601 stand 7 Jahre,....jetzt gibts Probleme

  • Hallo Forum-Gemeinde,


    kurze Geschichte zur Info: Mein Opa hat sein 601 vor 7 Jahren in Garage gestellt und nur die Batterie abgeklemmt, sonst nichts. Natürlich war der Sprit vergammelt und die Reifen platt. Nun wollte ich ihn mal aktivieren und nach und nach restaurieren. Das Teil ist von 1974!!! Nun zu meinen Problemen:

    • Der Motor dreht sich schwer! Ich hatte das Getriebe und das Triebwerk komplett draußen und stellte fest, das der Motor sich schwer drehen läßt. Auf raten eines Nachbarn habe ich mir mal das Getriebe angeschaut, jedoch läuft da alles bestens, soweit ich das beurteilen kann. Als ich das ganze Zeug wieder eingebaut hatte und einfach mal versucht habe zu starten, hat der Anlasser richtig zu tun gehabt, sodass er sogar richtig heiß wurde. Wenn man nun am Lüfterrad dreht, geht das auch sehr schwer! Woran liegt das und was kann ich tun? Keilriemen, Zündkerzen, Kabel mit Zündkerzestecker sind neu. Vergaser habe ich auch zerlegt und gereingt, neuen Schwimmer rein und auch die große Dichtung (Deckel Schwimmergehäuse) ist neu.
    • Wie in Punkt eins schon geschrieben, habe ich mir einen Dichtungssatz für den Vergaser geholt und habe auch fast alle Dichtungen gewechselt. Nun ist jedoch das Schwimmergehäuse undicht, trotz neuer Dichtung. Da kann man doch eigentlich nichts falsch machen,....aber anscheinend doch!! Ich habe mitlerweile die Schrauben richtig angeknallt, aber auch das hilft nichts! Dadurch das ich das Teil fast komplett zerlegt hatte, habe ich natürlich auch einige Schrauben verdreht. auf was muss ich hier achten?
    • Was muss ich sonst alles beachten bevor ich den Trabi starte? Wie stellt man die Zündung ein und wie kann man messen ob die Zündspulen in Ordnung sind?


    Ich danke euch für eure Mühe,.... und der Trabi wird sich auch freuen!!



    Ps: Bekommt ein Trabi Bj 74 ein "H" Kennzeichen wenn alles Original bleibt??

  • Im Motor ist wahrschenlich das Öl vom Benzin welches sich noch im Brennraum und an den Zylinderwänden verharzt.

  • Also erstmal eine grundlegende Frage: Hast du schonmal am Trabi oder sonst irgendeinem Auto rumgeschraubt, bzw. hast du Ahnung von der Materie oder glaubst du Ahnung zu haben?
    Bitte nicht falsch verstehen, aber bei Sachen wie Motor oder Getriebe kann man schnell etwas falsch machen und das wird dann meist nicht billig.


    Wenn der 7 Jahre stand und der Motor schwer geht, bzw. der Anlasser trotz neuer, frisch geladener Batterie schwer dreht würde ich den Motor mal zerlegen. Alleine schon der Grundreinigung wegen, wer weis was damit vorher schon alles geschehen ist.


    Und ja, soweit alles original ist solltest du eigentlich ein H-Kennzeichen bekommen. Kommt aber eben immer auf den Prüfer an, manchen wollen dies, andere wollen das.

  • Ich denke, selbst wenn der Motor anspringen täte, wäre das nur ein Spaßmoment, der nicht von Dauer sein wird. Das fängt mit (wie beschrieben) mit verharztem Öl an und hört mit verrosteten Kolbenringen und Lagern auf.
    Wenn der Vergaser "undicht" ist, bedeutet es sicher, dass das Schwimmergehäuse wegen eines nicht schließenden Schwimmernadelventil überläuft. Oder der Schwimmer wurde zum Taucher.


    Ich würde Dir empfehlen, für den Trabi einen "Heil- und Kostenplan" aufzustellen: In welchem Zustand ist die Karosserie, wie stelle ich mir die Nutzung vor und welche Arbeit musst hinein gesteckt werden, um diesen Zweck nachhaltig zu erfüllen? Will ich das leisten (bezahlen)?
    Wenn die Karosserie HU-fähig ist, würde ich den Motor ausbauen und auf die Suche nach der Schwergängigkeit gehen und diese fundiert beseitigen. Das dürfte zu nachhaltiger Freude führen.

  • Vielen Dank schonmal für eure Antworten. Ich habe nun den Motor zerlegt, also zumindest soweit wie es im eingebauten Zustand möglich ist. Was ich nun festgestellt habe, das ist, das die Kolben sehr schwer liefen, was tatsächlich an den Kolbenringen liegt. Die sind total vergammelt und waren fest. Die werde ich jetzt mal neu machen, neue Dichtungen und dann ein neuer Versuch.


    Am Vergaser funktioniert alles, also zumindest das Schwimmergehäuse und das Schwimmernadelventil, denn das ist auch schon neu!


