Bauort Trabant Kübel

  • Abend Leute,
    Ich bin eben so dabei im Internet zu surfen und mir kam ne Frage in den Kopf die ich euch jetzt mal fragen will. :)
    Also zur Frage die Trabant Limousinen kamen ja aus Zwickau und die Unis aus Meerane, aber wo kommen jetzt eig die Kübel her also wo wurden die produziert?
    Kam mir iwie so spontan in den Sinn. ^^
    Vielleicht weiß es ja jemand.


    LG

  • Die Bodengruppen mit Radkästen, Spritzwand und seitlichen Motorraumwänden wurden im FB 2 (Rohbau, Werk 1 ehem. Horch) in Zwickau vorgefertigt und tauchgrundiert. Dann wurden diese auf spezielle LKW Auflieger verladen und nach Meerane gefahren. Dort wurden diese Bodengruppen zu fertigen Rohbau Karossen aufgebaut (Frontscheibenrahmen, seitliche Karosserieteile, Heckklappe, die Türen kamen aus Z mit), beplankt, lackiert und mit Anbauteilen (Scheiben, Scheinwerfer) versehen. Dann ging es zurück nach Zwickau ins Werk 2 (ehem. Audi) zur Endmontage (vorderer Fahrschemel, Hinterachse, Räder etc.). Deshalb kursierte bei uns auch zu Ostzeiten der Witz: Sachsenring hat das längste Band der Welt!
    Dieses Fertigungsverfahren erklärt auch den miserablen Zustand vieler Kombis im Bereich Dachrahmen (Rost, Rost, Rost). Die Kombikarossen wurden nur als Bodenbleche in Zwickau tauchgrundiert, für den Aufbau der Rohkarosse in Meerane wurde diese Grundierung mit der Drahtbürste wieder entfernt (blanke Schweißstellen).

  • Schon richtig.


    Aber die fertigen Gerippe wurden in Meerane nochmal durchs Elektrophoresebad geschickt und somit genauso vorbehandelt wie in Zwickau, nur daß die Bodengruppe den Gang halt zweimal durchlaufen hat. Was wiederum egal war, da die Methode ja nur für blankes Blech wirksam ist.


    Der miserable Zustand im Dachbereich hat andere Ursachen:
    Doppelte Bleche im Rahmen, die schlecht von Konservierungsmitteln durchsetzt werden, Undichtigkeiten im Bereich Regenrinne usw.

  • Quote

    Aber die fertigen Gerippe wurden in Meerane nochmal durchs Elektrophoresebad


    Für die letzten Baujahre möchte ich das bezweifeln, das da nochmal was durchs Bad ging.
    Die Kombidachrahmen die ich gesehen habe, hatten alle nur da (gelbliche)Grundierung drauf, wo die Langlöcher in den Blechen des Dachinnenrahmens waren. Heißt für mich, dass da nur Spritzgrundiert wurde.
    Nach raustrennen des Dachrahmens, war nur nacktes Blech darunter.


    Ebenso bei dem Kübel (ein anfang 80ziger Modell) den ich gerade mache. Dort muß ich die A-Säule neu bauen und darunter das Innenblech(ein Kübelspezifisches Blech), ist von anfang an blank gewesen und zeigt heute eine wunderschöne Flugrostschicht, wie man es von unbehandelten Rohblechen kennt.
    [Blocked Image: http://lh6.ggpht.com/_8i9lA9J7vpI/SqQK4A2ZcmI/AAAAAAAAAe0/YPlaRQVfvAk/s512/Bild070.jpg]

  • Die Filmdokumentation von 1991 zeigt die Tauchanlage nebst ihrer Benutzung ganz eindeutig - und das Hängeband lief da nunmal lang.
    Kann höchstens sein, daß die Qualität der Grundierung vielleicht nix taugte. Aber die Kombigerippe haben in Meerane den gleichen Prozeß durchlaufen wie die Limousinenkarossen in Zwickau.

  • Die technische Ausführung der Tauchanlage war sicher in Z um einiges besser. Dort wurden die Karossen über eine Hängebahn, welche sich in das Bad absenkte, getaucht. Die Karosse lief immer tiefer in das Bad um dann irgendwann wieder aufzutauchen. In Meerane erfolgte die Grundierung in einem Kübel oder Bottich. Es kam mit Sicherheit vor, dass in Engpasssituationen dieser Arbeitsschritt übergangen wurde, um einen Abriss der Produktion zu vermeiden. Also möglich war das sicher ohne weiteres, die Karossen über den Tauchbottich ohne Absenken hinweglaufen zu lassen. Und es wurde mit Sicherheit auch gemacht!
    Weiterhin war die Qualität der Suppe in 1990 und 1991 schlecht. Das Ende war spürbar, demzufolge hat sich um Korrosionsschutz und Langzeitqualität keiner mehr eine Platte gemacht.
    Das die Tramp und Kübel getaucht wurden, glaube ich auch nicht, da dies über Dachgehänge, welche am Dachrahmen der Kombikarosse angeschlagen wurden, realisiert wurde. Und die Kübelkarossen haben ja bauartbedingt diesen Dachrahmen nicht.

