto gefahren wie den Trabant. Ich fahre derzeit einen Volvo V70 I TDI und auch für den sind alle Teile relativ günstig aber es ist eben auch mehr dran. Fensterhebermachanik, Servo, Niveaumaten usw., Teile die ins Geld gehen. Für die 1000€ für die ich einen Trabant-Motor regenerieren lassen kann habe ich an einem modernen 4 oder in dem Fall 5 Zylinder nichts gekonnt. Habe eben in Eigenleistung beide Zahnriemen inkl. diverser Dichtungen und Ventildeckel sowie Nebenaggregate-Teile etwa um dei 1000€ ohne Arbeitslestung gelöhnt und das nur über günstigste Preise. Und das ist nicht das Ende der Fahnenstange. Mein werter Herr Vater hatte einen Golf IV mit diversen Problemen wie Airbag, ZV usw. Das geht schnell ins Geld in der Werkstatt und kann einen arm machen, denn jedes Kleinteil kostet! Beim Trabant gibt es die eben nicht und Hand aufs Herz es macht auch einfach Spaß. Ich bin unbedacht lange 601 gefahren und will es vermutlich bld wieder tun....weil mich diese moderne Scheiße nervt, teuer ist und Zeit raubt. Und ich bin viel gefahren, 80km am tag zur Arbeit, 1400km ins Berufsschulinternat nach Freiburg....das alles mit dem Trabant in der Lehre und in 2008-2013. Nie eine Panne und nie mein Konto überreizt...jetzt jeoich als Facharbeiter mit nem soliden 2.5TDI schon sehr finanziell ausgedünnt. Nächsten Sommer hole ich den KS raus und der Schwede geht weg, genug von Klimaautomatik, feinpräzisonierten Karosserieteilen und allem Müll. Ich drück dir die Daumen und wenn du das echt willst gibts da auch keine Frage.