    Ist es normal das die Kurbelwelle und die Lager von den Kolben nicht geölt werden, denn wenn ich mir das so von oben anschaue, dann sehe ich nur Wüste. Die Lager wo die Kolben befestigt sind waren auch ziemlich schwergängig!


    Die Karosse ist in einem annehmbaren Zustand, nix was wild ist und was geschweißt werden muss. Klar, ein paar Rostflecken sind vorhanden, aber Sandstrahler, Schrubbscheibe und Spachtelmasse reichen da aus. Das einzige was mir Sorgen bereitet, das ist die Dachrelling. Dort ist schon ein bißchen mehr weggegammelt. Mal sehen wie ich das löse.

  • Stelle mal bitte ein paar Fotos ein, damit kann man so etwas viel besser beurteilen. Hier sind sehr viele Leute mit Erfahrung in solchen Dingen unterwegs.


    Klicke dazu unten auf "Erweiterte Antwort" und dann auf "Dateianhänge".

  • Wird gemacht,... leider aber nicht mehr heute.


    Noch eine Frage zur Zündung: Da ich ja nun Keilriemen neu gemacht und den Motor halb zerlegt habe, was muss ich denn "bevor" ich starte wegen der Zündung beachten? Gibt es Grundlegendes bzw. wie stelle ich die Zündung ein?

  • aber Sandstrahler, Schrubbscheibe und Spachtelmasse reichen da aus.


    Willst du Rostlöcher zu spachteln?

    Jetzt wo ich tot bin ist alles soviel leichter,
    ihr müsst alle aufstehen und ich schlaf einfach weiter.


    Nicht lange raten, recherchieren! Original-Trabant.de

  • wenn die Kolbenringe und Nadellager schon so schwergänging sind ,was glaubst Du wie dann die Lager der KW aussehen.
    Mach den Motor auf und schau nach was los ist , alles andere ist nur Murks.

  • Was heißt "schwergängig"? Lager sind blanker Stahl, da braucht es nur Luftfeuchtigkeit und wechselnde Temperaturen und es rostet, was das Zeug hält.
    Mit Sandpapier an Laufbuchse und Kolbenringen macht man die Sache auch nur schlimmer. Rost trägt auf. Beim abrubbeln hinterlässt Du in gesundem Material Riefen und der Sand zerstört anschließend den Rest.
    Wo noch etwas zu retten ist, mache ich es mit einer gehärteten Klinge. Die trägt in erster Linie Rost ab. Bei Kolbenringen besteht die Gefahr von Lochfraß. Anschließend brechen sie wie Glas.
    Statt Stahlbürsten nehme ich nur Messing.
    Wenn der Motor von 74 ist könnte der Motor noch Bronzebuchsen im oberen Pleuel haben. Die sind bei langer Standzeit nicht so rostanfällig. Ansonsten zerlegt es den Kolbenbolzen. Aber die unteren Lager kannst Du kaum kontrollieren, ohne den Motor komplett zu zerlegen. WENN Du einen Startversuch unternehmen willst, solltest Du die erste Vergaserfüllung richtig gut mit Öl anreichern und den Motor ohne Zündkerzen durchdrehen lassen: Leerlauf einlegen und mit dem Schraubendreher Anschluss 30 und 50 (Batterie-plus zu dem dünnen Anschluss) überbrücken. Dann zieht er sich das Öl in den Kurbeltrieb. Sicher wirst Du hier und da den Tipp hören, Öl in die Kerzenbohrung zu geben. Da hast Du nichts weiter, als eine Ölpfütze im Auspuff oder im Kurbelgehäuse.
    Du musst allerdings damit rechnen, dass die Kurbelwelle in naher Zukunft schlapp macht.

  • Anne: Ich spachtel natürlich nicht direkt auf den Rost. Er wird gründlich entfernt und dann wird die Karosse gespachtelt.


    V603: Vielen Dank, das sind doch schon einmal ein paar brauchbare Tipps. So etwas liest man natürlich in keinem Handbuch.



    Habe soeben neue Kolbenringe bestellt,....natürlich habe ich vorher die Bohrungen vermessen. Nun, da ich eh auf Teile warten muss, werde ich den Motor nochmal rausholen und zerlegen. Mal sehen was mich erwartet!!

  • @V603 fettes Gemisch in der Schwimmerkammer bringt nicht viel. Man gibt einen kräftigen Schluck Öl ins Vergaserknie und startet. Ist hier aber auch unangebracht, wenn sich nichts mehr so richtig dreht.

  • Anne: Ich spachtel natürlich nicht direkt auf den Rost. Er wird gründlich entfernt und dann wird die Karosse gespachtelt.


    Na dann isser alles kein Problem. Frag mich warum dann immer so ein großes Tamtam um´s Karosse schweißen gemacht wird...



    Habe soeben neue Kolbenringe bestellt,....natürlich habe ich vorher die Bohrungen vermessen. Nun, da ich eh auf Teile warten muss, werde ich den Motor nochmal rausholen und zerlegen. Mal sehen was mich erwartet!!