  • Quote

    Die Filmdokumentation von 1991 zeigt die Tauchanlage nebst ihrer Benutzung ganz eindeutig


    Genau, wie schon angedeutet wurde, die Doku zeigt wie es sein sollte, nicht wie es immer wirklich war? ;)


    Ich hab mittleiweile mehr als einen offenes K-Dach gesehen und die sprachen bisher alle für "Nichttauchen"

  • Das stimmt und ich bin immer noch der Meinung, es ist immer noch besser, ein Auto vor Baujahr 1986 zu suchen, denn ab da wurde immer wieder verschlimmbessert und gespart, koste es, was es wollte. bei meinem Vater seinem 1.1 Kombi war das Dach komplett abgerostet!!!!
    Auch ich habe immer wieder mit Stellen an den Trabantkarossen zu tun, wo die Farbe "mal daneben stand".
    Andererseits will ich mal die Karosseriebauer in Zwickau und Meerane nicht allzu schlecht machen, denn was dem Eigner heutzutage an "Lackierung" an nicht sofort sichtbaren Teilen (z.B.Motorraum) auch bei hochpreisigen Herstellern geboten wird, da war Sachsenring richtig verschwenderisch.
    Fakt ist aber wirklich, daß man mitunter zu DDR - Zeiten das Pech hatte, einen Kombi zu kaufen, der Freitag Nachmittag als Boden in stömendem Regen nach Meerane gefahren wurde, das Wochenende auf dem Hof stand und am Montag aus Zeitnot am Bad vorbei in die Montage schwebte.
    Gruß Jürgen

  • Ich hab mir das jetzt gerade nochmal in der ungeschnittenen Rohfassung angesehen und dabei etwas ganz anderes festgestellt...


    Die Karossen hingen schräg am Hängeförderer, um ein Ablaufen der Tauchfarbe nach rechts zurück ins Becken zu gewährleisten. Dazu gibts auch einen Kommentar des Filmenden (Ing. Herbert Schorch), der das bestätigt. Die Kamera hielt die ganze Zeit ohne Unterbrechung auf den Vorgang - da fehlt also nichts.
    Beim Tauchvorgang konnte man jedoch ganz deutlich sehen, daß aufgrund des Schräghangs ein Teil des linken Dachrahmens einschließlich der linken vorderen Ecke /A-Säule) gar nicht untergetaucht ist!


    Das würde auch einiges erklären, denn wenn das der Standard war, ist alles andere logische Folge.
    Daß man aus Zeitmangel gleich reihenweise Karossen einfach übers Becken gefahren hat und anschließend sogar noch Prämien wegen Planübererfüllung bei den Fertigungsstückzahlen kassiert hat, kann natürlich zusätzlich gut möglich sein.

  • Da sachsenring damals "im sterben lag" hat man sicher hier und da gemogelt. wem will mans verübeln. es gab ja auch die schönen neuen westautos. wie viel trabis gingen neu in die presse? intressiert doch den typ vom schrottplatz nich ob der rost hat oder nich. heut sieht mans anders, ganz klar. allerdings sparen heutige hersteller auch an allen ecken. und früher sahs bei anderen herstellern auch nich besser aus ( fiat alfa,....) die einen haben gespart wegen dem freien markt und der konkurend, und die leute bei IFA halt wegen EVP.


    wenns nich ums geld ginge gäbe es sicher ne alukarosse. weil alu war scheinbar nich so knapp wie tiefziehblech ;)

    Ich suche S50/ S51 Papiere / Typschild. das älteste gewinnt, bitte per PN anbieten

  • alu ist aber sch.. bei reparatur!
    produktion und stückzahl ist halt,auch häut,noch nicht alles!