    Steht das Maß nicht auf den Kolben drauf?

    Jetzt wo ich tot bin ist alles soviel leichter,
    ihr müsst alle aufstehen und ich schlaf einfach weiter.


    Nicht lange raten, recherchieren! Original-Trabant.de

  • Tut es, hat aber wenig mit der Spannung der Ringe zu tun ;-) ich würde erstmal alles zerlegen und mit mutmaßen aufhören.

  • Wenn man das hier so liest, kann man direkt Angst bekommen... 8o


    @kolze
    Sorry daß ich es so sage - aber bis jetzt hast Du alles verkehrt gemacht was man verkehrt machen kann.


    Fehler 1:
    Versuchen, einen alten Motor zu starten, der jahrelang gestanden hat und obendrein schwer dreht.
    Damit ruiniert man Zylinderlaufbuchsen und Lager.
    Den hättest Du erst zerlegen sollen - und zwar ohne ihn zu starten.


    Fehler 2:
    Motorzerlegung in eingebautem Zustand. So wird das nichts - der Motor muß 'raus.


    Fehler 3:
    Unterschätzung der Karosserie...wenn dort Löcher sind, muß geschweißt werden und nicht gespachtelt.
    Schau mal hier im Forum durch die Restaurierungsberichte, wie viel Aufwand da betrieben wird um das Thema Rost. Strahlen, schweißen, lackieren und hohlraumversiegeln sind alles notwendige und auch finanziell aufwendige Dinge, die man nicht einfach weglassen kann.


    Fehler 4:
    Angefangen ohne Grundkenntnisse. Was Du so an Fragen stellst, steht zum größten Teil in den Handbüchern zum Trabant. Diese Lektüre ist Pflicht - und es gibt sie auch kostenfrei im Internet: www.trabitechnik.com


    Du solltest versuchen, die Fehler jetzt auszubügeln indem Du Schritt für Schritt durchgehst und Dir erstmal Kenntnisse anliest und ggf. Hilfe von erfahrenen Trabantschraubern holst, die schon wissen was sie tun und von denen Du beim Über-die-Schulter-schauen vieles lernen kannst.


    Im Alleingang ist das Projekt beim jetzigen Kenntnisstand zum Scheitern verurteilt - realistisch betrachtet.

  • Es wird aber scheinbar immer mehr mit Leuten die sich ne Pappe zulegen und nicht wissen (Grundkentnisse)wie man was macht . Also werden Fragen gestellt wie" wie bekommen ich den Türöffner ab" oder solcher dinge . Manche Sachen erklären sich eigentlich von selber wenn man sich damit befassen tut.


    Und ich denke als ich gelesen habe "neue Ringe gekauft" was macht er wenn Er den Motor offen hat ? Dann hat er ne Welle vor sich und sagt was nu.
    Viele von uns wissen was nun zu tun ist .
    Welle regenerieren lassen Zylinder neu schleifen neue Dichtungen und Drehschieber und dann alles Sach und Fachgerecht zusammen setzen(lassen).



    Sorry ist meine Meinung .

  • Ist auch meine Meinung. Die Menge an regenerationsfähigem Material wird immer weniger. So wie der TE schreibt, scheint das Fz. noch in einigermaßen guten Zustand zu sein.
    An seiner Stelle würde ich hier einen Aufruf starten. Vielleicht findet sich jemand in seiner Gegend, der mit ihm gemeinsam den Motor inspiziert und ggf. auch restauriert. So lernt er dazu, kann dem nächsten Forumskollegen helfen usw. Gleiches gilt fürs Getriebe usw.
    So etwas würde ich mir hier im Süden auch wünschen, denn an die Kurbelwelle traue ich mich nicht. Für mich ist an der Zylinderkopfdichtung Schluß.

  • Nicht alle, die hier posten, sind ausgebildete Kfz-Schlosser oder ähnliches. (Eher die wenigsten?) Es gibt auch Leute, die einfach etwas basteln wollen, den Fahrriemen abschleifen...
    Ich bin dafür, auch denen über die nächste Schwelle zu helfen. Wenn sie dann eine Kurbelwelle schrotten, kostet es doch nicht unser Geld. Es sollte reichen, sie auf die Probleme hinzuweisen.
    Wir werden niemals alle Trabis retten und wollen das wohl auch nicht.

  • Wir wollen aber verhindern, dass aus Unwissenheit Schrott produziert wird. Eine Regeneration im unzerstörtem Zustand ist sicher auch billiger.

  • @V603


    Doch, es ist sehr wohl auch unser Geld, weil jede dieser Zerstörungen aus Unwissenheit steigende Preise nach sich zieht. Auch wenn sich das für den Einzelnen nicht direkt und sofort meßbar auswirkt - aber was kostet heute eine regenerierte Welle und was hat sie vor 10 oder 15 Jahren gekostet?
    Und woran liegt das? Richtig - einer der Gründe ist die stark abnehmende Zahl an regenerierfähigen Altwellen.


    Manchmal ist der größere Zusammenhang nicht ganz unwichtig... ;)