  • So möchte den Fred nochmal hochholen.
    Ich habe bei meinen kürzlich erworbenen Kübel, Bj. 02.88 den gesamten Unterbodenschutz entfernt, da ich sehen wollte, was mich erwartet. Da das Auto erst nachweißlich 9000 km weg hat, sieht es ganz gut aus.
    ABER!
    sämtliche nachträglichen Kübel-spezifischen Schweißarbeiten an der Bodengruppe sind nicht versiegelt.
    Das betrifft die Schweißpunkte des Werkzeugfachs unterm Rücksitz und das Heck.
    Ich habe das Bodenblech auf den Bildern nicht geschliffen, lediglich abgemeißelt (ja das geht, aber nur bei kalten Temperaturen und niedriger Schlagzahl und keine Sorge, die winzigen Einschläge des Meißels sind nach dem Grundieren verschwunden), damit blieb die Grundierung aber zum Großteil erhalten und somit wurde überhaupt erst die mangelhafte Strucktur erkenntlich.
    Ich denke man sieht auf den Bildern sehr gut, warum die Kübel fast alle im hinteren Bereich so rostig sind und das die Bodengruppen, wenn überhaupt, nur sporadisch nachgrundiert wurden (zumindest in den letzten Jahren). Diese hier auf jeden Fall nicht!
    Das erklärt vielleicht auch die vielen E-Karossen?


    Gruß René

  • Die kombispezifische Rostschutzdiskussion ist jetzt zwar schon 3 Jahre her, aber:


    So wie ich's dem Ratgeber Konservierung entnehme, war die Tauchgrundierung gar keine Grundierung in dem Sinne, sondern 'nur' eine Eisenphosphatierung. Die Grundierung kam erst danach im Spritzverfahren drauf.


    Das würde also zu den Beobachtungen der blanken Innenbleche passen, selbst wenn alle Karossen getaucht worden sein sollten.

    sapere aude! incipe! (Horaz)
    (bzw. frei nach F. v. Schiller: "Erdreiste Dich zu denken!")

  • Dazu kann ich ein paar neuere Erkenntnisse beisteuern. Ich habe Kontakt zum früheren Meeraner Haupttechnologen Herbert Schorch und in den letzten Monaten ab und an mal mit dem Herrn telefoniert und Mails getauscht.
    Zum Thema Rostschutz / Tauchgrundierung ist folgendes zu sagen:


    In Zwickau von Anfang an.


    In Meerane nicht. Zu Anfang wurde in Meerane gepinselt. Später wurde die Grundierung auf die Gerippe gespritzt. Ergo: in die Hohlräume ist nie 'was hineingekommen.
    Das Tauchbad gab es in Meerane erst ab Anfang der 80er Jahre - also sehr, sehr spät.


    Herbert Schorch hat meine Frage, ob der Tauchgang ggf. auch mal weggelassen wurde, kategorisch verneint. Die obige Vermutung von ande und mir ist also nicht bestätigt worden. Aber daß das Tauchbad erst derart spät kam, erklärt so manches...

  • Ist das hier das besagte Filmmaterial?
    http://www.youtube.com/watch?v=5TSyzpHa3Tg


    Es gibt zwar schon diverse Videos im Netz, die sich mit der Trabantproduktion beschäftigen, dennoch ist es immer wieder interessant zu sehen, wie und unter welchen Umständen man damals Automobile gebaut hat. Auch wenn das Ende der 1.1er-Produktion schon über 20 Jahre zurück liegt, zeigt dieses Video wieder einmal, wie weit man damals bei der Produktion dem internationalen Standard hinterher hinkte..

  • Dann grenzt es ja wirklich an ein Wunder, mal einen guten frühen Kombi zu erwischen... bzw. brauch man sich mit solcherlei Hoffnungen nicht aufzuhalten, wenn man nun besser weiß, wie es zuging. Also karosseriemäßig fast die umgekehrte Tendenz wie bei den Limousinen.
    Konnte er das "Anfang der 80er" noch eingrenzen?

    sapere aude! incipe! (Horaz)
    (bzw. frei nach F. v. Schiller: "Erdreiste Dich zu denken!")

  • Deluxe
    Aber wenn die Grundierung im Tauchbad nie weggelassen wurde, wieso kann dann ein Kübel-Unterboden von 88 (da gabs ja dann wohl auf jeden Fall Tauchbad) so aussehen? Oder sind nur die Kombis gemeint?
    Ich denke Mal bei den Großteil der Kübel wird man diese Spuren gar nicht mehr finden, nachdem sie im Alltagseinsatz waren. Hier waren sie glücklicherweise aber gut erhalten unter dem originalen UBS.
    Dieser Unterboden wurde definitiv nicht nachgrundiert im Werk, nachdem die Schweißarbeiten erledigt waren!


    Gruß René

  • Weil es (siehe mein Beitrag oben mit Verweis auf den Ratgeber Kfz-Konservierung) keine Grundierung war, die im Tauchbad war, sondern eine Phosphatierung. Die Grundierung kam dann per Hand, und das wird mehr oder weniger von der Tagesform des Lackieres abhängig gewesen sein...

    sapere aude! incipe! (Horaz)
    (bzw. frei nach F. v. Schiller: "Erdreiste Dich zu denken!")